Klimaschutzprojekte in Kambodscha: Lösungen für Unternehmen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung

Artikel: Vera Bünte

An den Straßenrändern und Stränden der kambodschanischen Stadt Sihanoukville findet sich viel Plastikabfall, der vom Regen in die Flüsse und schließlich ins Meer gespült wird. Obwohl es eine Müllabfuhr gibt, bleibt sie für viele Menschen unerschwinglich oder ist in abgelegeneren Gebieten schlichtweg nicht verfügbar. Wilde Müllkippen, die oft angezündet werden, sind die Folge und belasten das Klima zusätzlich.

Plastikmüll reduzieren

Hier setzt eine kleine Organisation an, deren Arbeit sich als sehr wirkungsvoll erweist: Menschen werden dafür bezahlt, Plastikmüll zu sammeln, der sonst niemanden interessiert. „Wir lassen nichts und niemanden zurück“, erklärte Loemchou Say, die Projektmanagerin von TONTOTON, Partnerorganisation von ClimatePartner Impact, in Kambodscha. Dieses Prinzip hat gleich zwei Vorteile: Es reduziert die Umweltverschmutzung und bietet vielen Menschen – vor allem Frauen – eine zusätzliche Einkommensquelle. Sodavy Mok betreibt ein kleines Ladengeschäft in einem am Bahndamm gelegenen Stadtteil und kann durch das Sammeln von Plastik flexibel ihr Einkommen verbessern. Das Geld nutzt sie u.a., um die Schulgebühren für ihre 16-jährigen Zwillinge zu zahlen.

Wie wird Plastikmüll in Kambodscha recycelt?

Das gesammelte Plastik wird entweder recycelt oder sinnvoll entsorgt. Aus PET-Flaschen-Deckeln entstehen farbenfrohe Platten für Möbel oder Wandverkleidungen. In dem Gemeinschaftszentrum einer NGO sind beispielsweise die bunten Wände vollständig aus recyceltem Plastik. Das Gebäude schützt in der Regenzeit besonders gut und ist zudem eine Art Symbol für nachhaltige Lösungen. Es dient u.a. als Ort für Umweltbildung und bietet Kindern die Möglichkeit, mehr über Mülltrennung und Recycling zu lernen.

Aus gesammeltem Plastik produziert TONTOTON Platten für Wände und Möbel.

Lösungsansätze für Unternehmen und Umwelt

Dieses Klimaschutzprojekt in Kambodscha ist ein hervorragendes Beispiel für nachhaltige Entwicklung, die sowohl ökologische als auch soziale und ökonomische Vorteile bringt. Denn mittlerweile sind bereits 200 Haushalte in das Projekt involviert, 41 Prozent der Sammler:innen haben ihr Monatsgehalt im Vergleich zu ihrer vorherigen Beschäftigung erhöht. 122 US-Dollar betrug die durchschnittliche Gehaltserhöhung, wodurch das Gehalt auf 318,08 US-Dollar anstieg. 100 Prozent der Sammler:innen gaben an, dass sie mit dem Geld, das sie zusätzlich verdienen können, zufrieden sind.[1]

Unternehmen können durch die Förderung dieser Projekte ihre Geschäftsmodelle nachhaltig gestalten. Indem sie in Kambodscha Plastikrecycling fördern und den Plastikmüll reduzieren, tragen sie aktiv zur Umsetzung der 17 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) bei und stärken zudem die Corporate Social Responsibility (CSR) und ESG-Ziele.

„Das Projekt reduziert die Umweltverschmutzung und bietet vielen Menschen – vor allem Frauen – eine zusätzliche Einkommensquelle."

Wie funktioniert eine Biogas-Anlage?

Auch Biogas bietet zahlreiche Vorteile für Mensch und Umwelt. Im Norden Kambodschas wohnt in der Nähe von Siem Reap Sokkha Thouk mit seiner Frau und zwei Kindern im Dorf Shret Keul. Die beiden haben sich auf ökologischen Pflanzenanbau spezialisiert. Mit dem Dung ihrer sechs Kühe befüllen sie die 4 m3 kleine Anlage. Nach einem Gärprozess von vierzig Tagen entsteht Biogas, das in die Küche geleitet wird, um damit zu kochen.

Der Unterschied zu traditionellen Kochmethoden mit Holz oder Holzkohle ist sofort spürbar: keine Rauchschwaden, keine rußigen Wände. Ein weiterer Nutzen ist der sogenannte Bio-Schlamm, der als Nebenprodukt in der Anlage entsteht und den die Familie als natürlichen Dünger auf den Feldern einsetzt und der die Erträge steigert – und damit auch das Einkommen von Familie Thouk.

Aus dem Dung von Kühen produziert Sokkha Thouk Biogas zum Kochen.

CO2-Reduktion durch nachhaltige Projekte

Auch im Ort Kouk Doung in der Provinz Siem Reap hat man positive Erfahrungen mit Biogas-Anlagen gemacht. Hier lebt Laron mit seiner Frau und drei Kindern sowie seinem älteren Bruder zusammen. Er bietet mit seiner Frau Kochkurse für Tourist:innen an und betreibt Landwirtschaft. Ihm gefällt besonders gut an den Biogasanlagen der Bio-Dünger und die Sauberkeit, kocht seine Frau doch drei Mahlzeiten pro Tag mit Biogas. Auch die finanzielle Situation der Familie hat sich verbessert, seit er den biologischen Dünger nutzt und keinen chemischen Dünger mehr kauft. Für das Kochen hat er zuvor Holz gesammelt und durchschnittlich zehn Tage pro Jahr darauf verwandt, schließlich musste er das Holz hacken und nach der Regenzeit auch trocknen. Das hat ihn durchschnittlich eine Stunde pro Tag gekostet – eine Zeitersparnis, die er durch die Biogas-Anlage erzielt.

Im Rahmen des Projekts, das vom National Biodigester Programme, Partnerorganisation des FairClimateFund, umgesetzt wird, werden außerdem Bäuer:innen geschult, lokale Unternehmen unterstützt und der Bau hochwertiger Biogas-Anlagen gefördert. Die Finanzierung erfolgt unter anderem durch den Verkauf von CO₂-Zertifikaten. Im Rahmen des Biogas-Projekts konnten insgesamt 28.683 Anlagen installiert, 293.300 Tonnen Holz reduziert und 907.351 Tonnen CO₂ eingespart werden.[2]

Mehrwert für Unternehmen: Förderung von Biogasprojekten

Das Biogasprojekt bietet auch Unternehmen handfeste Vorteile: Durch Klimafinanzierung können sie nachhaltige Projekte wie dieses fördern und von den positiven Effekten auf ihre eigene CO₂-Bilanz profitieren. Neben der Vermeidung und der Reduktion von Treibhausgasemissionen ist der Kauf von CO₂-Zertifikaten aus beispielsweise Biogasprojekten eine Möglichkeit, unvermeidbare Emissionen zu kompensieren und gleichzeitig Mensch und Umwelt positiv zu unterstützen. Die Finanzierung von Klimaschutz durch nachhaltige Klimaschutzprojekte bietet einen klaren Mehrwert, der der Umwelt zugutekommt und auch dem Unternehmen selbst. Seine Verantwortung für nachhaltige Entwicklung zu übernehmen.

Denn eine private Finanzierung hochwertiger Projekte im globalen Süden, die Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung fördern, ist von größter Bedeutung. Öffentliche Gelder allein reichen nicht aus, um die notwendige nachhaltige Transformation herbeizuführen. Die freiwillige Förderung qualitativ hochwertiger Projekte stellt daher eine Chance dar, gegen die fortschreitende Klimakrise vorzugehen.

Soziale und ökologische Wirkung von Klimaschutzprojekten

Klimaschutzprojekte bieten ein enormes Potenzial, um nachhaltige Entwicklung weltweit voranzubringen. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ermöglichen es Unternehmen, ihren sozialen und ökologischen Beitrag sichtbar zu machen. Mithilfe der SDGs lässt sich der zusätzliche Nutzen von Klimaschutzprojekten erfassen.

So tragen beispielsweise Projekte im Bereich Erneuerbare Energien zur Realisierung von SDG 13 (Klimaschutz) und auch zu SDG 7 (bezahlbare und saubere Energie) bei. Zusätzlich schaffen viele Klimaschutzprojekte Einkommen und Perspektiven in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und zahlen damit auf SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum) ein. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten!

Das Sammeln von Plastik bringt zusätzliches Einkommen – vor allem für Frauen.

Plastikmüll als wertvolle Ressource bei TONTOTON.

Titelbild: TONTOTON verwandelt gestrandeten Plastikmüll in Wertstoff

Credits: Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

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Text:
 Lisa Maria Kunst
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