Weniger Rauch. Mehr Zukunft.

Artikel: Lisa Maria Kunst

Energie-effiziente Kochherde, die Wälder schützen, Einkommen schaffen und die Gesundheit verbessern: Das Projekt Hifadhi Livelihoods Cookstoves zeigt, dass Klimaschutz weit mehr leisten kann als Emissionen zu reduzieren. Ganzheitlich gedacht, verbindet Klimaschutz ökologische, soziale und wirtschaftliche Wirkung und schafft konkrete Verbesserungen im Alltag der Menschen. Für diesen Ansatz wurde das Projekt 2025 im Leuchtturmwettbewerb der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima ausgezeichnet.

Die Kochherde bestehen aus Ton und Metall und verbessern Lebensbedingungen vor Ort. Im Vergleich zur traditionellen Kochmethode auf drei Steinen benötigen sie je nach Modell und Anwendung rund 60 Prozent weniger Feuerholz. Das entlastet nicht nur Wälder und Klima, sondern reduziert auch die gesundheitsschädliche Rauchbelastung in Innenräumen erheblich. So weisen Gesundheitsorganisationen seit Jahren darauf hin, dass Rauch aus offenen Feuerstellen in schlecht belüfteten Innenräumen eine erhebliche Gesundheitsbelastung darstellt. Mit dem Einsatz der Kochherde sparen Haushalte außerdem Zeit, da weniger Brennholz gesammelt werden muss – eine Entlastung, die insbesondere Frauen zugutekommt. Als Nutzerinnen, Arbeiterinnen in Reparatur und Fertigung und als Multiplikatorinnen ist ihre Rolle zentral für den Erfolg der Kochherde. Diese werden durch eine Kombi-nation aus Umwelt-, Gesundheits- und Zeitgewinnen zu einer wirksamen Lösung weit über die Emissionseinsparung hinaus.

Die Menschen im Tharaka-Nithi County im Osten Kenias tragen mit am wenigsten zum Klimawandel bei – sind aber besonders stark von seinen Folgen betroffen. Bodenerosion, unregelmäßige Niederschläge und Wasserknappheit gefährden ihre Lebensgrundlagen bereits heute. Das Projekt setzt genau hier an: Es verbindet Klimaschutz mit konkreten sozialen Verbesserungen. Mukwaruguru ist eine der Nutzerinnen der Herde in Tharaka Nithi „Ich wurde 1935 geboren und bin sehr alt, trotzdem koche ich jeden Tag, hauptsächlich Gemüse wie Augenbohnen oder grüne Bohnen und Süßkartoffeln. Normalerweise sammle ich Holz in der Nähe des Hauses zum Kochen, aber da ich schon sehr alt bin, kann ich nicht mehr weit gehen. Dank des neuen Ofens brauche ich nur noch wenig Brennholz zum Kochen und kann mich mehr ausruhen.“ Es wird deutlich, dass Gesundheit, Zeitersparnis und Einkommensmöglichkeiten keine Nebeneffekte sind, sondern zentrale Treiber für die Nutzung der Kochherde. Und damit auch für ihre ökologische Wirkung.

Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor ist die starke lokale Verankerung des Projekts. Produktion, Vertrieb und Wartung der Kochherde schaffen Arbeitsplätze und Einkommen vor Ort. Das Projekt umfasst mittlerweile rund 200 geschulte Handwerker:innen sowie 55 Vollzeitmitarbeitende (2013 bis Mai 2026, Projektphase 1 und 2), von denen ein Großteil Frauen sind und aus den lokalen Gemeinden stammen.

Mireille Meneses Campos, Head of Portfolio & Partnerships Nature & Technology-based Solutions bei SE Advisory Services

Die Initiative entstand vor Ort und aus einem konkreten Bedarf der dort lebenden Menschen heraus: Viele Haushalte benötigten effizientere Kochlösungen, hatten jedoch keinen Zugang zu entsprechenden Technologien, Finanzierungsmodellen oder Vertriebsstrukturen. Das Projekt wurde von SE Advisory Services und seiner lokalen Partnerorganisation ClimatePal umgesetzt und unter Beteiligung des Livelihoods Funds vorfinanziert. Zusätzlich zu den Kochherden erhalten teilnehmende Haushalte Baumsetzlinge, etwa Obst- oder einheimische Bäume. Sie können später Früchte, Schatten oder weitere ökologische Vorteile bringen und für manche Familien auch eine zusätzliche Einkommensquelle werden. So verbindet das Projekt Ressourcenschutz mit langfristiger lokaler Wertschöpfung. „120.000 lokal hergestellte Kochherde wurden zusammen mit mehr als 250.000 Setzlingen für Obst- und einheimische Bäume verteilt“ (2013 bis Mai 2026, Projektphase 1 und 2), sagt Mireille Meneses Campos, Head of Portfolio & Partnerships Nature & Technology-based Solutions bei SE Advisory Services.

„Fehlt auch nur ein Glied in der Kette, kann das Projekt nicht erfolgreich sein."

Internationale Partnerschaft als Erfolgsmodell
Das Projekt wird von einem Netzwerk komplementärer Partner:innen getragen: ClimatePal verantwortet die Umsetzung vor Ort, koordiniert Gemeindegruppen und sorgt für Verteilung, Wartung und Reparatur der Öfen. SE Advisory Services bringt Expertise in Projektentwicklung, Datenanalyse und Wirkungsmonitoring ein und unterstützt bei der Einhaltung internationaler Standards wie dem Gold Standard. Der Livelihoods Fund stellt die Vorfinanzierung sicher und verbindet das Projekt mit internationalen Investoren. Durch die enge Zusammenarbeit – inklusive regelmäßiger Abstimmungen und Vor-Ort-Besuchen – wird sichergestellt, dass sowohl die Bedürfnisse der Gemeinden als auch die Klimawirkung im Mittelpunkt stehen.

Als Handwerkerinnen, Vertrieblerinnen oder Nutzerinnen profitieren Frauen besonders von der Wirkung der Kochherde.

„Was diese Partnerschaft so erfolgreich macht, ist, dass jede Organisation etwas einbringt, das die anderen nicht bieten können. Fehlt auch nur ein Glied in der Kette, kann das Projekt nicht erfolgreich sein. Der Kochherd gelangt nur deshalb in die Haushalte, weil jeder Akteur, von Handwerker:innen in Tharaka-Nithi bis zu Investor:innen, seinen Teil dazu beiträgt“, erklärt Meneses Campos.

„Was uns antreibt, ist das Gefühl der Sinnhaftigkeit, das entsteht, wenn wir auf Ergebnisse hinarbeiten, die über unser Geschäft hinaus von Bedeutung sind."

Klimafinanzierung: Unternehmen wollen investieren – brauchen aber Klarheit
Projekte wie Hifadhi zeigen, wie Klimafinanzierung gezielt Wirkung entfalten kann. Sie lenkt Kapital in Regionen, in denen Investitionen besonders dringend benötigt werden, und ermöglicht gleichzeitig messbare ökologische und soziale Ergebnisse.

„CO₂-Zertifikate ermöglichen es Unternehmen, bereits jetzt Maßnahmen gegen diese verbleibenden Emissionen zu ergreifen, noch bevor alle erforderlichen technologischen und betrieblichen Instrumente vollständig zur Verfügung stehen. Auf diese Weise kann schnell gehandelt werden, während sich der umfassendere Wandel vollzieht“, sagt Meneses Campos. Voraussetzung bleibt dabei eine klare Priorisierung: Emissionen vermeiden und reduzieren und erst dann verbleibende Emissionen kompensieren.

Die Ergebnisse des „Carbon Credit Outlook 2025“ von SE Advisory Services zeigen, dass Unternehmen zunehmend bereit sind, in Klimaschutzprojekte zu investieren: 55 Prozent der Befragten planen, ihr Engagement im freiwilligen Kohlenstoffmarkt bis 2030 auszubauen, und 66 Prozent nutzen bereits anerkannte Qualitätsstandards. „Dies zeigt uns, dass Unternehmen nicht nur bereit sind zu investieren, sondern dies auch mit zunehmender Sorgfalt tun“, so Meneses Campos. Gleichzeitig bleibt der Mangel an klaren politischen Rahmenbedingungen eine zentrale Herausforderung: „Die Frage ist nicht, ob Klimafinanzierung sinnvoll ist. Das ist sie eindeutig. Die Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass Rahmenbedingungen – vom SBTi Corporate Net-Zero Standard bis hin zur nationalen Politik – den Unternehmen die Klarheit und das Vertrauen geben, die sie benötigen, um ihr Engagement auszuweiten“, betont sie.

Wirkung auf beiden Seiten des Globus
Die Auswirkungen des Projekts lassen sich nicht nur in Zahlen messen, sondern auch in persönlichen Geschichten. Ein Handwerker, der im Rahmen des Projekts für die Reparatur der Herde ausgebildet worden war, kann mit seinem Einkommen – ergänzt durch Erträge aus gepflanzten Obstbäumen der mit jedem Ofen verteilten Setzlinge – ein Backsteinhaus für die Familie seiner Tochter bauen. „Dies war ein deutliches Beispiel dafür, wie selbst eine bescheidene und regelmäßige Einkommensquelle die Zukunftsaussichten eines Haushalts verändern kann und wie sich die Vorteile des Projekts weit über die Emissionsminderungen hinaus summieren“, sagt Meneses Campos.

Energieeffiziente Öfen reduzieren den Bedarf an Feuerholz und schaffen mehr Zeit für Bildung und Erwerbsarbeit.

Für SE Advisory Services ist Hifadhi nicht nur ein Klimaschutzprojekt, sondern auch Ausdruck der eigenen Unternehmenshaltung: „Über das technische Team hinaus ist das Projekt auch Teil unserer Kommunikation darüber, wer wir als Unternehmen sind. Was uns antreibt, ist das Gefühl der Sinnhaftigkeit, das entsteht, wenn wir auf Ergebnisse hin-
arbeiten, die über unser Geschäft hinaus von Bedeutung sind“, so Meneses Campos.

Die Auszeichnung im Leuchtturmwettbewerb 2025 der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima unterstreicht die Bedeutung dieses Ansatzes und erschließt neue Zielgruppen. Die Prämierung macht sichtbar, was möglich ist, wenn Klimaschutz von Unternehmen konsequent ganzheitlich gedacht wird. Denn Projekte wie dieses sind erfolgreich etabliert. Was es jetzt braucht, sind mehr davon.

Bilder: SE Advisory Services

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