Gemeinsam für Entwicklung und Klima: Die Allianz im Wandel

Artikel: Karolina Landowski

Nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz sind keine getrennten Aufgaben, sie bedingen einander. Hervorgegangen aus einer Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bringt die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima seit ihrer Gründung Akteur:innen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um genau diese Verbindung zu stärken. Mit der Weiterentwicklung zur Trägergemeinschaft beginnt nun ein neues Kapitel.

Klimaschutz ist eine globale Aufgabe und damit auch eine gemeinsame Verantwortung. Doch während politische Ziele formuliert und internationale Abkommen geschlossen werden, entscheidet sich die Umsetzung oft an ganz anderer Stelle: in Unternehmen, in Lieferketten, in ambitionierten Projekten vor Ort. Genau hier, an der Schnittstelle zwischen wirtschaftlichem Handeln, internationaler Zusammenarbeit und Klimaschutz, setzt die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima an. Sie unterstützt Unternehmen dabei, Klimaverantwortung wirksam umzusetzen. Dort, wo Emissionen nicht vollständig vermieden werden können, setzt sie auf freiwillige Kompensation und mobilisiert Mittel für Klimaschutzprojekte im Globalen Süden.

Hervorgegangen aus einer Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde die Stiftung 2020 und damit mitten in der Corona-Pandemie gegründet. In kurzer Zeit baute ein kleines, zunächst vollständig remote arbeitendes Team eine Allianz auf, die heute mehr als 1.600 Unterstützer:innen vereint. Maßgeblich geprägt wurde dieser Aufbau durch den Vorstand: Peter Renner, Politikwissenschaftler mit langjähriger Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit, und Dr. Olivia Henke, promovierte Umweltwissenschaftlerin mit Schwerpunkt internationale Klimapolitik und nachhaltige Entwicklung. In wenigen Jahren hat sich die Stiftung unter ihrer Leitung als zentrale Plattform etabliert. Unternehmen, Institutionen und zivilgesellschaftliche Akteur:innen engagieren sich hier gemeinsam für Klimastrategien mit weltweiter Wirkung. „Der Klimawandel ist global, seine Auswirkungen treffen aber besonders stark die vulnerablen Menschen im Globalen Süden, die am wenigsten dazu beitragen“, betont Dr. Olivia Henke. „Unsere Aufgabe ist es, für mehr Klimagerechtigkeit zu sorgen, etwa durch Maßnahmen hier, aber auch durch die Förderung von Projekten im Globalen Süden.“

Klimaschutz dort, wo er wirkt

Ein wichtiges Element der Arbeit ist das Informations- und Bildungsangebot der Stiftung: Mit der Academy, Workshops, und praxisnahen Formaten wie Podcasts und der Videoreihe „Weltretterwissen“ unterstützt sie Unternehmen bei der Dekarbonisierung und Umsetzung ihrer Klimastrategien. Auf Basis wissenschaftlicher Analysen und im kontinuierlichen Austausch hilft sie, Maßnahmen nicht nur zu entwickeln, sondern auch wirksam umzusetzen und fortlaufend zu verbessern. Mit dem Sustainable Development Future Forum wurde zudem eine eigene Konferenz etabliert, die Raum für Dialog schafft, aktuelle Herausforderungen aufgreift und Impulse für konkrete Lösungen setzt. Auch international ist die Allianz für Entwicklung und Klima sichtbarer geworden, etwa durch ihre Präsenz auf der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP). Mit dem Siegel SDGold hat die Stiftung zudem ein Instrument entwickelt, das über eine reine Auszeichnung hinausgeht: Es begleitet Unternehmen entlang des gesamten Prozesses, von der Vermeidung über die Reduktion bis hin zum Ausgleich, und stärkt so deren Orientierung und Glaubwürdigkeit.

Auszeichnung für nachhaltiges Engagement: Mit dem Siegel SDGold unterstützt die Stiftung Unternehmen dabei, Emissionen konsequent zu vermeiden, zu reduzieren und auszugleichen

So ist in kurzer Zeit ein Angebot entstanden, das weit über klassische Netzwerkarbeit hinausgeht: eine Plattform, die Wissen bündelt, Orientierung bietet und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. „Mich erfüllt besonders, dass wir Menschen und Organisationen zusammenbringen konnten“, sagt Dr. Henke. „Das zeigt, dass es starke Allianzen braucht, um zukunftsweisende Ideen umzusetzen.“

Die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima ist auch international präsent – hier bei der COP30 im brasilianischen Belém

„Unsere Aufgabe ist es, für mehr Klimagerechtigkeit zu sorgen, etwa durch Maßnahmen hier, aber auch durch die Förderung von Projekten im Globalen Süden.“

Im Spannungsfeld globaler Entwicklungen

Die Rahmenbedingungen für Klimaschutz verändern sich rasant: Regulatorische Entwicklungen, steigende Anforderungen an Transparenz und die wachsende Komplexität globaler Lieferketten erhöhen den Druck auf Unternehmen. Der freiwillige Kohlenstoffmarkt steht seit Jahren im Fokus kritischer Debatten; viele Unternehmen fragen sich, wie sie sich künftig positionieren können und welche Rolle Kompensation noch spielt. „Wir haben sehr schnell auf diese Herausforderungen reagiert und unser Angebot entsprechend weiterentwickelt“, sagt Peter Renner.

Entscheidend sei gewesen, eine klare, sachliche Position zu vertreten und zugleich die Bedürfnisse der Unterstützer:innen im Blick zu behalten. Klimaschutz als globale Aufgabe sei geprägt von unterschiedlichen Interessen und geopolitischen Spannungen: „Ohne Abstimmung und Kompromisse werden wir nicht weiterkommen“, ergänzt er. Gerade deshalb brauche es Stabilität und Frieden, um internationale Zusammenarbeit überhaupt möglich zu machen.

Hinzu kommt als Herausforderung die Finanzierung nachhaltiger Entwicklung. Bereits vor der COVID-19-Pandemie fehlten laut Vereinten Nationen jährlich rund 2,5 Billionen US-Dollar zur Umsetzung der Sustainable Development Goals; aktuelle UN-Schätzungen1 gehen von 3,9 bis 4,3 Billionen US-Dollar pro Jahr aus, insbesondere im Globalen Süden. „Neben staatlichen Finanzmitteln wird zusätzlich privates Kapital benötigt, um die Ziele der Agenda 2030 und des Pariser Abkommens erreichen zu können“, sagt Dr. Henke.

„Neben staatlichen Finanzmitteln wird zusätzlich privates Kapital benötigt, um die Ziele der Agenda 2030 und des Pariser Abkommens erreichen zu können.“

Transformation zur Trägergemeinschaft

Die Gegenwart ist geprägt von wachsendem Handlungsdruck und der Notwendigkeit, verlässliche Strukturen zu schaffen. Genau hier setzt die nächste Entwicklungsstufe der Stiftung an. Mit der Überführung in eine Trägergemeinschaft ab 2027 will sie sich langfristig stabil aufstellen, getragen von den Akteur:innen selbst. Diese Transformation ist mehr als eine organisatorische Anpassung: „Die Startfinanzierung durch das BMZ läuft 2030 aus. Um danach weiterhin unabhängig arbeiten zu können, schaffen wir nun eine tragfähige, eigenständige Finanzierungsgrundlage“, erklärt Dr. Olivia Henke.

Zugleich bedeutet die Trägergemeinschaft eine inhaltliche Weiterentwicklung. Neben bestehenden Angeboten erhalten die Träger:innen exklusiven Zugang zu einem Intranet-Portal mit wissenschaftlichen Analysen, aufbereiteten Informationen und vielfältigen Veranstaltungsformaten. Ziel ist es, Zusammenarbeit noch gezielter zu organisieren und Wissen strukturiert zugänglich zu machen. Ein zentrales Element ist der geplante Projektpool. Er soll Unternehmen einen Zugang zu geprüften Klimaschutzprojekten bieten und damit Orientierung im freiwilligen Kohlenstoffmarkt schaffen. Gleichzeitig stärkt er die Umsetzung vor Ort, indem Projekte gezielt weiterentwickelt und skaliert werden.

In fünf Jahren sieht Dr. Olivia Henke die Stiftung als noch stärker verankerte Moderatorin: „Wenn wir dann sagen können, wir haben eine tragfähige finanzielle Grundlage geschaffen und mit starken Partner:innen wirklich etwas bewegt, wäre das ein echter Erfolg“.  Auch Peter Renner blickt zuversichtlich auf die kommenden Jahre. Mit seinem Ausscheiden aus dem Vorstand zum 30. September endet zugleich die Phase, in der die Stiftung aufgebaut und strategisch ausgerichtet wurde. „Es war mir wichtig, den Weg für diese Transformation mit vorzubereiten. Ich gehe mit dem Vertrauen, dass die Stiftung damit gut aufgestellt ist“, resümiert er.

Mit der Transformation zur Trägergemeinschaft setzt die Stiftung ein klares Signal: Klimaschutz und Entwicklung gehen langfristig Hand in Hand, getragen von den Menschen und Organisationen, die sich gemeinsam dafür einsetzen. „Der Schutz des Klimas kann nur gelingen, wenn wir gleichzeitig weltweit eine nachhaltige Entwicklung fördern. Alles andere greift zu kurz“, betont die Vorständin.

Interview Peter Renner

Herr Renner, worauf blicken Sie in Ihrer Zeit bei der Stiftung besonders stolz zurück?
Wir haben die Stiftung unter Bedingungen aufgebaut, die alles andere als einfach waren: mitten in der Pandemie, mit einem kleinen Team und in einem hochdynamischen politischen Umfeld. Dass daraus eine funktionierende, wachsende Allianz entstanden ist, die heute eine klare Rolle im Zusammenspiel von Entwicklung und Klimaschutz einnimmt, ist für mich ein zentraler Erfolg.

Was war aus Ihrer Sicht Ihr wichtigster Beitrag als Vorstandsvorsitzender?
Die Stiftung strategisch zu positionieren. Mit einer klaren Argumentation und einem guten Gespür für politische Zusammenhänge. Gerade beim Thema freiwilliger Kohlenstoffmarkt, das teilweise sehr kontrovers diskutiert und medial aufgeheizt wurde, kam es darauf an, sachlich zu bleiben, Orientierung zu geben und gleichzeitig die Interessen unserer Unterstützer:innen im Blick zu behalten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Stiftung?
Die Stiftung steht jetzt vor einem entscheidenden nächsten Schritt: der langfristigen finanziellen Absicherung über 2030 hinaus. Das wird kein Selbstläufer. Aber ich bin überzeugt, dass wir die richtigen Grundlagen geschaffen haben, um diesen Weg erfolgreich fortzusetzen.

„Wir haben die Stiftung unter Bedingungen aufgebaut, die alles andere als einfach waren. Dass daraus eine funktionierende, wachsende Allianz entstanden ist, ist für mich ein zentraler Erfolg.“

Peter Renner

Der Politikwissenschaftler hat die Stiftung seit 2020 als Vorstandsvorsitzender maßgeblich mit aufgebaut und strategisch geprägt. Mit langjähriger Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit und Stationen unter anderem in Osteuropa, Zentralasien und Afrika brachte er eine globale Perspektive in die Arbeit der Stiftung ein. Zum 30. September scheidet er aus dem Vorstand aus.

1 Vgl. United Nations: Financing for Sustainable Development Report 2024, New York 2024; UNCTAD-Angaben zur jährlichen SDG-Finanzierungslücke in Höhe von rund 4 bis 4,3 Billionen US-Dollar.

Bilder: Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

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