Weltretterwissen

Weltretterwissen – Können wir den Klimawandel aufhalten? Erreichen wir eine gerechte, globale Entwicklung für alle, die unserer Erde mehr nützt als schadet? Ja, das geht. Wenn möglichst viele mitmachen. Vom 1,5 Grad Ziel, über Emissionsbilanzen und Agenda 2030 erklärt Nachhaltigkeits-Expertin Janine Steeger kurz und knapp jeden zweiten Freitag einen Begriff rund um Entwicklung und Klima. Videos, die Mut zum Handeln machen – und jede:n ein Stückchen schlauer.
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Was ist das eigentlich?
Als klimaverantwortlich gelten diejenigen, die ursächlich zur Erderwärmung beitragen.

Das sind vor allem Industrienationen im globalen Norden. Während sie seit Beginn der Industrialisierung am meisten Treibhausgase ausstoßen, leiden Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern schon heute unter den Folgen des Klimawandels. Obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben. Und hier trifft es vor allem die Ärmsten – Überschwemmungen, Stürme und Dürren führen unter anderem zu Ernteausfällen und Gesundheitsrisiken. Und machen Millionen von Menschen zu Klimaflüchtlingen.

Doch Klimaverantwortung tragen wir nicht nur für die Menschen, mit denen wir heute diesen Planeten teilen, sondern auch für kommende Generationen. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, sollten wir die Bedürfnisse der Gegenwart so befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden.

Nachhaltiges und klimaverantwortliches Handeln ist dabei am besten gleichzeitig:

Sozial gerecht,
ökologisch tragfähig,
wirtschaftlich effizient.

Und das gilt für Staaten und Kommunen, genauso wie für Konzerne und Start-ups, oder auch privat für Dich und mich. Denn wir alle sind verantwortlich für Klima und Zukunft auf diesem Planeten. Wir sollten uns unserer Klimaverantwortung also einerseits bewusst werden und andererseits entsprechend handeln. Warum also nicht nachhaltige Perspektiven für Menschen im globalen Süden schaffen und zugleich unsere eigene Zukunft sichern?

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Was sagt das 1,5 Grad-Ziel aus?

2015 einigten sich die UN-Vertragsstaaten im Pariser Klimaabkommen darauf, die durchschnittliche Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

1,5-Grad oder 2-Grad wärmer – was macht das für einen Unterschied?

Angenommen, wir erreichen bis 2100 eine Erwärmung um 2-Grad anstatt 1,5-Grad, dann sterben alle der Korallenriffe weltweit anstatt „nur“ 70%. Und das Risiko für Hochwasser und Starkregen liegt dann bei 170% statt bei 100%.

Ok. Verstanden. 1,5-Grad ist also das erklärte Ziel. Was gibt es zu beachten?

Zum einen: Kipppunkte. Sie sind die Achillesfersen im Erdsystem. Das Eis an Nord- und Südpol ist einer dieser Kippelemente. Schmelzende Eisflächen reflektieren weniger Sonnenlicht, was den kühlenden Effekt verhindert. Weitere Kippelemente sind z.B. der Regenwald im Amazonas, das Entweichen von Methan in Permafrostböden oder auch die von Versauerung bedrohten Ozeane. Diese fragilen Schätze unseres Erdsystems gilt es besonders zu schützen, um Klimastabilität zu erreichen.

Ebenso wichtig: Die nachhaltige Entwicklung im globalen Süden. Diese muss durch Förderung z.B. in emissionsarmer Energiegewinnung unterstützt werden. Denn wenn bei steigendem Energiebedarf und sich ändernden Konsummustern kohlenstoffintensive Technologien nicht übersprungen werden, werden wir die globalen Klimaziele verfehlen.

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Die Agenda 2030 wurde 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet. Ziel ist es, bis 2030 nachhaltige Entwicklung von globaler Dimension zu erreichen. Dabei richtet sie sich gleichermaßen an alle Staaten, Unternehmen, zivile Organisationen, Städte, Gemeinden und Privatpersonen.

Und was genau steht drin?

Kern der Agenda 2030 sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals oder auch SDGs. Diese Ziele umfassen alle drei Dimensionen von Nachhaltigkeit: Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Sie sollen bis 2030 von allen Entwicklungs- und Schwellenländern sowie den Industriestaaten erreicht werden.

Gleich mehrere Ziele können durch die Förderung hochwertiger Klimaschutzprojekte umgesetzt werden. Ein Beispiel macht das deutlich.

In Raichur, Indien – wird das traditionelle Kochen auf Feuerstellen durch nachhaltige Kochherde ersetzt. Dadurch werden drei SDGs erreicht:

Ziel 15: Leben an Land

Der Herd benötigt 70% weniger Brennholz. Die Abholzung der Wälder wird vermindert. Das ist in Raichur wichtig, denn die Region ist sehr trocken.

Ziel 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

Durch Verringerung des Brennholzes reduzieren sich auch die Treibhausgasemissionen.

Ziel 3: Gesundheit und Wohlergehen

Weniger gesundheitsschädlicher Rauch trägt zu besserer Gesundheit bei. Gut. Wir sehen also, wie internationale Zusammenarbeit die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 praktisch umsetzt. Durch Förderung von Klimaschutzprojekten kannst auch Du zur Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele beitragen.

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Kohlenstoffmärkte – gibt es mehrere?

Ja. Zunächst unterscheidet man zwischen verpflichtenden und freiwilligen Kohlenstoffmärkten.

Über verpflichtende Kohlenstoffmärkte können Staaten mit Emissionsrechten handeln. Hintergrund ist die Klimakonferenz in Kyoto 1997: Hier verpflichteten sich Industrienationen erstmals, verbindlich ihren Treibhausgasausstoß zu mindern.

Wenn also heute ein Land weniger emittiert als ihm zugestanden wurde, darf es mit den verbleibenden Emissionsrechten handeln. Mit dem Klimaschutzabkommen von Paris wurde das System weiterentwickelt. Nun sollen alle Länder der Welt alle fünf Jahre eigene, ehrgeizige Klimaschutzbeiträge vorlegen. Zudem verpflichten sich die Industrieländer, die Staaten des globalen Südens beim ⁠Klimaschutz⁠ und der ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ zu unterstützen. Die Erfolge bleiben aber hinter den Zielen des Pariser Abkommens zurück.

Darum ist der freiwillige Markt so wichtig: Hier geht es um den Ausgleich unvermeidbarer Emissionen von Privaten in konkreten Projekten, die zusätzlichen Klimaschutz ermöglichen. Wichtig ist, daneben auch nachhaltige Entwicklung zu fördern. Diese Projekte werden von nicht-staatlichen Zertifizierern geprüft. In Deutschland werden die Standards der Organisationen Gold Standard und Verra am häufigsten genutzt. Sie prüfen die Gestaltung und Durchführung der Projekte und ihre wirtschaftliche, soziale und ökologische Wirkung. Außerdem darf es bei Klimaschutzprojekten nicht zur Doppelzählung kommen: Staatliche und freiwillige Minderungsleistung mit demselben Projekt darf nur einmal angerechnet und zertifiziert werden.

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Was ist eigentlich Klimaneutralität?

Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens beschloss die internationale Staatengemeinschaft, bis 2050 klimaneutral zu werden. Aber was ist Klimaneutralität genau?

Meist wird es definiert als ein Gleichgewicht, das erreicht werden muss, zwischen den global ausgestoßenen und aufgenommenen Treibhausgasen. Es dürfen also nur so viele Emissionen ausgestoßen werden, wie durch Kohlenstoffsenken wieder aufgenommen werden können. Diese Senken können beispielsweise Wälder oder Moore sein.

Häufig wird auch der Begriff „Netto-Null“ verwendet.

Bei einer Netto-Null-Klimaschutzstrategie setzen sich Unternehmen Ziele zur Vermeidung und Reduktion von Treibhausgas-Emissionen, die dem weltweiten 1,5-Grad Ziel entsprechen. Nur die danach nicht mehr vermeidbaren Emissionen, werden durch Investitionen in hochwertige Klimasenken ausgeglichen.

Zusätzlich sollen Finanzierungsbeiträge für globale Klimaschutzmaßnahmen getätigt werden, die außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette liegen und zum Beispiel Projekte im Globalen Süden fördern.

Durch Netto-Null und globale Klimaschutzbemühungen können also auch finanziell schwächere Länder bei nachhaltigen Investitionen unterstützt werden. Was Klimaneutralität und Netto-Null gemeinsam haben? Zunächst muss mit der Emissionsbilanz errechnet werden, wieviel wir überhaupt ausstoßen. Dann müssen Treibhausgase vermieden, verringert und ausgeglichen werden. Und das am besten so schnell und so umfassend wie möglich.

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Emissionsbilanz – was ist das? Eine Emissionsbilanz zeigt die Menge der ausgestoßenen Treibhausgase an. Sie kann zum Beispiel jährlich erfasst werden. Aber: Nicht alle Treibhausgase sind gleich. Um auf einen einheitlichen Wert zu kommen, rechnet man deshalb oft mit CO2-Äquivalenten. Andere klimawirksame Treibhausgase wie zum Beispiel Methan oder Lachgas werden in das relevanteste Treibhausgas Kohlendioxid, also CO2, umgerechnet. Zum Beispiel: Eine Tonne Methan ist 25 mal klimaschädlicher als eine Tonne CO2. Also entspricht eine Tonne Methan 25 Tonnen CO2-Äquivalenten. Die Betrachtung für Unternehmen unterteilt ausgestoßene Emissionen in drei Kategorien: Scope 1 behandelt direkte Emissionen wie z.B. aus eigenen Produktionsanlagen, Scope 2 bezieht sich auf Emissionen aus Energie. Also Strom, Wärme oder Kälte, Scope 3 umfasst indirekte Emissionen aus allen anderen Bereichen. Hier wird die gesamte Wertschöpfungskette inklusive Lieferanten, Transporten, Verbraucher:innen und Entsorgung betrachtet. Alle drei Scopes zusammen bilden alle Emissionen eines Unternehmens ab. Und wie geht es weiter? Eine Emissionsbilanz ist die Basis für eine Klimaschutzstrategie. Sie ist zwingend erforderlich, wenn beispielsweise Klimaneutralität angestrebt wird. Denn nur wer weiß, wie viel Emissionen er oder sie ausstößt, kann sie gezielt vermeiden, verringern und den Rest kompensieren. Schließlich sollten Unternehmen über ihren Beitrag zu Klima- und Umweltzielen auch berichten. Dies sehen auch einige Gesetze vor, wie etwa der „Green Deal“ der EU.
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Ganzheitliche Klimaschutzstrategien für Unternehmen – wie geht das?


Klimaschutz betrifft uns alle. Eine besondere Verantwortung tragen aber Unternehmen. Klimafreundlich zu handeln zeigt unternehmerische Verantwortung und hilft dabei, zukunftsfähig zu bleiben. Startpunkt ist die Emissionsbilanz. Mit ihr misst das Unternehmen, wie viele Treibhausgase es ausstößt. Daraus werden Ziele zur Minderung von Emissionen abgeleitet. Glaubwürdige Klimaschutzstrategien basieren auf wissenschaftlich fundierten Zielen. Sie orientieren sich daran, wie viel überhaupt noch ausgestoßen werden darf, wenn die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll.


Es müssen zudem ambitionierte Zwischenziele festgelegt werden. Die so gesetzten Ziele werden nun auf Unternehmensebene entlang der gesamten Wertschöpfungskette umgesetzt.


ABER: Eine ganzheitliche Klimaschutzstrategie fußt auf dem Prinzip umfassend und schnell zu vermeiden, zu reduzieren sowie zusätzlich zu kompensieren. Emissionen, die nicht vermieden oder weiter reduziert werden können, können über hochwertige Klimaschutzzertifikate ausgeglichen werden. Wichtig ist, dass der Ausgleich ergänzend zur Vermeidung und Reduktion der Emissionen geschieht.


Dabei werden Emissionen durch hochwertige Klimaschutzprojekte an anderer Stelle in mindestens gleicher Höhe vermieden oder entfernt. Ein anderer Weg sind Finanzierungsbeiträge zum Klimaschutz ohne Anrechnung auf die eigene Klimabilanz. Beide Wege fördern nachhaltige Entwicklung und emissionsarme Technologien dort, wo sie noch nicht im Einsatz sind. Das schützt die Umwelt und kann gleichzeitig Armut mindern. Unternehmen können so durch ganzheitlichen Klimaschutz ihrer gesellschaftlichen und globalen Verantwortung auf mehreren Ebenen gerecht werden.

 

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Was sind Emissionszertifikate? Ein Emissionszertifikat entspricht einer eingesparten Tonne CO2. Es steht für den Ausgleich einer anderswo ausgestoßenen Tonne Treibhausgas. Damit dieser Ausgleich auch wirklich funktioniert, ist es wichtig, dass die sogenannte Zusätzlichkeit gegeben ist. Das bedeutet, dass ein Klimaschutz-Projekt erst durch den Kauf der Zertifikate ermöglicht wird und nicht ohnehin umgesetzt wird. Denn sonst ist kein zusätzlicher Klimaschutz möglich. Aber wie werden Klimaschutzprojekte überhaupt zertifiziert? Zunächst wird in einem Referenzszenario festgestellt, das angibt wie sich die Emissionen ohne das Projekt entwickelt hätten. Sobald das Projekt läuft, werden die eingesparten Emissionen und erzeugte Entwicklungswirkungen überwacht und durch unabhängige Auditoren geprüft. Erst wenn alle Daten übereinstimmen, entsteht das Zertifikat. Kauft jemand ein Zertifikat, wird dieses stillgelegt. So wird sichergestellt, dass die Ausgleichswirkung nicht doppelt verkauft werden kann. Hochwertige Zertifikate entstehen zum Beispiel durch vom Gold Standard geprüfte Projekte. Hier wird besonders auf Entwicklungswirkungen geachtet. Das sind zum Beispiel bessere Bildung und Arbeitsbedingungen, Förderung der Gesundheit und mehr Umweltschutz. Entscheidend sind über den Treibhausgas-Ausgleich hinaus bessere Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort zu schaffen. Es geht immer darum, dass Entwicklung und Klima gleichermaßen gewinnen.

ab 07. Oktober

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