Gib mir 10: Buchempfehlungen zu nachhaltiger Entwicklung und Klima

Von Mitarbeitenden der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

„Wer Bücher liest, schaut in die Welt und nicht nur bis zum Zaune” – das wusste schon Goethe. Auch wir Mitarbeitende der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima lesen gerne und viel und teilen unsere neuesten Buchempfehlungen miteinander. Dabei interessieren uns natürlich besonders Bücher zu Themen wie dem Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung sowie Bücher über die Beziehung von Mensch und Natur.  Da wir so viel interessantes Lesematerial niemandem vorenthalten wollen, kommen hier unsere Buchempfehlungen.

Ein Leben auf unserem Planeten

Die Zukunftsvision des berühmtesten Naturfilmers der Welt
David Attenborough

Empfohlen von Hannah Fliegner: „Ich bin ein großer Fan von David Attenborough und seinen Dokumentarfilmen. Nun hat mich auch sein Buch überzeugt!“

David Attenborough nimmt seine Leser:innen mit auf eine Reise durch sein Leben. Er blickt zurück auf 93 Jahre auf unserem Planeten und die Veränderungen in Klima, Biodiversität und Wildnis, die er in diesem, für die Weltgeschichte kurzen Zeitraum, selbst miterleben konnte. Er ist Zeuge maßgeblicher negativer Auswirkungen des Klimawandels, einer stark wachsenden Bevölkerung, einer vervielfachten Artensterberate und einer schrumpfenden Wildnis. Trotz seiner Beschreibungen eines Planeten, der während des letzten Jahrhunderts große Teile seiner Natur, Flora und Fauna einbüßen musste, hat David Attenborough Hoffnung. Hoffnung auf eine Veränderung zum Positiven, auf ein steigendes Bewusstsein der Menschen und die Macht der Positiv-Beispiele. Obwohl man sich während des Lesens mit den vielen Unzulänglichkeiten unserer Spezies und mangelnden Klimaschutzmaßnahmen konfrontiert sieht, schließt man das Buch mit einem Gefühl der Hoffnung – eine Leistung, die vielleicht nur David Attenborough vollbringen kann.

Blue Skies

T.C. Boyle

Empfohlen von Vera Bünte: „„Blue Skies“ habe ich am ersten heißen Wochenende des Jahres verschlungen und war erstaunt, wie nah dieser fiktive Roman unserem Leben kommt.“

Eine Familie, eine Influencerin, eine Haustier-Python, wöchentliche Naturkatastrophen und Heuschrecken zum Abendessen. T.C. Boyle erzählt eine irrwitzige Familiengeschichte vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe und einer von Hitze und Wetterextremen geplagten amerikanischen Küstenregion. In diesem Roman voller Absurditäten stecken erschreckend denkbare Zukunftsszenarien. T.C. Boyle hält seinen Leser:innen den Spiegel vor und mahnt vor menschlichem Egoismus und einer materialistischen Konsumkultur – all das jedoch ohne den „moralischen Zeigefinger“ zu heben. Trotz dystopischer Handlung und jeder Menge schwarzem Humor bleibt seine Erzählung realistisch und alarmierend nah am eigenen Leben. Familiendrama, Dystopie und Öko-Thriller in einem.

Systemkrise

Legitimationsprobleme im grünen Kapitalismus
Philipp Staab

Empfohlen von Johannes Schlüter: „Phillip Staabs Vergleich mit den Legitimationsproblemen der Moderne verdeutlicht die Wichtigkeit und die Tragweite, die die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel für unsere heutige Zeit hat. Durch seine Erkenntnisse habe ich besser verstehen können, woher die Resignationsgefühle gegenüber dem Klimawandel in der deutschen Gesellschaft rühren.“

Woran scheitert die ökologische Modernisierung? Wo ist die Euphorie für Klimaschutz und Nachhaltigkeitsthemen hin? Mit diesen und weiteren Fragen setzt sich Philipp Staab in seinem Buch „Systemkrise“ auseinander und diagnostiziert Deutschland genau das: eine tiefgreifende Systemkrise. Staab spricht über einen Stillstand, über Ablehnung und Instabilität in Bezug auf Klimaschutz und dem nachhaltigen Wandel. Selbst unsere Demokratie und liberalen Grundwerte erfuhren Zurückweisung. Die Gründe für das Fehlschlagen des grünen Kapitalismus werden in „Systemkrise“ erforscht und theoretisch betrachtet. Außerdem führte Staab eine Reihe Interviews mit Menschen, die in Branchen arbeiten, die eigentlich von einer Klimawende profitieren würden, und zieht Erkenntnisse aus den teilweise überraschenden Antworten.

Was wäre, wenn wir mutig sind?

Luisa Neubauer

Empfohlen von Silvia Nebl: „Ich habe Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?” sehr gerne gelesen. Sie nimmt eine kämpferische und positive Haltung ein und plädiert dafür, dass wir eine Zukunft ohne Klimakollaps stärker als erstrebenswertes Ziel labeln, anstatt eine von Verboten und Einschränkungen geprägte, „den Gürtel enger schnallen müssen”-Vorstellung. Quasi, how to make climate protection sexy.“

Die Klimakrise ist da, so viel ist sicher. Aber unser Umgang damit ist noch nicht in Stein gemeißelt. Unsere Gesellschaft scheitert daran notwendige langfristige und demokratische Maßnahmen dem entgegenzusetzen. Die Gründe für diese Tatlosigkeit und Passivität analysiert Luisa Neubauer in ihrem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“. Es geht um Demokratie, Macht und Fossilität. Und um die Zusammenhänge zwischen der Anti-Klima-Bewegung und rechtem Gedankengut. Luisa Neubauer appelliert an uns alle und ruft zu einer aktiven Klimabewegung auf. Trotz all den Schwierigkeiten und Hürden weckt sie in ihren Leser:innen eine Stimme der Hoffnung und Motivation.

Geflochtenes Süßgras

Die Weisheit der Pflanzen
Robin Wall Kimmerer

Empfohlen von Hannah Fliegner: „Dieses Buch sollte man bestenfalls auf einer grünen Wiese oder unter einem Baum lesen. Man wird verzaubert von magischen Geschichten, die einem die Schönheit der Natur in Erinnerung rufen, die man in einer Großstadt manchmal vergisst.“

Robin Wall Kimmerer ist indigene Pflanzenökologin, Professorin und Autorin. In ihrem Buch „Geflochtenes Süßgras“ kombiniert sie indigenes Wissen mit botanischen Kenntnissen und schafft so eine einzigartige Perspektive auf Ökologie, Pflanzen und die Verbindung vom Menschen mit seiner Umwelt. Auf fast poetische Weise schreibt sie über Kindheitserinnerungen und ihren nicht immer leichten Weg dem eigenen Instinkt und der Verbundenheit zur Natur zu folgen – in einer kapitalistisch geprägten Welt, die sich immer mehr von der Natur entfernt. Sie regt dazu an, innezuhalten und die kleinen Dinge zu beobachten: wie Blumen miteinander farblich harmonieren, wie Bäume genau zur richtigen Zeit Früchte zu tragen scheinen und wie die Erde uns immer wieder reich beschenkt.

Ein Planet, viele Welten

Die Klima-Parallaxe
Dipesh Chakrabarty 

Empfohlen von Silvia Nebl: Ich habe derzeit „Ein Planet, viele Welten – Die Klimaparallaxe” von Dipesh Chakrabarty auf meiner Leseliste. Davon habe ich schon viel Gutes gehört. Es soll darum gehen, welche Spaltungen und unterschiedlichen globalen Ausgangslagen ein einheitliches Handeln gegen die Klimakrise erschweren. Chakrabarty ist Historiker und betrachtet die „globalgeschichtlichen und postkolonialen Dimensionen des fossilen Wahns”. 

„Ein Planet, viele Welten“ betrachtet unseren Planeten als einen Ort der Spaltung in Bezug auf die Klimakrise. Dipesh Chakrabarty prägt den Begriff „Klima-Parallaxe“: er beschreibt die scheinbare Veränderung der ökologischen Krise, je nach Betrachter:in. Die verschiedenen Beobachter:innen sind in diesem Fall Regierungen und unterschiedliche Kulturgruppen. Laut Chakrabarty lebten wir zwar alle auf dem gleichen Planeten und sind uns der gleichen Krise bewusst, unsere Lebensrealitäten und Blickwinkel auf das Problem unterschieden sich aber signifikant. Er plädiert für eine globale Klimapolitik, die sich nicht gegenseitig blockiert, sondern gemeinsam an Lösungen für ein globales Problem arbeitet.

Botschafter des Lebens

Was Bäume in Städten erzählen
Caroline Ring

Empfohlen von Vera Bünte: „Zu Weihnachten 2020 habe ich „Botschafter des Lebens – was Bäume in Städten erzählen“ geschenkt bekommen. 2025 habe ich es endlich gelesen und verschenke es seither gerne!“

Caroline Ring erzählt in ihrem Buch „Botschafter des Lebens“ von Stadtbäumen: Bäume mit Geschichten, Zeitzeugen, Schattenspender und Hoffnungsträger. Nicht nur der Wald ist ein Ort der Bäume, auch die Stadt kann mit unzähligen verschiedenen Baumarten aufwarten, es gilt nur sie bewusst wahrzunehmen und ihren Geschichten zu lauschen. Eingehend eröffnet Caroline Ring ihren Leser:innen eine neue Perspektive auf die Stadt als Lebensraum und Ort der Begegnungen, Geschichten und der Natur.

Situation und Konstellation

Vom Verschwinden des Spielraums 
Hartmut Rosa 

Empfohlen von Sina BrodBeim Lesen kam mir die Frage, wie viel Standardisierung braucht wirksamer Klimaschutz – und wie viel situative Urteilskraft darf dabei nicht verloren gehen? Ein wirklich interessantes Buch!”

Hartmut Rosa unterscheidet in seinem Buch die Situation von der Konstellation: In einer Situation muss ein Mensch selbst wahrnehmen, urteilen und entscheiden; in einer Konstellation ist vieles bereits durch Regeln, Verfahren, Kennzahlen, oder vorgegebene Optionen festgelegt. Er beschreibt die Veränderungen unseres Handels, bedingt durch mehr und mehr Richtlinien, Formulare, vereinheitlichte Prozesse und Digitalisierung, die unsere heutige westliche Gesellschaft prägen. Rosa setzt sich mit den Konsequenzen dieser Entwicklung auseinander und diskutiert neue Rahmen der Handlungsfähigkeit. 

Die Mitarbeitenden der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima lesen aber nicht nur gern, die Stiftung hat auch selbst etwas veröffentlicht: Das Buch „Grad° Global” und die Comic-Reihe „Meine Entwicklung – unser Klima!”.

Grad° Global

Perspektiven für eine nachhaltige Welt
Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima (Hrsg.)

Empfohlen von Clara Trebes: „Grad° Global zeigt, dass Klimaschutz und Entwicklung keine abstrakten Themen sind, sondern gestaltbare Prozesse, die durch Zusammenarbeit, Wissen und Verantwortung Wirkung entfalten.”

Dieses Buch vereint viele Perspektiven: die der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und, mit am wichtigsten, die Perspektive der Menschen des Globalen Südens. Der Globale Süden ist am stärksten von der Klimakrise betroffen, deshalb muss vor allem dort mit fundierten Klimaschutzmaßnahmen angesetzt werden. Das Buch betont genau dies und zeigt Handlungsmöglichkeiten und Good-Practice Beispiele auf. Themen wie Scope 1 bis 3, Klimafinanzierung und Entwicklungszusammenarbeit werden verständlich beleuchtet und an Praxisbeispielen veranschaulicht.

Meine Entwicklung – unser Klima!

Martin Baltscheit
Mit Franziska Blinde, Elias Linnekuhl, Gemma Palacio und Tine Schulz (llustrator:innen)

Empfohlen von Dr. Olivia Henke: „Als Stiftung möchten wir jungen Menschen die Zusammenhänge zwischen Entwicklung und Klima näherbringen und das auf Augenhöhe und durch Geschichten, die zum Handeln anregen. Dazu eigenen sich die Comics hervorragend!“

Auch für die Kleinen unter uns haben wir etwas zum Lesen in petto: die Comic Reihe „Meine Entwicklung – unser Klima!“. In den bunten Bilderbuchgeschichten werden Kinder auf die Reise in unterschiedliche Länder genommen, nach Peru, Kenia, Vietnam, Honduras, Nigeria und Kambodscha. Dort erzählen die Held:innen der Geschichten über ihren Alltag und über Herausforderungen, die durch den menschengemachten Klimawandel entstanden sind. Die Held:innen haben raffinierte Ideen, um die Probleme zu lösen und eine bessere Zukunft, für Menschen, Tiere und die Natur zu schaffen.

Unsere Comics wurden von Autor Martin Baltscheit und den Illustrator:innen Franziska Blinde, Elias Linnekuhl, Gemma Palacio und Tine Schulz realisiert – nun sind sie mehrfach preisgekrönt. 

Mehr über unsere Comics und wo sie erhältlich sind erfahren Sie hier.

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