„Klimaschutz muss das Leben der Menschen konkret verbessern“

Artikel: Karolina Landowski

In Ghana sind die Folgen des Klimawandels längst Alltag: Dürren zerstören Ernten, Überschwemmungen setzen Gemeinden unter Wasser. Donkor Fuseini, stellvertretender Generaldirektor der National Service Authority, bringt Programme voran, die genau hier ansetzen. Die Behörde organisiert ein Praxisjahr für Hochschulabsolvent:innen, die landesweit u. a. im Klimaschutz mitarbeiten. Im Gespräch mit Gradº Global erklärt er, warum Klimapolitik nur dann funktioniert, wenn sie wirtschaftliche Perspektiven schafft.

Herr Fuseini, wann wurde für Sie deutlich, dass Klimaschutz eine zentrale Rolle in der Entwicklungspolitik einnehmen muss?

Es war der Moment, in dem mir klar wurde, dass Klimaereignisse keine Ausnahme mehr sind, sondern zur neuen Normalität gehören. Überschwemmungen, Dürren und unvorhersehbare Regenfälle bringen immer häufiger ganze Systeme durcheinander. Das zeigt: Klimaschutz ist kein Zusatzthema mehr, er gehört ins Zentrum jeder Entwicklungsplanung. Ich habe früh gelernt, dass Politik nur dann zählt, wenn sie im Alltag funktioniert. Die Menschen sehen nicht die Strategie oder das Papier. Sie sehen, ob sich ihr Leben verbessert. Deshalb müssen politische Entscheidungen immer praxisnah sein, lokale Bedürfnisse berücksichtigen und tatsächlich umsetzbar sein.

Wie erleben die Menschen in Ghana die Folgen des Klimawandels?

Viele Menschen erleben täglich unvorhersehbare Regenfälle, steigende Temperaturen, Überschwemmungen, Dürren und Küstenerosion. Die Folgen sind konkret: Ernten gehen verloren, Häuser werden beschädigt, Lebensmittel werden teurer und die wirtschaftliche Unsicherheit wächst. Deshalb ist es so wichtig, Klimaschutz mit wirtschaftlicher Entwicklung zu verbinden. In Ghana sind Klima- und wirtschaftliche Verwundbarkeit eng miteinander verknüpft. Maßnahmen können nur langfristig wirken, wenn sie auch Perspektiven schaffen – etwa durch Arbeitsplätze, eine stärkere Landwirtschaft, besseren Energiezugang und resilientere Gemeinden. Wenn sich das Leben der Menschen nicht verbessert, werden diese Maßnahmen nicht dauerhaft tragen.

Welche Ansätze verfolgt Ghana konkret, um diese Verbindung zwischen Klimaschutz und Entwicklung herzustellen?

Wir sehen Fortschritte in mehreren Bereichen: beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei klimafreundlicher Landwirtschaft und bei Programmen, die gezielt Arbeitsplätze für junge Menschen schaffen. Klimaschutz wird zunehmend so gestaltet, dass er nicht nur Emissionen reduziert, sondern gleichzeitig Lebensbedingungen verbessert.

Können Sie ein Projekt nennen, das diesen Ansatz besonders anschaulich macht?

Ein sehr eindrückliches Beispiel ist die African Plantation for Sustainable Development in Ghana. Dort wurden bislang rund 20.000 Hektar mit Eukalyptus sowie einheimischen und bedrohten Baumarten bepflanzt, gleichzeitig sind etwa 1.600 Arbeitsplätze in ländlichen Regionen entstanden. Das Projekt hat nicht nur ökologische Effekte, etwa auf Niederschlagsmuster und Biodiversität, sondern verbessert auch spürbar die wirtschaftliche Situation der Menschen vor Ort, insbesondere der Frauen. Für mich ist es ein starkes Beispiel dafür, wie Klimaschutz und Entwicklung zusammenwirken können.

Wie setzt die National Service Authority dabei Klimaschutz in die Praxis um?

Mit der National Service Authority bringen wir junge, gut ausgebildete Menschen direkt in Gemeinden: in die Landwirtschaft, in Bildungsprogramme, in den Klimaschutz oder in Datensysteme. So entsteht eine direkte Verbindung zwischen politischer Planung und konkreter Umsetzung. Junge Menschen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sollten nicht nur als Zielgruppe gesehen werden, sondern als aktive Gestalter. Ob im Rahmen des National Service, durch Unternehmertum oder innovative Ideen. Sie treiben viele Lösungen voran und gestalten die Zukunft des Landes.

„Ich habe früh gelernt, dass Politik nur dann zählt, wenn sie im Alltag funktioniert. Die Menschen sehen nicht die Strategie oder das Papier. Sie sehen, ob sich ihr Leben verbessert. Deshalb müssen politische Entscheidungen immer praxisnah sein, lokale Bedürfnisse berücksichtigen und tatsächlich umsetzbar sein.“

Welche Bedeutung haben Bildung und lokale Anpassung für wirksamen Klimaschutz?

Beides ist entscheidend. Klimaschutz erfordert Fachwissen und Kompetenzen, und damit Menschen, die Lösungen entwickeln, umsetzen und langfristig betreiben können. Ohne entsprechende Ausbildung bleiben selbst die besten Strategien wirkungslos. Gleichzeitig müssen Lösungen immer lokal angepasst sein. Ghana ist sehr vielfältig, und was im Norden funktioniert, passt nicht automatisch für Küstenregionen oder urbane Räume. Erfolgreiche Maßnahmen orientieren sich an den jeweiligen Lebensrealitäten.

Was sind die wichtigsten Hebel, um Ghanas Klimaziele bis 2030 zu erreichen? Und wo liegen aktuell die größten Herausforderungen?

Die wichtigsten Hebel sind der Ausbau erneuerbarer Energien, klimafreundliche Landwirtschaft, effizientes Abfallmanagement, höhere Energieeffizienz und widerstandsfähige Infrastruktur. Gleichzeitig müssen Politik, Finanzierung und Umsetzung viel stärker miteinander verzahnt werden. Die größte Herausforderung ist derzeit die Umsetzung im großen Maßstab. Also ausreichend Finanzierung zu mobilisieren, Maßnahmen gut zu koordinieren und sicherzustellen, dass alle Regionen und Bevölkerungsgruppen erreicht werden.

Vor Ort im Austausch: Donkor Fuseini spricht über Projekte, die Klimaschutz praktisch umsetzen und zugleich Arbeitsplätze in ländlichen Regionen schaffen.
Klimaschutz beginnt in den Gemeinden: Bei Projektbesuchen stehen lokale Bedürfnisse, Landwirtschaft und widerstandsfähige Lebensgrundlagen im Mittelpunkt.

Welche Rolle spielen dabei internationale Partnerschaften und wo sehen Sie Verbesserungsbedarf in der globalen Zusammenarbeit?

Internationale Partnerschaften sind entscheidend. Ghana bringt klare Ziele und großes Engagement mit, aber für die Umsetzung im großen Maßstab brauchen wir Finanzierung, Technologie und Wissenstransfer. Gute Partnerschaften orientieren sich an lokalen Bedürfnissen und führen zu konkreten Ergebnissen. Gleichzeitig besteht ein deutliches Ungleichgewicht: Länder wie Ghana tragen nur sehr wenig zu globalen Emissionen bei, sind aber besonders stark von den Folgen betroffen. Deshalb ist Klimagerechtigkeit nicht nur eine moralische Frage, sondern auch eine praktische Voraussetzung für wirksame Lösungen. Um Zusammenarbeit effektiver zu machen, müssen wir stärker vom Reden ins Handeln kommen. Sie sollte schneller, verlässlicher und konsequent an nationalen Prioritäten ausgerichtet sein. Mit Projekten, die vor Ort tatsächlich Wirkung zeigen.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Woran würden Sie den Erfolg Ghanas in den kommenden Jahren messen?

Erfolg würde ich daran messen, dass Gemeinden widerstandsfähiger werden, Ernährungssysteme stabil sind, saubere Energie verlässlich verfügbar ist und eine wachsende grüne Wirtschaft neue Arbeitsplätze schafft, insbesondere für junge Menschen. Entscheidend ist, dass Klima-schutz den Alltag der Menschen spürbar verbessert.

Was motiviert Sie persönlich, sich im Bereich nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz zu engagieren?

Der Fakt, dass der Klimawandel in Ghana längst Realität ist. Er beeinflusst, wie Menschen leben, wirtschaften und ihre Familien ernähren. Wenn man sieht, wie Gemeinden mit Überschwemmungen, Dürren und steigenden Lebenshaltungskosten umgehen müssen, wird klar: Es geht um den Schutz von Lebensgrundlagen und um die Zukunft der nächsten Generation. Für mich geht es um Würde, Resilienz und neue Chancen.

Welche Botschaft möchten Sie internationalen Partnern und Unternehmen mitgeben?

Ghana sollte nicht nur als verletzliches Land gesehen werden, sondern als verlässlicher Partner. Wir bringen Vision, Engagement und Kompetenz mit. Was wir brauchen, sind langfristige, praxisorientierte Partnerschaften, die echte Ergebnisse liefern.

Auf internationaler Bühne wirbt Donkor Fuseini für verlässliche Partnerschaften und Wissenstransfer im Klimaschutz.

„Klimaschutz erfordert Fachwissen und Kompetenzen, und damit Menschen, die Lösungen entwickeln, umsetzen und langfristig betreiben können. Ohne entsprechende Ausbildung bleiben selbst die besten Strategien wirkungslos.“

Donkor Fuseini

Donkor Fuseini ist Gründer und CEO von Culture and Development Aid International (CDAI). Er war District Chief Executive und verantwortete Projekte zur ländlichen Entwicklung und Katastrophenprävention in Ghana. Heute ist er Direktor für Sonderaufgaben und Operationen im National Democratic Congress (NDC) in der Ashanti-Region sowie stellvertretender Generaldirektor für operative Aufgaben bei der National Service Authority Ghana.

Bilder: National Service Authority Cooperate Affairs Unit, Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

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