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Wie führe ich eine Wesentlichkeitsanalyse für meine Scope 3-Emissionen durch?

Die Wertschöpfungsketten, entlang derer die Scope 3-Emissionen auftreten, können je nach Unternehmen stark variieren.

Die Technische Mitteilung der CDP “Relevance of Scope 3 Categories by Sector” zeigt die relevanten und wichtigsten Scope 3-Kategorien für verschiedene Sektoren auf.

Die Identifizierung der wesentlichen Scope 3-Emissionen kann auf der Grundlage einer Reihe von Faktoren erfolgen. Dies kann geschehen, ohne dass Sie umfangreiche Daten erheben müssen. Ein großer Teil der hier benötigten Daten liegt Ihrem Unternehmen entweder bereits vor oder Sie können auf der Grundlage des Fachwissens Ihrer Mitarbeiter eine gute erste Schätzung vornehmen. Einige der an den häufigsten verwendeten Kriterien zur Durchführung einer Wesentlichkeitsbewertung umfassen:

  • Signifikanz: Abschätzung des Anteils der Emissionsquelle an der prognostizierten Gesamtbilanz des Unternehmens
  • Einflussmöglichkeit: Möglichkeit des Unternehmens den Ausstoß der THG-Emissionen direkt zu reduzieren oder zu beeinflussen
  • Geschäftsrisiken und -chancen: Spezifische Einschätzung zum Geschäftsrisikos für das Unternehmen (Kosten, Compliance, Reputation etc.)
  • Ansprüche: Definierter Transparenzanspruch durch Kunden, NGOs, Investoren, Mitarbeitende oder Branchenverbände
  • Bezug zum Kerngeschäft: Insbesondere ausgelagerte THG-Emissionen, die bei Wettbewerbern inhouse entstehen

Eine qualitative Bewertung dieser Kriterien in Bezug auf jede Scope 3-Kategorie, in der Emissionsquellen vorhanden sind, unterstützt Sie bei der Ermittlung der Scope 3-Kategorien, die in der Bilanzierung berücksichtigt werden sollten. Tabelle 1 zeigt ein Beispiel einer solchen Bewertung, bei der ein Material der Kategorie 3.1 „Eingekaufte Güter & Dienstleistungen” bewertet wird.

KriteriumErläuterung
Signifikanz / ImpactHoch: Stahlblech (t) hat einen Emissionsfaktor von rund 2,4 t CO2e Quelle: BAFA Informationsblatt CO2-Faktoren (2021)
EinflussmöglichkeitMittel: Möglichkeiten des Unternehmens den Ausstoß der THG-Emissionen durch das Produktdesign direkt zu reduzieren oder über die Nachfrage nach grünem Stahl zu beeinflussen
Geschäftsrisiken und -chancenHoch: Durch die gesetzliche EU/DE-Regulierung sind Kostensteigerungen absehbar, die von der Herstellung des Stahls abhängen. 
AnsprücheHoch: Definierter Transparenzanspruch durch Anspruchsgruppen wie z.B. Kunden, NGOs, Investoren, Mitarbeitende oder Branchenverbände
Bezug zum KerngeschäftHoch: Insbesondere ausgelagerte THG-Emissionen, die bei Wettbewerbern inhouse entstehen
Prüfung der Wesentlichkeit – Einkauf von Stahlblech für die Produktion (eigene Darstellung)

Die untenstehende beispielhafte Abbildung, illustriert die beurteilte Wesentlichkeit verschiedener Unterkategorien des Dienstleistungssektors in Bezug auf den Aufwand der Datenerhebung.

Wesentlichkeitsanalyse Dienstleistungssektor (eigene Darstellung)

Branchenspezifische Leitfäden zeigen außerdem auf, welche Aspekte besonders relevant sind, und erleichtern so die Wesentlichkeitsanalyse, wie in folgenden Beispielen zu sehen ist.

Branchen-Beispiel Logistik

  • Kategorie 1 – Eingekaufte Güter & Dienstleistungen: Dazu gehören auch Emissionen aus dem Transport, die in den vom berichtenden Unternehmen erworbenen Waren und Dienstleistungen enthalten sind.
  • Kategorie 2 – Kapitalgüter: Diese Kategorie enthält Emissionen (Herstellung, Bereitstellung und Nutzung des Kraftstoffes) für den Transport von Investitionsgütern, die von dem berichtenden Unternehmen gekauft wurden.
  • Kategorie 3 – Brennstoff- und energiebezogene Emissionen: Emissionen im Zusammenhang mit der Herstellung und Verteilung von Brennstoffen, die in Scope 1 verbrannt werden, sind hier enthalten.
  • Kategorie 4 – Vorgelagerter Transport und Vertrieb: Diese Kategorie umfasst Emissionen aus ausgelagerten Logistikdiensten, die für den Transport oder die Verteilung von Produkten von Zulieferern zu den Einrichtungen des Unternehmens oder für den Transport zwischen den eigenen Einrichtungen des Unternehmens genutzt werden.
  • Kategorie 5 – Betriebsbedingte Abfälle: Diese Kategorie umfasst Emissionen im Zusammenhang mit Logistikaktivitäten, die bei der Entsorgung und Behandlung von Abfällen eines Unternehmens aus Scope-1-Aktivitäten anfallen.
  • Kategorie 8 – Gemietete oder geleaste Objekte: Emissionen aus Anlagen oder Fahrzeugen, die vom meldenden Unternehmen gemietet oder geleast wurden, werden hier erfasst.
  • Kategorie 9 – Nachgelagerter Transport und Vertrieb: Diese Kategorie enthält Emissionen aus dem Transport und der Verteilung von Waren zwischen dem berichtenden Unternehmen und dem Endkunden.
  • Kategorie 10 – Weiterverarbeitung verkaufter Zwischenprodukte: Emissionen, die durch den Transport und die Verteilung der verkauften Produkte, z.B. durch einen Akteur der nachgelagerten Wertschöpfungskette, entstehen, werden hier erfasst.
  • Kategorie 11 – Nutzung verkaufter Produkte: Dazu gehören die über die gesamte Lebensdauer anfallenden Transportemissionen aus der Nutzungsphase der verkauften Produkte. Dies kann insbesondere für Hersteller von Verkehrsmitteln relevant sein.
  • Kategorie 12 – Entsorgung verkaufter Produkte am Ende ihrer Lebensdauer: Besonders wichtig sind hier die Transportemissionen, die bei der Entsorgung oder Behandlung eines verkauften Produkts entstehen.
  • Kategorie 13 – Vermietete oder verleaste Objekte: Emissionen aus Anlagen oder Fahrzeugen, die vom berichtenden Unternehmen geleast wurden, sind in dieser Kategorie enthalten.
  • Kategorie 14 – Franchise-Betriebe: Emissionen im Zusammenhang mit dem Transport durch Konzessionsbetriebe sollten hier berücksichtigt werden.
  • Kategorie 15 – Investitionen: Hier sind die Logistikemissionen aus den Investitionen des berichtenden Unternehmens zu erfassen.

Branchen-Beispiel Stromversorgung

  • Kategorie 1 – Eingekaufte Güter und Dienstleistungen: Hier werden Kohlenstoffemissionen im Zusammenhang mit dem Erwerb oder dem Bau neuer Kraftwerke erfasst.
  • Kategorie 3 – Brennstoff- und energiebezogene Emissionen: Diese Kategorie berücksichtigt Übertragungs- und Verteilungsverluste von Strom, der gehandelt oder gekauft und an Kunden verkauft wird. Emissionen aus dem vorgelagerten Transport fossiler Brennstoffe sind auch von Bedeutung.
  • Kategorie 4 – Vorgelagerter Transport und Vertrieb:
  • Kategorie 11 – Nutzung verkaufter Produkte: Bei Unternehmen auf dem Gaskundenmarkt macht die nachgelagerte Nutzung des verkauften Erdgases in der Regel einen erheblichen Anteil ihres Scope-3-Inventars aus.
  • Kategorie 15 – Investitionen: In dieser Kategorie werden Eigenkapitalinvestitionen in fossile Kraftwerke erfasst.

Weitere branchenspezifische Leitfäden finden Sie auf folgenden Webseiten: Zu den Bereichen Agrarrohstoffe, Zement, Chemie, Kohle, Baubranche, Finanzdienstleistungen, Nahrungsmittel, Getränke und Tabak, Metalle und Bergbau, Öl und Gas, Papier und Forstwirtschaft, Immobilien, Stahl, OEM Hersteller (Transport), sowie Transportdienstleistungen finden Sie Informationen auf der Webseite des Carbon Disclosure Projects. Weitere erhalten Sie Details zur Luft- und Raumfahrtindustrie, Informations- und Kommunikationstechnologie und Gebäuden auf den verlinkten Seiten. Zur Baubranche finden Sie hier zu den oben verlinkten zusätzliche Informationen.

Eine Erklärung der verschiedenen Emissionskategorien für Scope 3-Emissionen finden Sie ebenfalls auf der Webseite des Carbon Disclosure Projects.

Am 11. Juni 2024 bietet die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima einen kostenfreien halbtägigen Präsenz-Workshop in Berlin für Unterstützer:innen zur Bilanzierung der organisatorischen THG-Emissionen mit dem Fokus auf Scope 3-Emissionen an.