Aufklärung und Bildung sind zentrale Werkzeuge, um Klimaschutz und Nachhaltigkeit voranzubringen. Die Stärkung von Bildung wird in den Nachhaltigkeitszielen, den Sustainable Development Goals (SGDs), mit dem SDG 4 abgebildet und zielt unter anderem darauf ab, gleichberechtigten Bildungszugang für alle Menschen zu sichern.
Hochwertige Bildung für alle
Das Recht auf Bildung gehört zu den grundlegenden Menschenrechten und gilt als wesentliche Voraussetzung zur Entfaltung der Persönlichkeit und Entwicklung. Das SDG 4 will „inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern“.
In der Realität bestehen weiterhin große Ungleichheiten: Laut dem SDG-Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2025 gingen im Jahr 2023 weltweit 272 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. In Ländern mit höherem Einkommen machen diese 3 % aller Kinder und Jugendlichen aus, in Ländern mit geringerem Einkommen, insbesondere im Globalen Süden, hingegen 36 %. Darüber hinaus galten im Jahr 2024 weltweit 754 Millionen Erwachsene als Analphabet:innen, darunter fast zwei Drittel Frauen. Grundsätzlich bestehen nach wie vor große Geschlechterunterschiede: Nur eines von zwanzig Ländern erreicht im Hochschulbereich, also bei der tertiären Bildung, tatsächlich Parität zwischen den Geschlechtern (mehr zum Thema Geschlechtergerechtigkeit können Sie in unserem Blogbeitrag zum SDG 5 lesen). Die Vereinten Nationen haben zur Umsetzung von SDG 4 eine Reihe an Maßnahmen beschlossen um diese Lücken zu schließen.
„Eine gut ausgebildete Bevölkerung ist Basis für die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit, nachhaltiges Wirtschaftswachstum und gesellschaftliche Entwicklung“, so das BMZ. Auch um Klimaschutz voranzubringen sind verbesserte und für alle zugängliche Bildungsangebote daher essenziell. Bislang ist Bildung jedoch nicht für alle Menschen gleichermaßen zugänglich. Insbesondere strukturell benachteiligte Bevölkerungsgruppen haben häufig erschwerten Zugang zu Bildungsangeboten. Dazu zählen Angehörige indigener Gruppen, Menschen mit geringem Einkommen, religiöse, ethnische und sprachliche Minderheiten, Mädchen und Frauen sowie Menschen mit Beeinträchtigungen. Auch Flucht und Konflikte schränken den Zugang zu Bildung ein. Dies zeigt, wie wichtig eine inklusive und intersektional gedachte Entwicklungszusammenarbeit ist. Bildung hat das Potenzial vielfältige Ungleichheiten zu reduzieren, wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und die Lebensqualität vieler Menschen zu erhöhen. Genau deshalb haben Fortschritte in der Verwirklichung des SDG 4 einen direkten positiven Einfluss auf die Umsetzung der gesamten Agenda 2030.
Das SDG 4 beschreibt mehrere Ziele, unter anderem gleichberechtigte, kostenlose Grund- und Sekundarbildung, den Zugang zu hochwertiger beruflicher Bildung sowie die Vermittlung fachlicher Fähigkeiten, die für menschenwürdige Arbeit, Unternehmertum und für die Förderung nachhaltiger Entwicklung erforderlich sind, ebenso wie grundlegende Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse.
Zur Umsetzung dieser Ziele soll eine Schulinfrastruktur aufgebaut werden, die sichere, gewaltfreie und effektive Lernumgebungen bietet. Neben erhöhter Lehrkräfteforderung soll auch das Angebot an Stipendien für Hochschulbildung, berufliche Bildung und Programme der Informations- und Kommunikationstechnologie, Technik, des Ingenieurwesens und der Naturwissenschaften ausgebaut werden.
Die Vereinten Nationen messen den Erfolg des SDG 4 anhand folgender Indikatoren (vereinfacht):
- Mindestniveau Lesen und Mathematik am Ende der Schulzeit
- Schulabschlussquoten
- Anteil der Kleinkinder mit altersgemäßer Entwicklung
- Teilnahmequote an organisiertem Lernen, formaler und non-formaler Bildung und Ausbildung
- Kompetenzen in Informations- und Kommunikationstechnologie
- Paritätsindizes für alle genannten Bildungsindikatoren
- Alphabet:innenquote
- Umfang, in dem i) Bildung zur Weltbürgerschaft und ii) Bildung für nachhaltige Entwicklung in a) nationale Bildungspolitik, b) Lehrpläne, c) Ausbildung von Lehrkräften und d) Leistungsbewertung der Lernenden integriert sind
- Anteil der Schulen mit Basisversorgung
- Umfang der Ausgaben der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) für Stipendien
- Anteil der Lehrkräfte mit den erforderlichen Mindestqualifikationen
Bildung global betrachtet
Wirft man einen globalen Blick auf das Thema Bildung lassen sich starke Disparitäten erkennen. Die World Inequality Database on Education (WIDE) vom UNESCO Institute for Statistics bündelt Bildungsdaten aus mehr als 170 Ländern.
Die Daten stammen aus verschiedenen Erhebungen, Haushaltsbefragungen sowie internationalen und nationalen Studien zu Lernergebnissen. Mithilfe der Datenbank können Bildungsunterschiede sowohl zwischen verschiedenen Ländern als auch zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen innerhalb eines Landes untersucht und verglichen werden. Dabei werden Faktoren berücksichtigt, die mit Bildungsungleichheit zusammenhängen können, beispielsweise Wohlstand, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und Wohnort.
Beim Zugang zu Bildung bestehen weltweit nach wie vor zahlreiche Ungleichheiten. So reicht laut UNESCO die durchschnittliche Grundschulabschlussquote der Länder beispielsweise von 10 % bis 100 %, wobei regionale und wohlstandsbedingte Unterschiede die Disparitäten innerhalb eines Landes noch zusätzlich verschärfen können. Auch die mittlere Anzahl an Bildungsjahren der 20–24-Jährigen deckt Größenordnungen von ca. 3 Jahren bis über 15 Jahren ab. Während die ärmsten Länder eine durchschnittliche Bildungszeit (der 20–24-Jährigen) von ca. 6 Jahren verzeichnen, erreichen die reichsten Länder über 13 Bildungsjahre. Das zeigt das hohe Maß, in dem sich Wohlstand auf die Bildung der Menschen auswirkt. So liegt auch die Alphabet:innenrate junger Menschen bei 43 % in den ärmsten, und bei 99% in den reichsten Ländern.
Laut dem SDG4 Scorecard Progress Report on National Benchmarks, der bewertet, wie wahrscheinlich es ist, dass Länder ihre für 2025 und 2030 gesetzten Ziele erreichen, stieg die weltweite Abschlussquote seit 1990 in allen Bildungsebenen. In der Primarstufe lag sie 2024 bei 88 %, in der unteren Sekundarstufe bei 78 % und in der oberen Sekundarstufe bei 61 %. Trotz des insgesamten Anstieges wird deutlich, dass es starke regionale Unterschiede gibt. Vor allem in den höheren Bildungsniveaus liegen Europa und Nordamerika weit vorn, wohingegen Sub-Sahara-Afrika mit ansteigendem Bildungsgrad immer weiter hinter alle anderen Weltregionen zurückfällt. Zentral-, Ost- und Südasien verzeichnen die schnellsten Fortschritte. Ob die Ziele bis 2025 erreicht wurden, lässt sich der UNESCO zufolge erst durch einen zukünftigen Report sagen, bereits jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass im Schnitt die Länder um 5 bis 6 Prozentpunkte hinter ihrem für 2025 gesetzten Ziel liegen werden.
Wie ist die Situation in Deutschland?
Auch bei uns in Deutschland bestehen nach wie vor starke Ungleichheiten im Bereich Bildung und im OECD-Vergleich stehen wir relativ schlecht da. Obwohl laut dem OECD-Bericht „Education at a Glance 2025“ der Anteil junger Erwachsener mit Tertiärabschluss von 33 % im Jahr 2019 auf 40 % im Jahr 2024 angestiegen ist, liegt Deutschland damit noch unter dem OECD-Durchschnitt von 48 %. Gleichzeitig hat auch der Anteil an geringqualifizierten 25-34-Jährigen (d. h. ohne (Fach-)Hochschulreife oder Berufsausbildung) zugenommen, womit Deutschland im OECD-Mitgliedsländervergleich auf Platz 19 von 22 liegt. Die OECD weist dabei auf die wachsende Kluft bei Bildungsabschlüssen und Kompetenzen in Deutschland und den großen Einfluss des familiären Hintergrunds hin. Haben die Eltern nicht studiert, ist auch die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, dass die Kinder studieren. Auch die Höhe an Bildungsinvestitionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt liegen in Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt. Obwohl insgesamt die öffentlichen Mittel für Bildungseinrichtungen in Deutschland um 15,2 % zunahmen, verringerte sich ihr Anteil an den gesamten öffentlichen Ausgaben im gleichen Zeitraum von 9 % auf 8,4 % laut OECD.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein zentraler Bestandteil der internationalen UNESCO-Bildungskampagne. Sie verfolgt das Ziel, Menschen dazu zu befähigen, die Auswirkungen ihres eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle sowie nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Vermittlung von Wissen, sondern auch um die Entwicklung praktischer und sozialer Kompetenzen sowie um die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Gute Bildung soll Menschen dazu befähigen, aktiv an der Gestaltung ihrer Umwelt und Gesellschaft mitzuwirken und Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft zu übernehmen, so das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
Das BMBFSFJ beschreibt BNE als einen zentralen Bestandteil des Nachhaltigkeitsziels 4 „Hochwertige Bildung“ der Agenda 2030.
Insbesondere im Unterziel 4.7 wird gefordert, bis zum Jahr 2030 sicherzustellen, „dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Dazu gehören unter anderem nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft sowie die Wertschätzung kultureller Vielfalt und ihres Beitrags zu einer nachhaltigen Entwicklung”.
BNE ist somit ein wichtiger Treiber für die Umsetzung der gesamten Agenda 2030 und für die Verwirklichung einer gerechten, lebenswerten und zukunftsfähigen Welt im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs). Bildung für nachhaltige Entwicklung soll Menschen dazu befähigen, globale Zusammenhänge zu erkennen, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und sich als verantwortungsvolle Weltbürgerinnen und Weltbürger zu begreifen. Sie wird daher nicht lediglich als ein weiteres Themenfeld verstanden, das zusätzlich in bestehende Lehrpläne aufgenommen werden soll. Vielmehr handelt es sich um einen übergreifenden Ansatz, der sich auf die gesamte Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen auswirkt.
In Deutschland wird das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung bislang vor allem im Rahmen von Modellprojekten umgesetzt. Die praktische Einführung eines derart umfassenden Ansatzes ist jedoch laut BMBFSFJ mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Insbesondere müssen die Anforderungen der BNE stärker in die Ausbildung von Lehrkräften und anderen Pädagog:innen integriert werden. Dabei kann ein Spannungsverhältnis entstehen: Während Lehrkräfte weiterhin überwiegend innerhalb einzelner Fachdisziplinen ausgebildet werden, sollen Konzepte wie BNE oder digitale Bildung zunehmend fächerübergreifend und fächerverbindend umgesetzt werden. Um BNE langfristig und wirksam im Bildungssystem zu verankern, sind daher nicht nur Anpassungen der Lehrpläne, sondern auch Veränderungen in der Lehrkräftebildung, in den pädagogischen Methoden und in den institutionellen Rahmenbedingungen erforderlich (vgl. BMBFSFJ).
Bildung in Zeiten von Krisen
Die Studie „Formale Bildung in Zeiten von Krisen – die Rolle von Nachhaltigkeit in Schule, Ausbildung und Hochschule“ von Julius Grund und Antje Brock untersucht, welche Bedeutung Nachhaltigkeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den verschiedenen Bereichen des deutschen Bildungssystems haben. Im Mittelpunkt steht die Frage, in welchem Umfang nachhaltigkeitsbezogene Themen bereits in Schulen, der beruflichen Bildung und Hochschulen verankert sind und welche Herausforderungen bei ihrer Umsetzung bestehen. Die Untersuchung wurde im Rahmen des Nationalen Monitorings zu Bildung für nachhaltige Entwicklung durchgeführt und betrachtet die Entwicklung von BNE vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher und ökologischer Krisen (vgl. Grund & Brock, 2022).
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit im Bildungsbereich zunehmend an Bedeutung gewinnt. Viele Lehrkräfte und weitere Bildungsakteurinnen und Bildungsakteure erkennen die Relevanz nachhaltigkeitsbezogener Themen und sehen Bildung als wichtigen Ansatzpunkt, um junge Menschen auf zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen vorzubereiten. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass BNE noch nicht in allen Bildungsbereichen dauerhaft und umfassend verankert ist.
Häufig hängt die Umsetzung von einzelnen engagierten Lehrkräften, Projekten oder zeitlich begrenzten Initiativen ab. Dadurch besteht die Gefahr, dass Nachhaltigkeit nicht als fester Bestandteil von Bildungsprozessen, sondern lediglich als zusätzliches Thema behandelt wird (vgl. Grund & Brock, 2022).
Ein wichtiger Aspekt der Untersuchung ist die Qualifizierung von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften. Die Studie weist darauf hin, dass BNE in der Ausbildung vieler Lehrkräfte bislang nur eine begrenzte Rolle spielt. Dies kann die praktische Umsetzung erschweren, da Lehrpersonen für die Gestaltung nachhaltigkeitsorientierter Lernangebote sowohl fachliche Kenntnisse als auch geeignete didaktische und methodische Kompetenzen benötigen. Darüber hinaus erfordert BNE häufig eine Zusammenarbeit über die Grenzen einzelner Schulfächer hinaus. Da die Organisation des Bildungssystems jedoch vielfach weiterhin fachbezogen strukturiert sind, können Spannungen zwischen den Anforderungen von BNE und den bestehenden Rahmenbedingungen entstehen und es so Lehrpersonen erschweren nachhaltigkeitsorientiert zu lehren (vgl. Grund & Brock, 2022).
Die Studie macht außerdem deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht ausschließlich durch die Vermittlung von Informationen gefördert werden kann. Vielmehr sollten Lernende dazu angeregt werden, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Bildung kann auf diese Weise dazu beitragen, Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen zu befähigen. Dabei spielt auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit eine wichtige Rolle, da Lernende erkennen sollen, dass ihr Handeln Auswirkungen haben und Veränderungen mitgestalten kann.
Zusammenfassend zeigt die Studie „Formale Bildung in Zeiten von Krisen”, dass BNE im deutschen Bildungssystem bereits an Bedeutung gewonnen hat, ihre langfristige und flächendeckende Umsetzung jedoch weiterhin eine zentrale Aufgabe darstellt. Um Nachhaltigkeit dauerhaft in Bildungsinstitutionen zu verankern, sind unter anderem eine stärkere Berücksichtigung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, verbindlichere strukturelle Rahmenbedingungen sowie eine stärkere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bildungsbereichen erforderlich. Die Studie verdeutlicht somit, dass Bildung eine wichtige Voraussetzung dafür ist, Menschen auf die Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Krisen vorzubereiten und eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung zu unterstützen (vgl. Grund & Brock, 2022).
Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass das Voranschreiten des Klimawandels auch eine psychische Belastung darstellen kann. Insbesondere für Kinder und Jugendliche, die mit der Perspektive auf eine Zukunft aufwachsen, in denen sie die verheerenden Folgen der Klimakatastrophe wie Hitzeperioden, Ansteigen des Meerspiegels und die Zunahme von Extremwettereignissen stärker miterleben werden als alle Generationen vor ihnen. Man spricht dabei auch von Klima-Angst. Laut einer internationalen Untersuchung haben zwei Drittel der Befragten zwischen 16 und 25 Jahren angegeben, dass die Klimakrise Angst in ihnen auslöst. Auch sind Personen aus dem Globalen Süden grundsätzlich stärker davon betroffen, da sie auch den Folgen des Klimawandels stärker ausgesetzt sind.
Dass Kinder und Jugendliche auch ihren eigenen Umgang mit Klimaangst finden, zeigt sich in der Bewegung „Fridays for Future“, bei der Schüler:innen seit 2019 freitags den Unterricht bestreiken, um mehr Klimaschutz und Klimagerechtigkeit (siehe dazu auch unseren Blogbeitrag zu SDG 16) einzufordern. Dies spricht für die hohe Präsenz des Themas bei Kindern und Jugendlichen und unterstreicht, dass diese miteingebunden werden müssen.
Umso wichtiger ist es, nicht nur über die Auswirkungen des Klimawandels zu sprechen, sondern auch über Lösungsansätze und Mitigation. Und auch Erwachsene können psychische Belastungen durch die Klimakrise erfahren. Die Diplom-Psychologin Lea Dohm hat in einer Folge des Podcasts Grad° Global der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima näher zu dem Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Klimawandel und dem Umgang dazu gesprochen.
Die Bedeutung von Bildung für den Klimaschutz
Der UNESCO Global Education Monitoring Report hat eine Serie an Berichten veröffentlicht, die die Zusammenhänge von Bildung und verschiedenen Nachhaltigkeitszielen untersuchen. Die erste Veröffentlichung analysiert die Wechselwirkungen von Bildung und dem Klimawandel.
Dem Report zufolge ist Bildung in jeglicher Art „[…] von entscheidender Bedeutung für die Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an dessen Folgen. “ Klimabildung erweitert nicht nur Wissen und verbessert Verständnis, sondern sensibilisiert und hat das Potential Einstellungen und Verhaltensweisen zu verändern. Auch klimabezogene Forschung und technologische Innovation kann durch Bildungssysteme gestützt werden, was dazu beiträgt Klimalösungen zu entwickeln und die Transformation zu einer nachhaltigeren Gesellschaft voranzubringen. Auch könne der Bevölkerungswachstum durch ein erhöhtes Bildungsniveau, insbesondere von Mädchen, durch erhöhte Autonomie bei Entscheidungen zur Familienplanung, stabilisiert werden – was wiederum zur Eindämmung des Klimawandels beiträgt.
Zudem empowert Bildung junge Menschen als „Akteure des Wandels”: Sie werden befähigt und motiviert ihre Gemeinschaften zu mobilisieren und gesellschaftliche Normen zu hinterfragen. Dadurch werden laut UNESCO Themen der Klimagerechtigkeit, wie Rassismus, Geschlechtergleichstellung und die Rechte indigener Völker, Gehör verschafft. Insbesondere Indigenes Wissen spielt in der Klimabildung eine große Rolle, da viele indigene Praktiken schon seit Jahrtausenden nachhaltig und ressourcenschonend umgesetzt werden.
Gleichzeitig lässt sich ein Widerspruch erkennen: obwohl Fortschritte im Bildungsniveau das Potential haben den Klimawandel einzudämmen, treiben sie gleichzeitig auch den Klimawandel voran. Die UNESCO betont, dass Länder mit höherem Bildungsniveau auch tendenziell ein höheres Einkommens- und Konsumniveau aufweisen und damit einhergehend steigende Treibhausgasemissionen pro-Kopf verzeichnen. Daher ist es unabdingbar individualistische und kapitalistische Ansätze auch in Bildungssystemen zu hinterfragen und neu zu denken.
Bildungsarbeit der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima
Da Bildung auch zu den zentralen Handlungsfeldern der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima zählt, stellt sie vielfältige Lernangebote für unterschiedliche Zielgruppen zur Verfügung.
Zum einen veröffentlicht die Stiftung regelmäßig Informationsmaterialien von Grundlagenwissen über Praxistipps, wie z. B. Infosheets, Leitfäden, Handreichungen und Studien. In dem Video-Format Weltretterwissen werden Fachbegriffe kurz und verständlich erklärt. Außerdem bietet der Klimaschutz-Navigator die Möglichkeit, Antworten auf spezifische Fragen im Bereich Klimaschutz zu finden.
Zu konkreten Themen und Fragestellungen bietet die Stiftung Webinare und andere Events an. Die Themen reichen von transparenter Klimakommunikation über Zertifizierungsstandards und den freiwilligen Kohlenstoffmarkt. Zum Beispiel findet am 10.09.26 ein Online-Seminar zu Klimaschutzprojekten im Sustainable Impact Pool statt. Als Unterstützer:in der Allianz können Sie kostenlos an allen Webinaren teilnehmen.
Praxisnah, wissenschaftlich fundiert und zugeschnitten auf den Unternehmensalltag richtet sich das Angebot der stiftungseigenen Academy an Unternehmen und Organisationen, die nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz in ihre Strategien integrieren oder bestehende Maßnahmen reflektieren und weiterentwickeln möchten. In den maßgeschneiderten Schulungen wird praxisorientiertes Wissen vermittelt und über die neuesten Maßnahmen und Trends informiert. Schließlich lernen Sie, wie theoretisches Wissen erfolgreich in die Unternehmenspraxis integriert werden kann.
Ein besonderes Bildungsangebot der Stiftung stellt die Comicreihe „Meine Entwicklung – unser Klima!“ dar. Die Geschichten, die sich an Kinder ab sechs Jahren richten, wurden im Rahmen des Bildungsangebots der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima vom renommierten Kinderbuchautor Martin Baltscheit geschrieben und von sechs unterschiedlichen Illustrator:innen gezeichnet.
In einem anschließenden Sachbuchteil jedes Comics wird beschrieben, wie die Lebensrealität vor Ort jeweils aussieht und wie Lösungsansätze schon heute funktionieren können.
Fazit
Bildung ist global ungleich zugänglich – unterschiedliche Faktoren, z. B. Herkunft, Einkommen, Geschlecht, Ethnie und Umfeld, bedingen Benachteiligung. Diese Faktoren müssen auch intersektional gedacht werden und bei der Weiterentwicklung von Bildungsangeboten bedacht werden. Ein höheres Bildungsniveau verbessert oft nicht nur die Lebensqualität und Selbstermächtigung der Menschen, sondern trägt auch maßgeblich zur Erreichung aller Nachhaltigkeitsziele und der Eindämmung des Klimawandels bei. Bildung ist für alle Menschen wichtig, aber besonders eine fundierte schulische Bildung im Jugendalter setzt meiner Meinung nach die Basis für spätere berufliche Möglichkeiten und den Ausgleich von sozialen Ungleichheiten.
Als eine Organisation, die sich der nachhaltigen Entwicklung und dem Klima widmet, misst die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima der Klimabildung eine zentrale Bedeutung bei. Für weitere Informationen zu unserem Ansatz und unseren Bildungsangeboten besuchen Sie unsere Website.


