06.10.2026
Wie gut berücksichtigen die Zertifizierungsprogramme des freiwilligen Kohlenstoffmarkts Umwelt- und Sozialschutzmaßnahmen in der Projektdurchführung? Dieser Frage geht die neue Gap-Analyse der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima nach.
Die Studie bewertet 16 Zertifizierungsprogramme anhand von 82 Kriterien auf Basis der International Finance Corporation Performance Standards (IFC PS) und der Nachhaltigkeitsrichtlinie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die als Gründungsorganisation der Stiftung maßgebliche Standards setzt. Gegenüber der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2024 wurde die Analyse, mit deren Durchführung die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima die Perspectives Climate Group beauftragte, erweitert und um zusätzliche soziale Kriterien sowie Aspekte des Benefit-Sharings ergänzt.
Ein besonderes Augenmerk legt die Untersuchung darauf, ob Umwelt- und Sozialanforderungen nicht nur in den allgemeinen Standards der Programme verankert sind, sondern auch in den konkreten Dokumenten und Formularen, die Projektentwickler:innen und Prüfstellen in der Praxis nutzen. Denn nur so wird deutlich, wie verbindlich Schutzmaßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.
Die Ergebnisse zeigen: Viele Programme haben ihre Anforderungen in den vergangenen Jahren und seit Veröffentlichung der Gap-Analysen im Jahr 2024 weiterentwickelt und bestehende Lücken geschlossen. Gleichzeitig bestehen weiterhin Unterschiede bei der Abdeckung zentraler Themen wie Biodiversität, kulturellem Erbe oder dem Schutz von Gemeinschaften.
„Die Analyse macht Fortschritte sichtbar, zeigt aber auch, wo noch Handlungsbedarf besteht. Mit der Veröffentlichung wollen wir die Transparenz des freiwilligen Kohlenstoffmarkts stärken und die Kohlenstoffprogramme unterstützen, Lücken zu schließen.“, so Dr. Olivia Henke, geschäftsführende Vorständin der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima.
Die Rolle von Kohlenstoffmärkten bei der Erreichung globaler Klimaziele wird nach wie vor in der Politik intensiv diskutiert. Die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima ist der Auffassung, dass Kohlenstoffmärkte einen wesentlichen Beitrag zu diesen Zielen leisten können, sofern sie gut ausgestaltet sind, auf Regeln mit hoher Integrität beruhen, positive Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung fördern und die negativen Umwelt- und Sozialauswirkungen (U&S-Auswirkungen) durch angemessene Risikobewertungen und die entsprechende Anwendung von Schutzmaßnahmen verringern. Das Potenzial von Kohlenstoffmärkten für die Erreichung der Klimaziele lässt sich nur feststellen, wenn auch die U&S-Risiken angemessen berücksichtigt werden, die nach wie vor vorhanden sind.
Die vollständige Studie steht ab sofort zum Download auf deutsch und auf englisch bereit.
