Das Projekt Ana Primavesi

Förderung von Agroforstwirtschaft-Praktiken und Wiederaufforstung in Brasilien

Die Reise nach Brasilien anlässlich der COP30 in Belém bot mir die Möglichkeit, ein Klimaschutzprojekt und die Arbeit des Ubá Sustainability Institutes kennenzulernen.
Das Ubá Institute mit Sitz in Ribeirão Preto im Bundesstaat São Paulo wurde von Marina Gavaldao gegründet, die auch die Geschäftsführerin ist. Aufbauend auf ihrem fundierten Wissen über die Kohlenstoffmärkte hat sie das Institut gegründet und u.a. das „Sustainable Agriculture and Restoration Ana Primavesi Program“ als zertifiziertes Klimaschutzprojekt entwickelt. Weitere Projekte hat das Institut u.a. in Frankreich im Portfolio. Das Projekt befindet sich noch im Aufbau, hat aber das Potenzial, über die gesamte Fläche 844 Farmer:innen zu erreichen. Alle Landwirt:innen werden individuell ausgewählt und unterlaufen einem Screeningprozess, u.a. bezüglich der Besitzverhältnisse, bevor sie in das Projekt aufgenommen werden.

Das Programm selbst teilt sich in zwei Komponenten auf: Aufforstung und Agroforst – je nach Ausrichtung der jeweiligen landwirtschaftlichen Betriebe. Die Landwirt:innen werden individuell zu Saatgut, Setzlingen und im Pflanzprozess beraten und aktiv unterstützt.

Momentan sind 54% der am Projekt beteiligten Personen Frauen, die das Land besitzen. Das Ubá Institute wählt Ländereien aus, die in Frauenbesitz sind. Außerdem arbeiten sie mit Landwirt:innen aller Einkommensgruppen sowie auch mit landwirtschaftlichen Kooperativen zusammen, hier sind 58% Frauen.

Vorbereitung der Flächen vor der  Pflanzung.

Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, reichhaltige rote Erde prägt die Flächen. Vermehrt werden hier Zuckerrohr und Kaffee angebaut. Bei der Fahrt durch das Projektgebiet fallen riesige Plantagen, v.a. mit Zuckerrohr, auf, die sich bis zum Horizont erstrecken. Eine der Herausforderungen für Marina und ihr Team ist es, dass diese Flächen oft verpachtet werden und die Besitzer sie gar nicht selbst bestellen, sondern an große Unternehmen abgeben, die für das Projekt nicht erreichbar sind. 

So ist es eine handverlesene Detailarbeit, die Bauern und Bäuerinnen zu gewinnen und für das Projekt zu begeistern.

Zu Beginn identifizierte Marina daher die ersten Gebiete in ihrer Heimatregion über Freunde und Verwandte und baute den Radius von dort aus. Sie hatte zuvor viele Jahre von Europa aus Klimaschutzprojekte für verschiedene Unternehmen entwickelt und sich 2020 mit dem Ubá Institute selbständig gemacht.

Eine artenreiche Mischung sorgt für Biodiversität und bringt die natürliche Vielfalt zurück.

Marina ist Forst-Ingenieurin und hat auch ihr Team aus diesem Fachgebiet zusammengestellt. Ihre Vision war es, die Landwirt:innen im Bereich Biodiversität zu trainieren, um die reichhaltige Natur Brasiliens zu fördern und den Anbau von Monokulturen zu durchbrechen. Außerdem liegt der gelernten Forst-Ingenieuren am Herzen, einheimische Samen zu sammeln und daraus Saatgutbanken zu erstellen, um die heimische Vielfalt zu bewahren und zu fördern. 

Nach dem erfolgreichen Start des Projekts geht sie davon aus, dass die die verbliebenen Wälder und die neu gepflanzten Bäume in zwei Jahren so weit sind, um ausreichend Samen für diese Banken zu generieren.

Zudem ist es Marina ein großes Anliegen, Frauen zu unterstützen. Deswegen bietet sie den Farmerinnen auch Beratung in Rechtsfragen an, die in Ergänzung zum Due Diligence Prozess stattfindet.

Während meiner Reise hatte ich die Möglichkeit, drei Projektstandorte zu besichtigen:

Farm Santa Terra – Patrocínio Paulista, SP

Auf der Farm treffen wir die Besitzer Angelica und Anderson, die ein Agroforstsystem auf Basis ökologischen Anbaus aufgebaut haben. Es handelt sich um ein System mit verschiedenen Höhenstufen, das z.B. mit Schattenpflanzen arbeitet, aber auch mit Pflanzen, die Wasser im Boden halten. Sie bauen Obst (Bananen, Zitrusfrüchte) und Kaffee an.

Angelina und Anderson leiten die Farm Santa Terra und wirtschaften agro-forstwirtschaftlich.

Beeindruckt hat mich hier besonders, dass Angelica und Anderson ursprünglich in ganz anderen Arbeitsfeldern tätig waren. Sie war Journalistin, er Chemiker. Vor 12 Jahren wechselten sie ihr Metier, seit acht Jahren sind sie auf Santa Terra. Ihre Vision war es, selbst etwas mit den Händen zu schaffen, eine Veränderung zu bewirken und dies durch Bildung zu verbreiten. Deswegen haben die beiden auf ihrer Farm auch die Escola Viva, die Lebensschule, aufgebaut. Hier können Erwachsene und Kinder etwas über nachhaltigen Anbau lernen. 

Auch die lokale Gemeinschaft möchten sie einbeziehen. Langfristig planen sie den Aufbau eines Instituts, das den Anbau von gesundem Essen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen befördert.

In den landwirtschaftlichen Siedlungen in Brasilien gibt es zwar Zuweisung von Landrechten, jedoch keine Bildung für nachhaltigen Anbau. Dies wollen sie ändern. Und auch wenn das Projekt klein ist, sehen sie darin großes Potenzial für eine Transformation. Ihre erste Versammlungsstätte haben sie gerade gebaut. Diese wollen sie weiter ausbauen und zusätzlich eine Küche einrichten, die als Treffpunkt und als Bildungsort dienen soll.

Die Carbon Credits geben ihnen dabei eine finanzielle Grundfinanzierung, da es keinerlei Förderung oder finanzielle Hilfen für ihren Ansatz gab. Besonders eindrücklich führt mir die veränderte landwirtschaftliche Praxis vor Augen, dass der Nachbar von Santa Terra Kaffee in Monokultur anbaut und hier auch Pestizide eingesetzt werden. Während hier lange Reihen Kaffeesträucher das Areal durchziehen, dazwischen kein Pflänzchen, sieht man auf Santa Terra sehr anschaulich den natürlichen Reichtum der Pflanzenwelt, ökologisch angebautes Obst und Gemüse, geschützt von Schattenpflanzen und durchzogen von Baumsetzlingen – 73 Arten zählen sie hier auf dem Gebiet.

Ein Blick auf eine ökologisch bewirtschaftete Fläche mit neu gepflanzten Kulturen. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Pflanzenarten verbessert Bodengesundheit und langfristige Erträge.

Farm Bosque das Aroeiras – Claraval, SP

Aus den Pflanzungen es letzten Jahres kann Zélia neues Saatgut generieren.

Zélia de Freitas ist über 70, aber tatkräftig und aktiv. Sie hat das Land von ihrem Vater geerbt und möchte die ehemals abgeholzten Flächen aufforsten, um die Natur zurückzuholen. Das Biriba-Programm hilft bei der Finanzierung der Aufforstung und der ergebenen Regeneration. Hier treffen wir auch Ubá’s technischen Koordinator Gabriel Nascimento, er ist der Spezialist für Aufforstung und geographische Informationssysteme (GIS) und damit auch der Pflanzleiter für die Aufforstungsflächen im Projekt. 

Er schaut, welche Arten an diesem Standpunkt am besten geeignet sind, koordiniert die Pflanzungen und natürlich auch den Fortschritt und das Monitoring. Dazu nutzt er u.a. auch Drohnen, um einen genauen Überblick über das Gebiet zu bekommen. Die Flugbilder zeigen gestochen scharf den Zustand der Flächen.

Die Drohnen setzt das Ubá-Team zur Überwachung und Monitoring ein.

Farm Morro Azul – Jardinópolis, SP

Der dritte Besuch des Tages führt uns zu einer Farm, die Agro-Tourismus mit dem Anbau von Zuckerrohr verbindet. Auf der Farmfläche hat eine erste Aufforstung vor einem Jahr stattgefunden und wir überzeugen uns davon, wie sich die Fläche seitdem entwickelt hat. Der Fortschritt ist sehr gut und die Besitzerin, Veridiana Costacurta, überlegt daher auch, die Aufforstung auszubauen und weitere Flächen zu inkludieren.

Das Programm des Ubá Sustainibility Institutes von Marina und ihrem Team überzeugt mich durch seinen individuellen und an den Bedürfnissen der Beteiligten und der Natur orientierten Ansatz. Ich bewundere den Einsatz, mit dem alle aus dem Team für die Realisierung arbeiten. Trotz der kleinteiligen und harten Arbeit spüre ich ein großes Commitment für das Programm und die Veränderungen, die es bewirkt. Dies, kombiniert mit der den Brasilianer:innen eigenen Fröhlichkeit und Freundlichkeit, hat den Besuch des Biriba-Programms für mich zu einem beeindruckenden Erlebnis gemacht.

Die Pflanzungen des vergangenen Jahres haben sich sehr gut entwickelt.

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