Klimafinanzierung als sinnvolle Ergänzung der unternehmerischen Klimastrategie

Artikel: Sina Brod

Das 1,5-Grad-Ziel braucht Entwicklung.

Die neusten Zahlen belegen es erneut: Vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen treiben den Klimawandel rasant voran. Von 1990 bis 2021 sind die weltweiten Emissionen um 51 Prozent gestiegen und führen zu einer alarmierenden Erwärmung der Erde (World Resources Institute 2025)1. Dabei stammen etwa 60 Prozent der Treibhausgasemissionen aus nur zehn Ländern, während die 100 Länder mit den geringsten Emissionen weniger als 3 Prozent zu den weltweiten Emissionen beitragen (Climate Watch 2025)2. Zugleich sind besonders für von Armut betroffene Menschen in den Ländern des globalen Südens die Folgen des Klimawandels am stärksten spürbar, denn sie verfügen oft nicht über ausreichend Kapazitäten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Die Ableitung liegt auf der Hand: Um eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen auf dieser Welt zu ermöglichen, gilt es, die globale Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Eine sofortige und starke Minderung der Treibhausgasemissionen ist dazu notwendig. Eng verbunden ist damit die Förderung der 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs), die gleichermaßen auch den Klimaschutz voranbringen, zum Beispiel durch den Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung ländlicher Räume.

Zur Bedeutung von privater Klimafinanzierung

Die internationalen Instrumente und Strategien, um die Treibhausgasemissionen deutlich zu senken und die Lebensbedingungen der Menschen im globalen Süden zu verbessern, reichen bisher allein nicht aus. Die Finanzierungslücke für Entwicklungsländer zur Umsetzung und Erreichung nachhaltiger Entwicklung und der SDGs liegt nach aktuellen Schätzungen zwischen 3,9 Billionen US-Dollar (OECD) und 4,3 Billionen US-Dollar (UNCTAD). Mithilfe von Klimafinanzierung können sich Unternehmen engagieren und dazu beitragen, die weltweite Finanzierungslücke zu schließen und nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Neue Rahmenbedingungen seit dem Übereinkommen von Paris

Bislang verfolgte unternehmerischer Klimaschutz i.d.R. den Ansatz, Treibhausgasemissionen zu vermeiden, zu reduzieren und zu kompensieren. Die Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Klimaschutzprojekten im freiwilligen Kohlenstoffmarkt haben sich aber zwischenzeitlich verändert: Mit dem Übereinkommen von Paris haben sich alle Vertragsstaaten zu nationalen Klimaschutzzielen verpflichtet und tragen jetzt selbst zum Klimaschutz bei. Diese so genannten Nationally Determined Contributions (NDCs) werden regelmäßig überprüft und aktualisiert, um ambitioniertere Klimaziele zu setzen. Klimaschutzprojekte in Ländern des globalen Südens stehen daher vor einer neuen Herausforderung. Denn eine Nutzung der Emissionsgutschriften im Sinne der Kompensation und zur Anrechnung auf die unternehmerische Treibhausgasbilanz ist somit nur möglich, wenn diese Emissionsgutschriften entweder vom Gastland oder von einem Unternehmen über den Kauf von Zertifikaten genutzt werden. Um eine solche Doppelzählung der Emissionsgutschriften durch die Gastländer und die Unternehmen, die diese durch Kauf erwerben, zu vermeiden, sieht das Übereinkommen von Paris unter Artikel 6 vor, dass das Gastland seine berichteten Emissionen entsprechend der verkauften Menge an Emissionsgutschriften anpasst. Diese Anpassung erfolgt durch ein sog. Corresponding Adjustment (CA). Bisher sind nur wenige Emissionsgutschriften mit CA auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt verfügbar. Hier bietet der Contribution Claim einen alternativen Ansatz zur klassischen Treibhausgaskompensation.

Nachhaltiger Kautschukanbau sichert ein zusätzliches Einkommen für die Menschen vor Ort. Ein Projekt das die Ralf Bohle GmbH im Rahmen von Klimafinanzierung unterstützt.

Ermittlung eines Budgets für Klimafinanzierung

Im Zuge der Kompensation galt bisher der Ansatz „Tonne für Tonne“, wonach für jede unvermeidbare Tonne Treibhausgasemissionen eine Emissionsgutschrift genutzt wurde. Der Contribution Claim zur Klimafinanzierung verfolgt hingegen den Ansatz „Geld pro Tonne“: Unternehmen können sich einen CO2-Preis setzen, der sukzessive steigt, während die Emissionen im Unternehmen durch Klimaschutzmaßnahmen sinken. Um das Budget für Klimafinanzierung zu ermitteln, wird der Preis auf alle Emissionen entlang der Scopes 1 bis 3 angewandt, indem das Unternehmen den CO2-Preis mit den Emissionen über einen bestimmten Zeitraum multipliziert. Dieser so ermittelte CO2-Preis pro Tonne variiert je nach Branche und Sektor. Eine Orientierung bietet der nationale Emissionshandel für fossile Brennstoffe und Abfallverbrennung mit derzeit 55 Euro pro Tonne (Stand 2025) oder aber die Weltbank, die eine Bandbreite von 50 bis 100 USD pro Tonne CO2 im Jahr 2030 ermittelte, um die Erderwärmung auf 2° C zu begrenzen (High-Level Commission on Carbon Prices, 2017). Gleichwie Unternehmen ihren CO2-Preis festlegen – er sollte in jedem Fall transparent begründet und ambitioniert sein.

Unternehmen können über Projekte wie Solarenergie in der Wüste Indiens eigene Emissionen kompensieren oder im Rahmen des Contribution Claim Modells fördern

Klimafinanzierung für Unternehmen

Die Stiftung Allianz für Entwicklung Klima stellt in ihrem Leitfaden zur Umsetzung des Contribution Claim-Modells drei Optionen für eine solide Klimafinanzierung vor, die jeweils einzeln genutzt oder kombiniert werden können.

  • Die erste Option ist der Ankauf und die Stilllegung von Emissionsgutschriften aus Klimaschutzprojekten auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt ohne Verrechnung auf die unternehmerische Treibhausgasbilanz. Durch Kauf und Stilllegung der Gutschriften werden qualitativ hochwertige Projekte gefördert, die ohne Teilnahme am freiwilligen Kohlenstoffmarkt nicht durchgeführt werden.
  • Eine weitere Option ist die Unterstützung von nicht-finanzwirtschaftlichen Klimafonds über Zahlungen in einen Fördertopf, der der Umsetzung von Klimaschutzprojekten dient und keine Rendite auf das beitragende Unternehmen auszahlt. Eine weitere Möglichkeit in diesem Rahmen ist die Einzahlung in Green Bonds, wobei die Rendite als Beitrag zum Klimaschutz außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette zu re-investieren.
  • Die dritte Option ist die Direktfinanzierung eigener Projekte, womit Klimaschutzprojekte passgenau auf die Bedarfe des beitragenden Unternehmens angepasst werden können.

Klimafinanzierung wirkt nicht auf die unternehmerische Emissions-, sondern auf die globale Klimabilanz. Und kommt Menschen vor Ort zugute.

Finanzierung nachhaltiger Projekte – mit gutem Beispiel voran

Unabhängig davon, welchen Weg die Unternehmen wählen, ist es entscheidend, sich zu engagieren: Unterstützer:innen der Allianz für Entwicklung und Klima gehen mit gutem Beispiel voran. Ob der mittelständische Bio-Weinimporteur Riegel, der Hersteller für gewerbliche Taschen und Gurtsysteme Halfar, das familiengeführte Kosmetikunternehmen cosnova Beauty oder der multinationale Technologiekonzern der WILO Gruppe: Alle eint der Wille, das Klima zu schützen und nachhaltige Entwicklung im globalen Süden zu fördern. Diese Unternehmen zeigen, wie sie in verschiedenen Branchen und mit unterschiedlichen unternehmerischen Voraussetzungen ihre eigene Klimaschutzstrategie aufsetzen, ihre Produktion und Lieferketten schrittweise dekarbonisieren und mithilfe von Kompensation oder Klimafinanzierung zu Entwicklung und globalem Klimaschutz beitragen.
Damit sind sie gleich mehrfach erfolgreich: Sie senken sowohl ihre Emissionen als auch ihre Kosten, denn eine systematisch aufgesetzte Klimaschutzstrategie beinhaltet auch eine extern verifizierte Treibhausgasbilanzierung. Diese hilft dabei, Hot-Spots von Emissionen zu identifizieren und zeigt auf, wo durch die Anpassung von Prozessen effizienter und ressourcensparender produziert werden kann.

Im Rahmen der Klimaschutzstrategie setzen sich Unternehmen also ein langfristiges Reduktionsziel im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel und lassen dieses validieren. Darauf aufbauend entwickelt das Unternehmen passende kurz-, mittel- und langfristige Klimaschutzmaßnahmen innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette.

Weiterführende Informationen und Handlungsempfehlungen bietet der Leitfaden zum Contribution Claim-Modell der Stiftung.

1 World Resources Institute (2025): Where do emissions come from?  4-charts-explain-greenhouse-gas-emissions-countries-and-sectors; Abrufdatum: 31.03.2025.

2 Climate Watch (2025): Global Historic Emissions https://www.climatewatchdata.org/ghg-emissions?end_year=2021&start_year=1990; Abrufdatum 31.03.2025.

Credits: Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

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Text:
 Lisa Maria Kunst
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