Was bedeutet Sicherheit im Angesicht der Klimakrise?

Frieden, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit aus einer klimapolitischen Perspektive

Sicherheit ist für mich ein zentrales Thema unserer Zeit. Frieden und der Wunsch nach Sicherheit haben Gesellschaften historisch geprägt und sind auch heute in vielen Debatten präsent – von internationaler Politik bis hin zu individuellen Lebensrealitäten. Dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Teil des neu geschaffenen Nationalen Sicherheitsrats ist, zeigt für mich, wie eng verflochten nachhaltige Entwicklung und Sicherheit sind, weil dort nicht nur militärische, sondern ressortübergreifend die wesentlichen Fragen einer integrierten Sicherheitspolitik betrachtet werden – darunter auch entwicklungspolitische Fragen und Fragen der Krisenprävention. Dies ist nicht zuletzt auch aus einer klimapolitischen Perspektive relevant, da Klimarisiken immer stärker als sicherheitspolitische Herausforderung verstanden werden.

Das nachhaltige Entwicklungsziel 16 1 (engl.: Sustainable Development Goal, kurz SDG, 16) definiert das Ziel, „friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung [zu] fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz [zu] ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen [aufzubauen]“.

In der Umsetzung bedeutet dies, Frieden und Rechtsstaatlichkeit zu fördern und alle Formen von Gewalt zu verringern. Das schließt die Bekämpfung von Missbrauch gegen Kinder, von Korruption und von organisierter Kriminalität und die Förderung des öffentlichen Zugangs zu Informationen ein und bietet somit ein umfassendes Verständnis von Frieden, Gerechtigkeit und starken Institutionen, das über militärische Sicherheit hinausgeht.

Da ich mich in meinem Politikwissenschafts‑Master vor allem mit Konflikt‑ und Geschlechterforschung beschäftigte und zugleich mein Wissen zu Nachhaltigkeit und zur Klimakrise vertiefte, finde ich es besonders spannend, mich in diesem Blog-Beitrag intensiver mit der Verbindung zwischen Klima und dem SDG 16 zu beschäftigen.

Sicherheit in der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik

Frieden und Sicherheit sind in das Zentrum der gesellschaftlichen und politischen Diskussion in Deutschland gerückt. Dies spiegelt sich auch wider in der Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrats 2, der das Ziel verfolgt, Informationen und Wissen zu bündeln, Bedrohungslagen frühzeitig zu erkennen und Vorbereitungen zu treffen sowie die Resilienz Deutschlands zu stärken.

Auch der Reformplan des BMZ 3 definiert als eines der vier Ziele explizit „Frieden und Stabilität – nachhaltig Sicherheit fördern“. Die deutsche Entwicklungspolitik soll demnach „mit Krisenprävention und Konfliktbearbeitung strukturelle Ursachen von Fragilität [adressieren], um neue Krisen zu verhindern und bestehende zu entschärfen“. Dabei konzentriert sie sich insbesondere auch auf den Wiederaufbau in Syrien, der Ukraine und in Gaza. Die enge Verknüpfung von Sicherheit mit Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland zeigt, dass das Thema wirklich viele Aspekte umfasst.

Die Vereinten Nationen verzeichnen für 2024 einen deutlichen Anstieg ziviler Opfer in Konflikten weltweit um 40% auf über 48.000 Todesopfer 4 – zwischen 2023 und 2024 waren 21.480 Todesopfer Frauen und 16.690 Kinder. Mich persönlich erschreckt diese Zahl sehr. Kriege wie in der Ukraine, im Iran oder im Sudan sowie die Forderungen an Europa und gerade auch Deutschland, mehr Verantwortung in dem Verteidigungsbündnis der NATO zu übernehmen, tragen außerdem zu einer stärkeren Präsenz des Themas bei. Die Mitgliedsstaaten der NATO 5 haben vereinbart, ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 auf 3,5% des Bruttoninlandsproduktes zu steigern. Anstrengungen, die Sicherheit, Frieden und Stabilität für alle Menschen schaffen sollen, können dabei auch als Beitrag zur Erreichung vom SDG 16 gesehen werden.

Was haben Frieden und Sicherheit mit Klima zu tun?

Frieden hat interessanterweise auch mit dem Klima zu tun: So hat die Initiative zur Treibhausgasbilanzierung von Kriegen (IGGAW) berechnet 6, dass in den ersten zwölf Monaten des Kriegs in der Ukraine ab Februar 2022 7 ca. 120 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen wurden – eine Menge, die etwa so groß ist wie die gesamten Treibhausgasemissionen, die in einem ähnlichen Zeitraum von einem Land wie Belgien verursacht werden. In diese Bilanz fließen nicht nur Treibstoffemissionen, sondern auch klimarelevante Umweltzerstörung, etwa Brände, zerstörte Infrastruktur, beschädigte Böden und Gewässer, ein.

Die Initiative hat dies anhand des ersten und des dritten Geltungsbereichs, der sogenannten „Scopes“, berechnet (mehr dazu siehe hier). Scope 1 umfasst dabei die Emissionen, die direkt ausgestoßen werden, wie zum Beispiel Treibstoff- und Munitionsverbrauch. Scope 3 beschreibt Emissionen, die indirekt aus den Aktivitäten entstehen, wie CO2, das durch die Herstellung von militärischer Ausrüstung ausgestoßen werden. Scope-2-Emissionen aus der genutzten Energie wurden in der Analyse außen vorgelassen. Insgesamt fallen allein 21,9 Tonnen davon auf die Kriegshandlungen selbst, größtenteils aufgrund des Verbrauchs von Treibstoff. Medienberichten 8 zufolge fordert die Ukraine während der Weltklimakonferenz in Brasilien (COP30) basierend auf diesem Bericht Schadenersatz für verursachten Klima- und Umweltschäden.

Allerdings liegen insgesamt wenig Daten zu den Emissionen von Militärs vor und auch das Klimaabkommen von Paris sieht nur ein freiwilliges Berichten vor, sodass sie meist nicht in Berechnungen zum CO2-Austoß einfließen. Eine Studie von den Scientists for Global Responsability (SGR) 9 aus dem Jahr 2022 schätzt Treibhausgasemissionen von Militärs weltweit auf etwa 2.750 Millionen Tonnen CO2e, was ca. 5,5% aller Emissionen weltweit ausmacht – mehr, als ich erwartet hätte.

Interessanterweise gibt es Ansätze, Emissionen in Militärs einzusparen. Die australische Armee hat beispielsweise begonnen, auf elektrische Fahrzeuge umzustellen 10, um ihren Treibstoffverbrauch zu dekarbonisieren. Auch im deutschsprachigen Raum ist diese sogenannte Green-Army-Debatte 11 angekommen und macht deutlich, dass Sicherheitssektor und Klima zunehmend zusammen gedacht werden. Gleichzeitig wird aber betont, dass der Schutz der Bevölkerung und die Erfüllung sicherheitspolitischer Aufträge an erster Stelle stehen. Zugleich hat sich die Bundeswehr verpflichtet, an den Klimaschutz‑Anstrengungen der Bundesregierung teilzunehmen und hat bereits erste Maßnahmen umgesetzt, etwa durch Fotovoltaikanlagen auf Gebäudedächern oder die Umstellung auf synthetische Kraftstoffe.

Was steckt hinter Environmental Peacebuilding?

Die Auswirkungen des Klimawandels stehen dabei in Wechselwirkung mit bereits bestehenden Konflikten. Beispielsweise können Naturkatastrophen, Starkwetterereignisse oder auch reduzierte Ernteerträge und Wasserknappheit durch Klimawandelfolgen zu weniger verfügbaren Ressourcen führen. Das kann neue Konflikte auslösen, bestehende beeinflussen oder humanitäre Notlagen verschärfen. Millionen von Menschen drohen, durch die Folgen des Klimawandels in Armut zu rutschen, was zusätzliche Unsicherheit und Instabilität schaffen kann in oft ohnehin schon fragilen Kontexten 12.

Environmental Peacebuilding (deutsch: umweltbezogene Friedensförderung) setzt da an, indem durch die Lösung von Umweltproblemen Stabilität und Zugang zu Lebensgrundlagen geschaffen und Konflikte vermieden werden sollen 13. Durch eine gemeinsame Verwaltung von Ressourcen soll dabei sozialer Zusammenhalt geschaffen und Kommunikation und Verständnis gefördert werden.
Beispielsweise tragen im Niger veränderte Regenzeiten und versiegende Wasserquellen zu mehr Konkurrenz um nutzbaren Boden und weniger Ressourcen bei, was die Existenzgrundlage von Landwirt:innen gefährdet und Spannungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen verschärft. Der Zivile Friedensdienst arbeitet dort dafür 14, den Dialog zu fördern und kooperative Lösungen zu finden, wie den Bau eines allgemein zugänglichen Brunnens. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP führt im Sudan und in Nepal Projekte durch 15, 5bei denen Ansätze zur Anpassung an den Klimaschutz und zur Friedenssicherung kombiniert werden, also zum Beispiel Technologien im Bereich Landwirtschaft und nachhaltiger Wasserinfrastruktur (vgl. Beitrag zum SDG 6) mit Dialog- und Governance-Ansätzen. Das macht für mich deutlich, wie eng die SDGs miteinander verbunden sind und wie wichtig es ist, Klimaschutz mit Themen wie Friedensförderung zusammenzudenken und über die Zusammenhänge, etwa in Bildungsprojekten, aufzuklären. Bildungsangebote können hier beispielsweise einen Beitrag leisten, indem sie Zusammenhänge verständlich machen und Menschen befähigen, sich aktiv für nachhaltige Entwicklung einzusetzen.

In der Entwicklungszusammenarbeit wird in diesem Zusammenhang häufig vom sogenannten Triple Nexus gesprochen – also dem Ansatz, humanitäre Hilfe, langfristige Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung stärker miteinander zu verknüpfen. Für mich zeigt sich darin, wie eng Klima, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung zusammenhängen: Projekte, die Emissionen reduzieren, können gleichzeitig dazu beitragen, Lebensgrundlagen zu sichern, soziale Stabilität zu stärken und letztendlich Konfliktrisiken zu verringern.

Die Stiftung empfiehlt übrigens qualitativ hochwertige Klimaschutzprojekte, die neben dem Beitrag zu SDG 13 auch positive Wirkungen im Sinne der Agenda 2030 entfalten – zum Beispiel für Gesundheit, Bildung, Geschlechtergerechtigkeit oder menschenwürdige Arbeit. Ein gutes Beispiel dafür sind effiziente Kochöfen: Sie reduzieren den Holzverbrauch und damit die Abholzung von Wäldern, verringern Rauchbelastung in Innenräumen und verbessern so die Gesundheit. Gleichzeitig müssen Frauen, die oft traditionell für das Sammeln von Feuerholz verantwortlich sind, weniger Zeit dafür aufwenden und können diese Zeit etwa für Arbeit oder die Unterstützung von Kindern beim Lernen nutzen; zudem entstehen neue Einkommensmöglichkeiten durch den Bau, Vertrieb oder die Reparatur der Öfen. So werden Menschen im Projektgebiet gestärkt, Ressourcen geschont und Emissionen vermieden – und langfristig auch Resilienz und Stabilität gefördert.

Was bedeutet jetzt eigentlich Sicherheit?

Was sich mir bei der Auseinandersetzung mit Environmental Peacebuilding zeigt, ist, dass es verschiedene Verständnisse von Sicherheit gibt, die weit über militärische Sicherheit und Frieden als bloße Abwesenheit von Gewalt hinausgehen. Sicherheit bedeutet für viele Menschen auch, eine stabile Lebensgrundlage zu haben, vor Naturkatastrophen geschützt zu sein und wirtschaftliche Risiken besser abfedern zu können. Die Folgen der Klimakrise – etwa Starkwetterereignisse, Überschwemmungen oder Dürren – bedrohen genau diese Formen von Sicherheit und können Existenzen zerstören.

Eine Form, um auf durch den Klimawandel verursachte Unsicherheit zu reagieren, ist der Fund for responding to Loss and Damage 16 (FRLD, deutsch: Fonds zum Umgang mit Verlust und Schäden), der nach einem Abkommen auf der Weltklimakonferenz 2022 und einer Entscheidung auf der Weltklimakonferenz im darauffolgenden Jahr entstanden ist. Dieser soll vor allem finanzielle Ressourcen mobilisieren, sowohl durch staatliches, aber auch durch privatwirtschaftliches Engagement, um mit auf die jeweiligen Kontexte zugeschnittenen Initiativen vulnerable Gemeinschaften dabei zu unterstützen, sich von durch den Klimawandel erfahrenen Verlusten und Schäden zu erholen.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Sicherheit auch den Schutz vor unterschiedlichen Formen von Gewalt umfasst. Insbesondere marginalisierte Personen erfahren beispielsweise auch außerhalb von Kriegen Gewalt, wie die Indikatoren fürs SDG 16 zeigen. Dazu zählen physische, psychische und sexualisierte Gewalt, aber auch Kindesmissbrauch oder Menschenhandel. Die Zahl der von Menschenhandel Betroffenen ist zum Beispiel 2022 um 25% im Vergleich zu vor der Pandemie gestiegen 17, davon sind 38% Kinder.

Auch diese Formen von Gewalt können in Wechselwirkung mit Klimawandelfolgen und Umweltveränderungen stehen. Ein Report der Weltnaturschutzunion IUCN 18 (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) beschreibt die Auswirkungen von Klimawandel und Umweltzerstörung auf geschlechtsspezifische Gewalt. Beispielsweise müssen Frauen, deren Aufgabe es traditionell ist, Wasser zu holen, durch einen Rückgang von Wasserressourcen weitere Strecken laufen und sind einem höheren Risiko für sexualisierte Gewalt ausgesetzt (vgl. unseren Blogbeitrag zu SDG 5).

Recht auf Klimaschutz und globale Institutionen

Im Juli 2025 hat der Internationale Gerichtshof (IGH) entschieden 19, dass saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt ein Menschenrecht ist und sich somit aus dem Völkerrecht für alle Staaten eine Verpflichtung zu Klimaschutz ableitet. Die Initiative kam ursprünglich durch den Inselstaat Vanuatu. Ähnlich hat auch der Internationale Seegerichtshof im Mai 2024 nach einer Aufforderung von einer Gruppe von Inselstaaten entschieden 20, dass die Vertragsstaaten des UN-Seerechtsübereinkommens (UNCLOS) zum Schutz der Meere ihre Treibhausgasemissionen reduzieren müssen. Inselstaaten sind besonders vulnerabel für die Folgen des Klimawandels, tragen aber gleichzeitig kaum zu der Entstehung von diesem bei. Viele von ihnen drohen, durch den vom Klimawandel verursachten Anstieg des Meeresspiegels buchstäblich unterzugehen, was nicht nur zu dem Verlust ganzer Staaten, Ökosysteme und kultureller Orte, sondern auch zu großflächiger Vertreibung führen wird.

Eines der Unterziele des SDG 16 ist die Stärkung der Teilhabe von ärmeren Ländern an globalen Institutionen. Die beiden Entscheidungen zeigen, warum das gerade im Kontext des Klimawandels relevant ist. Auch während der Weltklimakonferenz 2025 21, der COP30, forderten ärmere Länder mehr internationale Unterstützung. Diese soll nun bis 2035 verdreifacht werden (siehe hierzu der Beitrag „COP30 aus der Perspektive der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima“).

Doch das SDG 16 sieht auf allen Ebenen vor, dass Entscheidungsfindung bedarfsorientiert, inklusiv, partizipatorisch und repräsentativ sein soll. Auf nationaler Ebene bedeutet das in Deutschland laut Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)22 auch, dass Bürger:innen ein Recht auf den Zugang zu Informationen und Mitsprache beim Umweltschutz haben sollen. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, Aufklärung und Bildung zu Klimaschutz zu stärken und Informationen zugänglich zu machen. Die Stiftung trägt dazu durch die Bereitstellung verschiedener Materialien bei.

Auch Partizipation spielt eine Rolle: Im Oktober 2025 entschieden die Hamburger:innen bei einem Volksentscheid 23, dass die Stadt statt erst 2045 schon im Jahr 2040 klimaneutral werden soll. Und Klimaaktivismus hat mit den FridaysForFuture-Demonstrationen ein neues Gesicht gewonnen.

Zwischen Klimaaktivismus und organisierter Kriminalität

Förderung von Rechtsstaatlichkeit und starken Institutionen ist ebenfalls Teil von SDG 16. Dazu gehört auch, dass Protestrechte gewahrt und gleichzeitig klare rechtliche Rahmenbedingungen eingehalten werden. Immer wieder werden Klimaaktivist:innen vor Gericht angeklagt und insbesondere vor dem Hintergrund der Aktivitäten der Gruppe Letzte Generation wurde dies gesamtgesellschaftlich weit diskutiert. Amnesty International hat beispielsweise die Verurteilung von Mitgliedern der Letzten Generation nach § 129 Strafgesetzbuch (StGB)24 als Kriminalisierung von Klimaprotesten kritisiert und sieht darin eine missbräuchliche Nutzung eines Paragrafen, der sich auf die Bekämpfung organisierter Kriminalität bezieht. Unabhängig von der Bewertung einzelner Fälle macht diese Debatte für mich deutlich, wie eng Fragen von Rechtsstaatlichkeit, Versammlungsfreiheit und Klimaschutz miteinander verknüpft sind.

Auch möchte ich an dieser Stelle auf den Bereich der Umweltkriminalität eingehen, das zu einer der profitabelsten Formen des organisierten Verbrechens zählt und meiner Einschätzung nach direkt mit dem Bereich von SDG 16 zu tun hat. Doch was verbirgt sich dahinter? Laut EU umfasst Umweltkriminalität etwa die nicht ordnungsgemäße Sammlung, Beförderung, Verwertung oder Beseitigung von Abfällen, die illegale Freisetzung von Schadstoffen in Luft, Wasser oder Boden, die Tötung oder den Besitz geschützter Tier- und Pflanzenarten beziehungsweise den Handel mit ihnen sowie den illegalen Handel mit Stoffen, die zum Abbau der Ozonschicht beitragen. Die EU wertet Umweltkriminalität als drittgrößte Kriminalität weltweit 25, die jährlich Verluste im Wert von 110-281 Milliarden US-Dollar verursacht (Stand 2023) – ein Ausmaß, das auch mich überrascht hat. Interpol beschreibt 26, dass Umweltkriminalität oft verschränkt ist mit anderen Formen von Kriminalität, indem zum Beispiel der Schmuggel von Wildtieren über ähnliche Routen verläuft wie der Schmuggel von Waffen, Drogen oder Menschen. Verbrechen wie die illegale Abholzung bedrohen nicht nur Biodiversität und den Lebensunterhalt von Menschen 27, die auf die Ressourcen der Wälder angewiesen sind, sondern auch Fortschritte, die durch Initiativen und Projekte zur Aufforstung und zum Erhalt von Wäldern und damit zum Klimaschutz erzielt wurden. Zudem zeigt sich auch hier die Auswirkungen auf die Sicherung des Lebensunterhalts, außerdem können die Gewinne weitere Konflikte finanzieren.

Umweltkriminalität wird oft vertuscht durch Korruption, ein weiteres Problem, das nach dem SDG 16 bekämpft werden soll, auch indem Institutionen gestärkt werden sollen. Laut Transparency International 28 ist Korruption eins der größten Hindernisse für die Erzielung von Wirksamkeit von Klimaanpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen. Umso wichtiger sind Transparenz und Qualitätssicherung im Bereich der Klimafinanzierung und bei der Umsetzung von Klimaschutzprojekten (vgl. das Positionspapier der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima zu hochwertigen Klimaschutzprojekten im Globalen Süden).

Klimagerechtigkeit schaffen und damit Sicherheit für alle

Klimagerechtigkeit beschreibt laut Definition des BMZ 29, die „Lasten und Chancen des Klimawandels sowohl weltweit (räumliche Dimension) als auch zwischen den Generationen (zeitliche Dimension) gerecht zu verteilen“. Das bedeutet für reiche Länder, die den Großteil der Emissionen zu verantworten haben, nicht nur, ihre eigene Treibhausgasemissionen zu reduzieren, sondern auch, vulnerable Bevölkerungsgruppen in der Anpassung und dem Umgang mit den Klimawandelfolgen zu unterstütze. Nur so können langfristig Frieden und Sicherheit gewährleistet werden, indem nicht nur körperliche Unversehrtheit und Schutz vor Gewalt jeglicher Art, sondern auch Rechtssicherheit und die Sicherung des Lebensunterhalts gewährleistet werden – und damit die Ziele des SDG 16 erfüllt werden.

1 https://sdg-indikatoren.de/16/

2 https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kabinett-sicherheitsrat-2381492

3 https://www.bmz.de/resource/blob/282486/reformplan-zukunft-zusammen-global-gestalten.pdf

4 https://storymaps.arcgis.com/stories/b12adf1ee3a840b7a23d089050c3bd80

5 https://www.bmvg.de/de/aktuelles/nato-gipfel-2025-historischer-beschluss-verteidigungsausgaben-5952094

6 https://climatefocus.com/wp-content/uploads/2022/11/clim-damage-by-russia-war-12months.pdf

7 Der Beginn des offenen Angriffskriegs durch Russland in der Ukraine am 24.02.2022 wird oft als Beginn des Krieges gewertet. Allerdings kann man den Beginn des Konflikts durchaus auch bei der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim im Jahr 2014 sehen.

8 https://www.zeit.de/news/2025-11/18/ukraine-will-43-milliarden-von-russland-fuer-klimaschaeden

9 https://www.sgr.org.uk/sites/default/files/2022-11/SGR%2BCEOBS-Estimating_Global_MIlitary_GHG_Emissions_Nov22_rev.pdf

10 https://www.drive.com.au/news/australian-defence-force-eyes-all-electric-vehicle-fleet/

11 https://www.bundeswehr.de/de/selbstverstaendnis/nachhaltigkeit

12 https://climatepromise.undp.org/news-and-stories/what-climate-security-and-why-it-important

13 Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Definition von Environmental Peacebuilding. Zu einer detaillierten Übersicht zur Entstehung und Entwicklung des Begriffs sowie zu unterschiedlichen Verständnissen und zur Umsetzung siehe die Publikation „Zivile Krisenprävention durch Environmental Peacebuilding“ des Beirats der Bundesregierung Zivile Krisenprävention und Friedensförderung.

14 https://www.giz.de/de/downloads/giz2024-de-epb-factsheet.pdf

15 https://www.unep.org/topics/disasters-and-conflicts/environment-security/climate-change-and-security-risks

16 https://www.frld.org/

17 https://unstats.un.org/sdgs/report/2025/The-Sustainable-Development-Goals-Report-2025.pdf

18 https://portals.iucn.org/library/sites/library/files/documents/2020-002-En.pdf

19 https://www.bundestag.de/resource/blob/1105212/klimaschutz-vor-igh.pdf

20 https://nachhaltig-entwickeln.dgvn.de/meldung/un-seegerichtshof-inselstaaten-erringen-erfolg-zur-bekaempfung-des-klimawandels

21 https://www.bmz.de/de/aktuelles/aktuelle-meldungen/cop30-280784

22 https://www.bundesumweltministerium.de/themen/nachhaltigkeit/nachhaltigkeitsziele-sdgs/sdg-16-frieden-gerechtigkeit-und-starke-institutionen

23 https://www.deutschlandfunk.de/klimaneutralitaet-bis-2040-was-sich-in-hamburg-jetzt-aendert-100.html

24 https://www.amnesty.de/pressemitteilung/deutschland-paragraf-129-anklage-gegen-letzte-generation-kriminalisierung-protest

25 https://www.consilium.europa.eu/de/infographics/eu-fight-environmental-crime-2022/

26 https://www.interpol.int/Crimes/Environmental-crime

27 https://www.interpol.int/Crimes/Environmental-crime/Forestry-crime

28 https://www.transparency.de/themen/klima-umwelt

29 https://www.bmz.de/de/service/lexikon/klimagerechtigkeit-125076

 

Foto von Marlis Trio/Unsplash

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