Der Schokoladenhersteller Ritter Sport ist ein familiengeführtes Traditionsunternehmen, das sich schon seit vielen Jahren für Nachhaltigkeit in all ihren Facetten engagiert. Eine wichtige Säule in diesem Zusammenhang ist der Kakaoanbau, bei dem Ritter Sport auf sogenannte Kakao-Partnerschaften setzt. Grad° Global sprach mit zwei Mitarbeiterinnen des Unternehmens, Petra Fix, Globale Nachhaltigkeitskommunikation Ritter Sport in Deutschland, sowie Elizabeth Rizo, Cocoa Cooperation and Purchasing Manager bei Ritter Sport Nicaragua und das Gesicht des „Cacao-Nica“ Programms über das Engagement des Unternehmens entlang der eigenen Wertschöpfungskette.
Ziele der Kakao-Partnerschaften sind nachhaltiger Anbau, transparente Lieferketten und eine enge Zusammenarbeit mit den Menschen, die den Kakao für Ritter Sport anbauen. Um einen verlässlichen Rahmen für diese Partnerschaften zu schaffen, arbeitet das Unternehmen mit landwirtschaftlichen Organisationen und Kleinbäuerinnen und Kleinbauern u.a. aus Nicaragua zusammen. So schafft das Unternehmen seit mehr als 30 Jahren neue Perspektiven und eine planbare Grundlage für unzählige Mitarbeitende im globalen Süden. Ein weiteres Leuchtturmprogramm des Unternehmens ist die Kakaoplantage „El Cacao“ in Nicaragua. Hier wird wirtschaftlicher Anbau in Einklang mit Natur und Mensch gebracht. Was das genau bedeutet, erklärten uns Petra Fix und Elizabeth Rizo in einem Gespräch.
Ritter Sport setzt sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette für nachhaltige Veränderungen ein. Was genau bedeutet dies und wie wird dieses Engagement konkret in Nicaragua umgesetzt?
Petra Fix: Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG hat sich vor 35 Jahren dazu entschlossen, sich im nachhaltigen Kakaoanbau in Nicaragua zu engagieren. Aus einem anfänglichen Projektcharakter und der Zusammenarbeit mit lokalen NGOs hat sich im Laufe der Jahre der Kakaobezug aus Nicaragua als festes Standbein entwickelt. Ritter hat im Jahr 2002 die Gründung einer der ersten Kakao-Kooperativen in Nicaragua unterstützt. Die Kakao-Qualitäten im Land entwickelten sich dadurch so weit, dass es 2016 von der ICCO (International Cocoa Organization) zum Edelkakaoland ernannt wurde. Mit dem Programm „Cacao-Nica“ hat Ritter Kooperativen und ihre Mitglieder durch gezielte Schulungen unterstützt und Kleinkredite vergeben, um Investitionen in den Anbau zu ermöglichen. Abnahmegarantien und ein faires Preismodell schaffen eine verlässliche Einkommensgrundlage für viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern.
Elizabeth Rizo: In Nicaragua wird dieses Engagement durch langfristige Partnerschaften mit rund 20 Kooperativen von kleinstbäuerlichen Kakaoproduzent:innen, die mehr als 3.000 Bauernfamilien repräsentieren, mit Leben erfüllt. Gemeinsam setzen sie ein nachhaltiges Produktionsmodell um, das gute landwirtschaftliche Praktiken, faire Arbeitsbedingungen und direkte Beziehungen zu den Bäuerinnen und Bauern vor Ort einbezieht. Gleichzeitig werden Anstrengungen unternommen, um die Erträge zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit der Kakaofarmen zu erhöhen. Das Unternehmen bietet außerdem Anreize für Qualität und Nachhaltigkeit und unterstützt Kooperativen bei der Zertifizierung nach internationalen Standards wie Rainforest Alliance oder Fairtrade. Diese Strategie hilft beim Aufbau der Kapazitäten der Kooperativen, trägt zur Sicherung eines guten Einkommens bei und fördert eine rückverfolgbare und nachhaltige Kakaolieferkette.
„Gemeinsam setzen sie ein nachhaltiges Produktionsmodell um, das gute landwirtschaftliche Praktiken, faire Arbeitsbedingungen und direkte Beziehungen zu den Bäuerinnen und Bauern vor Ort einbezieht.“
Kakaoanbau im Agroforstsystem – Kakaoanbau in Mischkultur mit lokalen Sträuchern und Bäumen.
Warum hat sich Ritter Sport dazu entschlossen, diese Initiativen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu unterstützen? Und welche positiven Auswirkungen hat dieser Schritt unmittelbar auf die Natur und die auf Farmen arbeitenden Menschen sowie die Region?
Petra Fix: Wer wie wir als Lebensmittelherstellende ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen arbeitet, ist in besonderem Maße von der Natur abhängig. Die Förderung eines nachhaltigen Anbaus hat also nicht nur kurzfristige Auswirkungen, sondern soll langfristig für einen resilienten Anbau sorgen. Durch die Mischkultur wird die Abhängigkeit von einer Anbaufrucht verringert und eine Einkommensdiversifizierung gefördert. Und für uns als schokoladenherstellendes Unternehmen kann die Fortführung des Kakaoanbaus und damit unsere Rohstoffversorgung sichergestellt werden.
Elizabeth Rizo: Für Ritter Sport ist die Unterstützung organisierter Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nicht nur eine ethische, sondern auch eine strategische Entscheidung. Damit sichert das Unternehmen den Bezug qualitativ hochwertigen Kakaos aus rückverfolgbarer und verantwortungsvoller Herkunft. Gleichzeitig hat es einen positiven Einfluss auf die lokalen Gemeinschaften vor Ort. Ritter Sport ist der festen Überzeugung, dass eine nachhaltige Entwicklung des Kakaos nur möglich ist, wenn die Menschen, die im Zentrum der Produktion stehen, gestärkt werden.
„Wer wie wir als Lebensmittelherstellende ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen arbeitet, ist in besonderem Maße von der Natur abhängig.“
Welche Herausforderungen stellen sich für Mensch und Natur in Nicaragua im Alltag und bei der Arbeit im Kakaoanbau? Und wie kann Ritter Sport als Unternehmen diesen Herausforderungen durch sein Engagement begegnen?
Petra Fix: Nicaragua ist durch seine geographische Lage starken Wetterextremen ausgesetzt und spürt seit langem die Folgen des Klimawandels. Daher ist der Einsatz für einen resilienteren Kakaoanbau wichtig für die Menschen, um ihre Lebensgrundlage zu sichern. Mit Ritter ist ein verlässlicher Abnehmer für die Kakaoerzeuger:innen vor Ort. Mit der Gründung der eigenen Kakaofarm „El Cacao“ im Südosten des Landes hat Ritter sein Engagement zum Standort bekräftigt, von dem alle Beteiligten profitieren.
Elizabeth Rizo: In Nicaragua steht der Kakaosektor vor zahlreichen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen. Die Erzeuger:innen haben mit einem begrenzten Zugang zu Finanzmitteln, knappen Anbauflächen, einer geringen Flächenproduktivität und einer hohen Volatilität der Kakaopreise zu kämpfen. Verschärft werden diese Schwierigkeiten durch die Bodendegradation und die hohe Anfälligkeit des Landes für Naturkatastrophen bei gleichzeitig begrenzten institutionellen Reaktionsmöglichkeiten. Ritter Sport hat daher eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, die sich auf die Verbesserung der Produktivität, die Stärkung der Klimaresistenz sowie die Gewährleistung stabiler Einkommen für die Erzeuger:innen konzentriert. Durch Investitionen in technologische Innovationen wird zudem eine nachhaltige Landwirtschaft auch für die nächste Generation ermöglicht.
Kakao wird auf Tischen getrocknet.
Wie hat das Engagement von Ritter Sport das Unternehmen selbst beeinflusst? Und was können andere Unternehmen davon lernen?
Petra Fix: Die Bedeutung unseres wichtigsten Rohstoffes Kakao und die Herausforderungen, die der Anbau gerade in Zeiten des Klimawandels mit sich bringt, haben uns sehr geprägt und auch demütig gemacht. Neben der intensiven Zusammenarbeit mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern war dabei auch der Schritt in den Eigenanbau für uns sehr wichtig. Die Herausforderungen in der Landwirtschaft kombiniert mit den Herausforderungen, in Ländern des globalen Südens zu arbeiten, erfordern viel Verständnis und Vertrauen, das durch eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und Verlässlichkeit entstehen kann.
Elizabeth Rizo: Das Engagement von Ritter Sport für Nachhaltigkeit hat das Unternehmen zu einer Referenz im nicaraguanischen Kakaosektor und zu einem vertrauenswürdigen Partner für Erzeugerorganisationen gemacht. Intern hat dieses Engagement das Geschäftsmodell des Unternehmens verändert, bei dem Nachhaltigkeit nicht nur ein Wert, sondern ein Kernelement der Geschäftstätigkeit ist. Ritter Sport hat erfolgreich fortschrittliche landwirtschaftliche Praktiken mit lokalen Traditionen verbunden und dadurch sowohl die Qualität des Kakaos als auch die Nachhaltigkeit der Farmen verbessert.
Petra Fix verfügt über viele Jahre Erfahrung in der nationalen und internationalen Kommunikation. Über die klassische PR sowie Exkurse in Vertrieb und Marketing in produzierenden Unternehmen wie auch im Dienstleistungssektor, ist sie inzwischen für die globale Nachhaltigkeitskommunikation der Alfred Ritter GmbH & Co. KG – besser bekannt unter der Marke Ritter Sport – verantwortlich. Während vieler Reisen in Kakao-Anbauländer, konnte sie ein tiefes Wissen und Verständnis über die Besonderheiten der Kakao-Wertschöpfungskette aufbauen. Für sie ist es Leidenschaft und Profession, dieses Wissen intern, aber auch extern weiterzugeben und in Kommunikation zu fassen.
María Elizabeth Rizo Zeledón ist Agraringenieurin und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in nachhaltigen Entwicklungsprojekten in ländlichen Gebieten und leitete Initiativen, die den Zugang für Kleinbauernorganisationen zu ländlichen Finanzdienstleistungen und Klimaresistenz förderten. Rizo arbeitete mit Institutionen wie SWISSAID, Christian Aid oder UNICAFÉ zusammen. Hier konzentrierte sie sich vor allem auf die Entwicklung und Konsolidierung von Wertschöpfungsketten in den Bereichen Kaffee, Kakao und Forstprodukte, die Unterstützung der produktiven Diversifizierung durch Bienenzucht und nachhaltige Viehzucht. Seit fast zehn Jahren ist sie bei Ritter Sport Nicaragua als Geschäftsführerin für den Kakaoeinkauf und Kooperationen zuständig.
Titelbild: Rosibel Meses Zeledon ist Kakaobäuerin im Programm „Cacao-Nica“ von Ritter Sport in Nicaragua.
Credits: Ritter Sport