Die COP30 in Belém war in vielerlei Hinsicht ein besonderer Ort: Ein Schmelztiegel nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch bezüglich der Zusammensetzung der Teilnehmenden, der Ziele und Absichten und des Aufeinandertreffens von Verhandler:innen, Delegationen sowie Regierungs- und Nichtregierungsvertreter:innen mit den Einwohner:innen dieser Regenwaldmetropole am Amazonas. Das Auseinanderklaffen der Bemühungen und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ärmsten der Armen war offensichtlich, erleb- und spürbar. Auch wenn manch einer sich freute zurück nach Hause zu kommen, war es eine COP, die dieses Ziel, das Präsident Lula bei Konferenzbeginn verkündete, eindeutig erreichte.
Die Stiftung war mit den Vorständen Peter Renner und Dr. Olivia Henke sowie der Leiterin Engagement und Partnerschaften Krystelle Lochard vor Ort vertreten und konnte mannigfaltige Eindrücke gewinnen, sich vernetzen und austauschen, und vor allem durch die Beteiligung an und die Ausrichtung eigener Veranstaltungen inhaltliche Positionierungen vornehmen. Das erlebten wir als sehr bereichernd.
Side Event beim World Climate Summit
So führte die Stiftung ein Side Event Workshop beim World Climate Summit am 14.11. durch unter dem Titel „From Carbon Market Readiness to Action: Implementation Experiences from Leading Countries in the Global South”. Diskutant:innen waren:
- Sindi Kuci, Wissenschaftlerin an der Smith School of Enterprise and the Environment, University of Oxford.
- Peter Renner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima, Deutschland.
- Glenn Kwabena Gyimah, Geschäftsführer des Green Transition Office, Jospong Group of Companies, Ghana.
- Rogelio Campos, Fachreferent und Verhandler für Artikel 6 bei der Designated National Authority Peru, Peru.
- Moderator: Florian Eickhold, Experte für Klimafinanzierung und Umweltmärkte.
Dr. Kuci von der Smith School of Enterprise and the Environment an der Universität Oxford betonte mit Artikel 6 die entscheidende Rolle der Oxford Principles for Responsible Engagement und unterstrich, dass robuste Integritätsrahmen Vertrauen, Umweltauswirkungen und Engagement des Privatsektors untermauern. Peter Renner forderte den Privatsektor nachdrücklich zum Handeln auf und betonte dessen entscheidende Rolle bei der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen über die eigenen Wertschöpfungsketten der Unternehmen hinaus. Dr. Glenn Kwabena Gyimah, General Manager des Green Transition Office der Jospong Group of Companies in Ghana, teilte praktische Erfahrungen aus Abfallmanagement- und Methanreduzierungsprojekten. Die Fortschritte Ghanas dienten als praktisches Beispiel dafür, wie Artikel 6 gleichzeitig zur Eindämmung und nachhaltigen Entwicklung beitragen kann. Rogelio Campos, amtierender Verhandlungsführer für Artikel 6 und technischer Spezialist bei der Designated National Authority of Peru, stellte Perus umfassenden Ansatz zum Aufbau eines robusten rechtlichen und institutionellen Rahmens für Artikel 6 vor. Das peruanische Modell zeigte, wie Länder Investor:innen Sicherheit bieten und gleichzeitig die Umweltintegrität wahren können.
Roundtable zu Artikel 6
Am 15.11. folgte ein Roundtable zu Artikel 6, organisiert von Climate & Company. Bei diesem runden Tisch, an dem nur geladene Gäste teilnahmen, ging es darum, wie Unternehmen und Finanzinstitute Artikel 6 verantwortungsvoll und ambitioniert nutzen können – etwa indem sie robuste Strategien entwickeln, hochwertige Kredite generieren und glaubwürdige Klimaversprechen aufstellen. Peter Renner vertrat die Stiftung in diesem Format.
Ein Tag im Amazonasgebiet
Der 16.11. war der Verhandlungs- und Event-freie Tag der COP und wurde von uns für eine Tour ins Amazonasgebiet genutzt. Der majestätische Strom Amazonas mit seiner faszinierenden und einzigartigen Natur, die einfach wunderschön ist, wirkte beeindruckend auf uns als Besucher:innen.
Gemeinsames Dinner-Event:
Carbon Markets, Innovative Finance & Regenerative Solutions
Am 17.11. waren wir Mit-Veranstaltende des Dinner-Events „Carbon Markets, Innovative Finance & Regenerative Solutions“ zusammen mit myclimate, NOW Partners Foundation and Food Tank.
An diesem Abend kamen Führungskräfte und politische Entscheidungsträger:innen zusammen, um den Dialog über die Stärkung der Kohlenstoffmärkte im Rahmen des Pariser Abkommens zu vertiefen, wobei der Schwerpunkt sowohl auf freiwilligen Kohlenstoffmärkten als auch auf der Umsetzung von Artikel 6 lag. In einem angenehmen Ambiente und bei traditionellem Essen aus dem Bundesstaat Pará wurden jeweils inhaltliche Impulse gegeben.
Wir eröffneten den Abend mit einer herzlichen Begrüßung und einem Dialog mit Stimmen aus Politik, Klimafinanzierung und Zivilgesellschaft. Das von Danielle Nierenberg moderierte Panel umfasste Beiträge von:
- Peter Renner, Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima
- Ahmed Elshazly, Heliopolis University
- Merijn Dols, NOW Partners Foundation / Future Economy Forum.
Nach einem gemeinsamen Abendessen und Networking konzentrierte sich ein zweiter Dialog auf wichtige Interventionspunkte für hochintegrierte Kohlenstoffmärkte und regenerative Ansätze mit Erkenntnissen von:
- Noah Gyimah, Jospong Group of Companies
- Pauline Nantongo Kalunda, ECOTRUST Ug
- Nathalie Alquier, Danone
Der Abend endete mit einem zukunftsweisenden Gespräch auf dem Weg zur COP31 mit:
- Olivia Henke, Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima
- Nsikan-George Emana, myclimate.
- Karina Barrera, Tinki CPF.
Die Teilnehmenden tauschten sich aus, vernetzen sich und konnten so wertvolle Impulse für die eigene Arbeit mit nach Hause nehmen.
Weitere Formate und Diskussionen auf der COP30
Auf dem Gelände und unter dem Dach der COP30 fanden eine große Anzahl von Veranstaltungen und Gesprächen statt. Auch im deutschen Klima-Pavillon wurde eine Vielzahl von interessanten Formaten angeboten. Hier wurde z.B. unter dem Titel „Pathway towards convergence: recommandations from the 1,5 dialogue“ darüber diskutiert, wie sich Transformation, Chancen und Informationen zueinander verhalten.
So betonte u.a. Staatssekretär Flasbarth, dass die Transformation große Möglichkeiten eröffnen kann, Gesellschaften aber anfällig für Desinformation sind und wissenschaftliche Beratung nötig bleibt, um auf den 1,5-Grad-Pfad hinzuarbeiten. Gleichzeitig wurde eine gemeinsame Perspektive formuliert, in der Just Transition, Biodiversität und Klimaschutz zusammengedacht werden.
Eine Vielzahl von Debatten fand auch rund um den Freiwilligen Kohlenstoffmarkt statt. Dieser kann eine entscheidende Rolle spielen, indem er private Investitionen in Projekte lenkt, die nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch eine nachhaltige Entwicklung vorantreiben.
Ergebnisse und Einordnung der COP30
Was bleibt von der COP30? Wir sehen gemischte Ergebnisse – die Ambitionslücke konnte nicht geschlossen werden, Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Emissionsreduzierung sind zu langsam aus unserer Sicht. Dennoch kann man auch erkennen, dass der Multilateralismus noch immer funktioniert. Die Ergebnisse sind auch immer im Kontext der aktuellen geopolitischen Herausforderungen zu betrachten, in der die USA aus den COP-Verhandlungen ausgestiegen sind.
Der Just Transistion Mechanimus wird angenommen und der Global Implementation Accelarator wurde gestartet. Einen exzellenten Start hatte auch der TFFF mit Zusagen von 6,5 Mio. US-Dollar. Der TFFF ist ein positives Zeichen, eine außerordentliche Mischung aus Ländern des Globalen Südens und des Globalen Nordens sind hier engagiert. TFF-Beiträge der Regierungen ziehen weiteres privates Kapital an. Insgesamt betrachtet, brauchen wir mehr innovative Finanzierung für Anpassung und Schadensbegrenzung. Ein Schritt in diese Richtung stellt auch das auf der COP30 von unseren Unterstützern Deutsche Bank und Symrise, gemeinsam mit Bayer und Siemes lancierte Vorhaben vor:
Honduras und Suriname schließen auf der COP30 Partnerschaft mit der Deutschen Bank, an der sich Bayer, Siemens und Symrise beteiligen. Das Vorhaben der Deutschen Bank mit den lateinamerikanischen Ländern Honduras und Suriname sieht vor, hochwertige CO2-Zertifikate zum Schutz des Regenwaldes zu generieren und werden dabei von der Coalition for Rainforest Nations (CfRN) unterstützt. Strategisches Ziel dieser Partnerschaft ist die Entwicklung von regenwaldbasierten Internationally Transferred Mitigation Outcomes (ITMOs) gemäß Artikel 6.2 des Pariser Abkommens unter Aufsicht der United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC). Mit den staatlichen Regenwald-CO2-Zertifikaten können Länder, Unternehmen und Investoren individuelle Klimaziele erreichen und gleichzeitig zum Schutz der Wälder im Einklang mit den Regeln des Pariser Abkommens beitragen.
Mit dieser offiziell gezeichneten Absichtserklärung ist ein wichtiger Schritt zur Mobilisierung privaten Kapitals für Klimaschutzprojekte getan – ein Engagement, wie es die Stiftung befördert und wie es wichtig für die Schließung der Ambitionslücke ist.
Copyright: World Climate Summit, NOW Partners


