Ausgezeichnet emissionsarm: Wie Sovereign Speed und Interface den Wandel in Logistik und Lieferkette gestalten

Artikel: Karolina Landowski

Zwei Unternehmen, zwei Wege – ein gemeinsames Ziel: eine klimaverantwortliche, nachhaltige Wirtschaft. Der Logistikdienstleister Sovereign Speed und der Bodenbelagshersteller Interface gehören zu den mit dem Siegel SDGold ausgezeichneten Unterstützer:innen der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima. Ihre Strategien könnten unterschiedlicher kaum sein – und sind gerade deshalb inspirierend. Sie zeigen eindrucksvoll, wie sich ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit verbinden lässt – mit klarer Strategie, messbarem Impact und gelebter Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette.

Klimafreundliche Logistik bei Sovereign Speed

Schnelligkeit und Effizienz sind die Kerngeschäfte von Sovereign Speed. Dass sich diese Eigenschaften auch mit konsequenter CO₂-Reduktion vereinbaren lassen, beweist das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg. Als Spezialist für Expresslogistik verfolgt Sovereign Speed mit seiner Strategie „ourwaytozero“ das Ziel einer fossilfreien Logistik – messbar und nachvollziehbar. „Wir denken Klimaschutz in drei klaren Bereichen: Messen, Reduzieren und Vermeiden“, erklärt Moritz Tölke, Director Green Projects bei Sovereign Speed. Datenbasierte Entscheidungen stehen dabei im Fokus: Verbrauchsmessung, Scope 1 bis 3-Bilanzierung, aerodynamische Trailer, optimierte Routenplanung – jede Maßnahme wird anhand ihrer Klimawirkung bewertet. Und diese wird ganzheitlich gedacht, etwa durch die Maßnahme „Eco-Driving“, bei der durch gezieltes Fahrtraining Kraftstoff gespart und CO₂ reduziert werden kann. Der Einsatz von HVO100-Biodiesel ist dabei ein Schlüsselfaktor: Über 500.000 Liter wurden 2024 bereits vertankt – mit rund 80 Prozent weniger CO₂-Emissionen pro Liter im Vergleich zu herkömmlichem Diesel. Das Ziel: bis Jahresende die 1-Million-Liter-Marke zu knacken. Ergänzt wird das durch den steigenden Umstieg auf E-LKWs zum Beispiel im 24/7-Einsatz in der Werkslogistik – (fast) vollständig emissionsfrei.

Fossilfreie Expresslogistik in Fahrt: Mit biodieselbetriebenen LKWs und digitaler Routenplanung geht Sovereign Speed den Weg zu Net Zero.

„Ohne Zusammenarbeit ist nachhaltige Transformation in unserer komplexen Branche nicht möglich."

Moritz Tölke treibt bei Sovereign Speed die klimafreundliche Transformation voran.

Transformation auf der Überholspur

Auch bei den Klimazielen setzt Sovereign Speed Maßstäbe: Als eines der ersten mittelständischen Logistikunternehmen Europas ist es offiziell der Science Based Targets initiative (SBTi) verpflichtet. Die Vorgaben: 42 Prozent weniger Scope 1- und Scope 2-Emissionen bis 2030, Net Zero bis 2042 – ambitioniert, aber realistisch, denn: „Wir liegen im Plan“, so Tölke. Neben Technik und Strategie setzt Sovereign Speed auf Partnerschaft und Wissensaufbau, da die Herausforderungen auf dem Weg zur klimafreundlichen Logistik sind nicht zu unterschätzen. „Viele Transportketten sind kurzlebig organisiert, langfristige Partnerschaften sind selten. Doch genau sie sind entscheidend, um Dekarbonisierung effektiv umzusetzen“, sagt Moritz Tölke. Die Zusammenarbeit mit Kund:innen, Hersteller:innen und politischen Entscheidungsträger:innen sei daher essenziell – gerade auch, um die Infrastruktur für alternative Antriebe auszubauen: „Kooperation ist das verbindende Element – mit Kund:innen, Hersteller:innen und der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima. Ohne Zusammenarbeit ist nachhaltige Transformation in unserer komplexen Branche nicht möglich“, betont Tölke. Das Siegel SDGold verleiht den Maßnahmen zusätzlich Glaubwürdigkeit: „Gerade in einer Branche, in der Greenwashing vorkommen kann, macht es unsere Integrität sichtbar.“. Bei Sovereign Speed ist die Nachhaltigkeit nicht nur Strategie, sondern fest in der Unternehmenskultur verankert. „Wir wollen Vorreiter sein und Verantwortung übernehmen“, betont Moritz Tölke. Der mittelständische Expressdienstleister ist fest entschlossen, den Logistiksektor mitzugestalten – und investiert aktiv in Weiterbildung, neue Technologien und Partnerschaften. „Loslegen ist die Devise“, sagt Tölke. „Wir gestalten jetzt die Lösungen von morgen.“

„Wir gestalten jetzt die Lösungen von morgen."

Nachhaltige Lieferkette bei Interface

Interface, weltweit bekannt für Teppichfliesen, LVT und nora Kautschukböden, setzt bereits seit über 30 Jahren auf eine konsequente Dekarbonisierungsstrategie als zentrales Unternehmensziel. Ob biobasierte Materialien oder CO₂-negative Produkte – hier ist Kreislaufwirtschaft kein Schlagwort, sondern Standard. „Wir setzen auf Vermeidung, Reduktion, Speicherung – und darauf, der Branche als Vorbild voranzugehen“, erklärt Gritli Heitbrink, Sustainability Managerin bei Interface. Der Wandel beginnt beim Produkt: Mit der Umstellung auf die Rückenkonstruktion CQuest™Bio, in der biobasierte und recycelte Materialien eingesetzt werden, wurde der CO₂-Fußabdruck von Teppichfliesen auf durchschnittlich 3,7 kg CO₂ eq/m² gesenkt – cradle-to-gate, also von der Rohstoffgewinnung bis zum Verlassen des Werks. Im Januar 2025 wurde der branchenweit erste Prototyp eines CO₂-negativen nora Kautschukbodens präsentiert. Bei Interface spielt die Kombination aus Innovationskraft und holistischer Sichtweise eine zentrale Rolle. Nachhaltigkeit beginnt hier nicht erst am Lebensende des Produktes, sondern bereits beim Design: Richtungsfreie Muster, modulare Formate und langlebige Materialien sorgen für minimale Abfälle und maximale Nutzungsdauer. „Wir betrachten das Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg“, erklärt Gritli Heitbrink. „So gelingt es uns, echte Kreislaufwirtschaft zu realisieren.“

Bereits im Jahr 1995 wurde das Rücknahmeprogramm „ReEntry“ ins Leben gerufen. Dabei werden gebrauchte Teppichfliesen zunächst auf Wiederverwendbarkeit geprüft. Nur wenn dies nicht möglich ist, gelangen sie in ein hochmodernes Recyclingverfahren, das geprüfte Sekundärrohstoffe für neue Produkte erzeugt. Interface inspiriert andere Unternehmen aktiv, dem eigenen Beispiel zu folgen. In Publikationen wie „Lektionen für die Zukunft“ teilt das Unternehmen Learnings aus seiner jahrzehntelangen Transformationsreise. Der Erfolg gibt dem Ansatz recht: Mit 51 Prozent biobasierten und recycelten Materialien im Gesamtportfolio – bei Teppichfliesen in Europa sogar 88 Prozent  – hat Interface einen neuen Branchenstandard etabliert.

„Wir setzen auf Vermeidung, Reduktion, Speicherung – und darauf, der Branche als Vorbild voranzugehen."

Modular, langlebig, emissionsarm: Interface-Böden vereinen Ästhetik mit Kreislaufwirtschaft.

Als Sustainability Managerin bei Interface treibt Gritli Heitbrink die Dekarbonisierung voran.

Dekarbonisierung als Unternehmensauftrag

In der Lieferkette setzt Interface auf Partnerschaften etwa mit einem Garnhersteller, aus der das erste 100 Prozent recycelte Nylongarn hervorging. Solche Kooperationen ermöglichen es, auch Scope 3-Emissionen entlang der Kette gezielt zu senken. Das Engagement ist messbar: Seit 1996 erfasst und veröffentlicht Interface systematisch Umweltkennzahlen. In Europa sind die Produktionsstätten vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt. Emissionen wurden um 96 Prozent, Wasserverbrauch um 86 Prozent und Deponieabfälle um 81 Prozent reduziert. Was Interface anderen Unternehmen rät? „Veränderung beginnt mit Herz und Verstand. Offenheit für neue Wege ist entscheidend.“ Es braucht Mut – aber auch die richtigen Partner:innen, Systeme und eine klare Vision. „Das Siegel SDGold war für uns ein wichtiger Meilenstein“, sagt Heitbrink. „Die externe Prüfung bestätigt unseren Weg und hilft uns intern wie extern, noch fokussierter zu kommunizieren.“ Der heutige Anspruch ist radikal: Bis 2040 will das Unternehmen CO2-negativ werden und dabei mehr Kohlenstoff binden, als CO2 in die Atmosphäre freizusetzen.

„Veränderung beginnt mit Herz und Verstand. Offenheit für neue Wege ist entscheidend."

Zwei Unternehmen – ein Ziel. Sowohl Sovereign Speed als auch Interface zeigen eindrucksvoll, wie sich tiefgreifender Klimaschutz mit unternehmerischer Weitsicht, modernem Technologieeinsatz und partnerschaftlichem Handeln erfolgreich verbinden lässt. Ihre Strategien sind verschieden, ihr Anspruch ist gleich: Verantwortung übernehmen, Wirkung erzielen – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Und damit werden sie zu echten Best Practices für eine klimaverantwortliche Zukunft.

Titelbild: Von der Faser bis zur Fläche: Interface reduziert CO₂ entlang des gesamten Lebenszyklus – mit biobasierten und recycelten Materialien.

Credits: Interface, Sovereign Speed

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Text:
 Lisa Maria Kunst
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