Vom 10. bis zum 21. November 2025 findet die 30. Weltklimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, statt. Fokusthemen sind die Abkehr von fossilen Brennstoffen zur Senkung des weltweiten Treibhausgasausstoßes sowie die Finanzierung von Klimaschutz und Klimafolgenanpassung im globalen Süden.
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Vertreter:innen des globalen Südens streben dabei ein Finanzierungsziel von 1,3 Billionen US-Dollar jährlich bis 2035 an, das aus allen verfügbaren Quellen – öffentlichen, privaten wie multilateralen – bestritten werden soll. Wie die konkrete Umsetzung dieses ambitionierten Ziels aussehen kann, wird in einem Bericht auf der COP30 präsentiert.
Geschichte der Weltklimakonferenz
Schon im Jahr 1941 warnt der deutsche Meteorologe Hermann Flohn erstmalig vor Klimaveränderungen, dreißig Jahre später spricht er von einem möglicherweise unumkehrbaren Klimawandel. Der erste weltweite Klimagipfel und damit Vorläufer zur heutigen „Conference of the Parties“ (COP) findet unter seiner Mitwirkung im Jahr 1979 in Genf unter der Leitung der World Meteorological Organization (WMO) statt. Teilnehmende sind seinerzeit vor allem Wissenschaftler:innen. 1987 wird der Brundtland-Bericht (Our Common Future, 1987) von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter Leitung von Gro Harlem Brundtland veröffentlicht, in dem erstmalig das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung definiert wird. Im Jahr 1988 wird auf Initiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und der WMO der Weltklimarat (IPCC) ins Leben gerufen, der fortan alle sechs Jahre einen Weltklimabericht mit dem aktuellen Stand der Forschung zum Klimawandel veröffentlicht. Auf der zweiten Weltklimakonferenz 1990 in Genf werden erstmalig Möglichkeiten für die Senkung von CO2-Emissionen diskutiert. Die Veranstaltung ist dementsprechend Impulsgeberin für die 1992 in Rio de Janeiro ins Leben gerufene UN-Rahmenklimakonvention (UNFCCC), die mittlerweile 196 Staaten, also nahezu alle Länder der Welt, ratifiziert haben. Sie setzt den Rahmen für die nun jährlich stattfindende Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen, kurz COP.
Die erste COP in Berlin
Die COP1 findet am 28. März 1995 mit Vertreter:innen aus 160 Staaten in Berlin statt. Auch hunderte Umweltschützer: innen nehmen an den mehrtägigen Verhandlungen teil. Im Fokus stehen die Bedingungen zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2000 auf den Stand von 1990. Man kommt aber zu keiner Einigung in Form eines völkerrechtlich bindenden Klimaprotokolls, sondern beschließt das „Berliner Mandat“, ein Vorläufer zum Kyoto-Protokoll.
Das Kyoto-Protokoll
Ein wichtiger Meilenstein wird 1997 auf der COP3 in Kyoto erreicht: Im sogenannten „Kyoto-Protokoll“ verpflichten sich die Unterzeichnenden, den Ausstoß klimagefährdender Treibhausgase zu verringern. Es enthält zudem erstmals rechtsverbindliche Begrenzungs- und Reduzierungsverpflichtungen für die Industrieländer. 191 Staaten ratifizierten das Kyoto-Protokoll, das 2005 in Kraft tritt und bis 2020 galt.
Auf der COP3 verpflichteten sich die Unterzeichnenden des „Kyoto-Protokolls“ erstmals, den Ausstoß klimagefährdender Treibhausgase zu verringern.
Die Bonner Klimakonferenz findet jedes Jahr im Juni am dortigen Standort des UN-Klimasekretariats statt. Traditionell dient sie der Vorbereitung der UN-Klimakonferenz – wie hier im Juni 2015 auf die COP21 in Paris.
Das 1,5 Grad-Ziel
Auf der COP21, die 2015 in Paris stattfindet, verständigen sich zum ersten Mal alle Staaten der Welt auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2, idealerweise auf 1,5 Grad Celsius. Das sogenannte „Pariser Abkommen“ tritt nach einem extrem schnellen Ratifizierungsprozess im Jahr 2016 in Kraft. Neben der Begrenzung der Erderwärmung möchte man ärmere Länder finanziell sowie mit Wissen und Technologie dabei unterstützen, Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Das Abkommen verpflichtet die teilnehmenden Staaten, alle fünf Jahre neue, deutlich ambitioniertere Ziele vorzulegen. Auf der COP26 in Glasgow wird dementsprechend beschlossen, die Energiegewinnung über fossile Energien schrittweise zu beenden.
Miteinbeziehung von NGOs und Unternehmen
Neben den Delegierten der Vertragsstaaten und der Europäischen Union, kommen bei einer Weltklimakonferenz auch Vertreter:innen von Unternehmen sowie Repräsentant:innen zwischenstaatlicher Organisationen und NGOs, die als sogenannte Beobachter („Observer“) auftreten, zusammen. Zur ersten Klimakonferenz im Jahr 1995 sind lediglich 162 NGOs zugelassen, bei der bisher größten COP in Dubai 2023 erhalten insgesamt 3.804 Organisationen den Beobachterstatus. Peter Renner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima dazu: „NGOs und Unternehmen tragen auf unterschiedliche Weise zur Weltklimakonferenz bei. NGOs bringen wichtige Perspektiven und Expertise ein, während Unternehmen durch nachhaltige Lösungen, Innovationen und vor allem Investitionen einen praktischen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten können.“
Unterstützung des globalen Südens
Schon auf der COP15 in Kopenhagen im Jahr 2009 wird beschlossen, dass die reicheren Länder 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die Entwicklungsländer bereitstellen, um diese beim Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen – ein Ziel, das im Jahr 2023 erstmals erreicht wird. Die Hoffnungen der Länder des globalen Südens liegen nun auf neuen Beschlüssen auf der COP30 in Belém. Aufgrund von Bedarfsermittlungen zur Unterstützung des Klimaschutzes und der Klimafolgeanpassungen in Entwicklungs- und Schwellenländern fordern vor allem die Allianz kleiner Inselstaaten sowie die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder, im Wesentlichen aus Afrika und Lateinamerika, eine Unterstützung von 1,3 Billionen US-Dollar im Jahr. „Die Einbindung der Länder des globalen Südens in die COP hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert, so haben sie ihre Bedürfnisse und Perspektiven in den Klimadialog eingebracht. Der zuletzt von diesen Ländern geäußerte Wunsch nach pragmatischen Ansätzen ist eine richtige Forderung, um endlich in die Umsetzung vor allem naturbasierter Klimaschutzprojekte zu kommen – und dies nicht nur im Rahmen der Weltklimakonferenz, sondern auch unterjährig“, erklärt Peter Renner.
Loss and Damage-Fonds
Ein bedeutender Fortschritt sei die Schaffung von Mechanismen wie dem „Loss and Damage“-Fonds, der während der COP27 im Jahr 2022 in Ägypten ins Leben gerufen wurde und der den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Ländern helfen solle, mit den Auswirkungen umzugehen, so Peter Renner. „Loss and Damage“ steht für Schäden und Verluste durch den Klimawandel, wie extreme Wetterereignisse, den Anstieg des Meeresspiegels oder Dürre. Auch klimabedingte Migration steht in diesem Kontext. „Diese Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, Lösungen zu finden, die den Ländern des globalen Südens zugute kommen“, so Peter Renner weiter.
COP als Plattform
Die Weltklimakonferenz sieht sich in diesem Zusammenhang als Plattform, über die jedes Jahr aufs Neue die Vertreter:innen von fast 200 Nationalstaaten, darunter auch kleine und arme Länder, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, einvernehmliche Lösungen für den Klimaschutz zu finden versuchen. Die derzeit sehr einschneidenden weltpolitischen Ereignisse haben großen Einfluss auf die Klimakrise. Die COP ist in diesem Zusammenhang das einzige Format, an dem neben der Politik sowohl Wissenschaft als auch Zivilgesellschaft beteiligt sind, was letztendlich zu mehr Klimagerechtigkeit führt.
Die COP29 fand im Jahr 2024 in Baku statt. Gut 52.000 Teilnehmende nahmen an der Weltklimakonferenz in der Hauptstadt Aserbaidschans teil.
Das Abschluss-Plenum der COP29, auf der man sich vor allem auf mehr finanzielle Unterstützung für die ärmeren Länder einigte.
Fokusthemen der COP30
Die Wahl von Belém als Austragungsort der COP30 hat großen symbolischen Wert: Zum ersten Mal wird eine Weltklimakonferenz auf dem Gebiet des tropischen Regenwaldes stattfinden, dessen sukzessive Zerstörung mitverantwortlich für die globale Umwelt- und Klimakrise ist. Daher werden auch lokale und regionale soziale Bewegungen gemeinsam mit allen anderen NGOs ihre Anliegen in Belém anbringen können und so die Verhandlungen im Sinne der Klimafinanzierung für ihre Belange prägen. Peter Renner meint dazu: „Auf der COP29 war das Klimafinanzierungsziel ein zentrales Thema. Nach zweiwöchigen Verhandlungen einigten sich die Vertragsstaaten in Baku auf ein Kernziel von mindestens 300 Milliarden US-Dollar jährlich bis 2035, wobei die Industrieländer einen Großteil der Mittel bereitstellen und mobilisieren – das unterstreicht die gestiegene Bedeutung multilateraler Akteur:innen in diesem Prozess.“
Credits: United Nations Photo