Projektbesuch in Kenia

Wie lokal produzierte Kochherde Gesundheit und Ressourcen schützen

Ich habe  für die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima das Hifadhi II-Projekt im Osten Kenias besucht. Dabei konnte ich aus erster Hand erleben, wie der energieeffiziente Kochherd als ein simples und effektives Hilfsmittel das Leben zahlreicher Menschen positiv verändert.

Willkommen im Tharaka Nithi County

„Karibu“ bedeutet willkommen und ist eines der ersten Wörter, die ich in Kenia höre. Die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen begleiten mich auf der ganzen Reise. Von Nairobi aus führt unser Weg nach Nordosten, in das Tharaka Nithi County, einer trocken-heißen Region mit roter Erde, weit entfernt von den Teeplantagen, für die das höher gelegene, sich angrenzende Embu County bekannt ist. In Tharaka Nithi County wird das Hifadhi II-Projekt von unserem Partner für Entwicklung und Klima EcoAct, Teil von Schneider Electric, und seinem lokalen Partner ClimatePal umgesetzt. Das Projekt wurde unter Beteiligung des eigens aufgesetzten Livelihoods Funds vorfinanziert. Bis heute wurden im Projektgebiet rund 60.000 Kochherde verteilt. Die Region ist von Trockenheit geprägt, Bewässerungssysteme fehlen, Holz ist knapp – was den Nutzen der Herde umso deutlicher macht. Denn die neuen Herde verbrauchen deutlich weniger Brennholz als offene Feuerstellen. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Ressourcen.

Wie ein Kochherd entsteht – Handarbeit mit Wirkung

Unser erster Halt: eine kleine Produktionsstätte für die Kochherde nahe der Kleinstadt Chuka. Bruce, der Leiter, begrüßt uns stolz in der Werkstatt, die er in zweiter Generation führt. Hier entsteht das Herzstück des Projekts aus Ton, Metall und viel handwerklichem Geschick.

Zunächst wird aus lokalem Ton das Innere des Kochherds geformt. In Handarbeit entstehen in einem Stück die Topfhalterung oben und die Aschekammer unten. Anschließend wird Metallblech zugeschnitten, um die Tonstruktur zu ummanteln. Die Wände sind doppelwandig, bestehen aus Ton und Mörtel sowie dem Metallmantel. Sie sind so geformt, dass die Wärme optimal gehalten wird. Die Effizienz ist enorm und deutlich höher als bei offenen Feuerstellen. Danach wird die Nummer des Herds eingestanzt, um seine Ausgabe zu dokumentieren und Details über seine Nutzung oder Reparaturen im Monitoring festzuhalten. Zum Schluss wird der Kochherd in grün eingefärbt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Lenity, eine Metallarbeiterin, die ihre Ausbildung Ende der 1980er Jahre an einer polytechnischen Schule in der Kleinstadt Chuka absolviert hat. Mit Begeisterung zeigt sie mir, wie sie Blechteile verschweißt und mit Präzision zusammensetzt. „Am liebsten verbinde ich die Teile am Schluss – dann wird aus vielen Einzelstücken ein funktionierender Herd“, sagt sie mit einem Lächeln.

Picture 2

Mehr als nur Klimaschutz: Weniger Rauch, mehr Gesundheit

Auch die gesundheitlichen Vorteile sind spürbar. In vielen traditionellen Küchen steht der Rauch stundenlang in der Luft und stellt ein Gesundheitsrisiko dar, vor allem für Frauen und Kinder. Durch den effizienteren Abzug der Hifadhi-Herde sinkt die Rauchbelastung drastisch. Die am Projekt teilnehmenden Familien berichten von weniger Atemwegserkrankungen und deutlich geringeren Fällen von Verbrennungen.

Was mich sehr beeindruckt hat: Das Projekt trägt ganzheitlich zu mehreren Zielen nachhaltiger Entwicklung bei. Es fördert Geschlechtergerechtigkeit, Klimaschutz, Beschäftigung und das Leben an Land. Zusätzlich zu den Kochherden erhalten die am Projekt Teilnehmenden kostenfrei Baumsetzlinge. Diese werden in der Regel zur Regenzeit ausgegeben, beispielsweise Niem- oder Mangobäume, die für den Eigenbedarf genutzt oder durch ihren Verkauf eine zusätzliche Einnahmequelle bilden.

Mein Besuch in Kenia hat mir eindrucksvoll gezeigt, wie viel Wirkung in einem gut gemachten Klimaschutzprojekt steckt. Das bestätigte mir auch eine alte Dame, die ebenfalls einen Kochherd erhalten hat und täglich nutzt. Ich fragte sie, welchen Mehrwert ihr der Kochherd zu Hause gäbe.

„Ich wurde 1935 geboren und bin sehr alt, trotzdem koche ich jeden Tag, hauptsächlich Gemüse wie Augenbohnen oder grüne Bohnen und Süßkartoffeln. Normalerweise sammle ich Holz in der Nähe des Hauses zum Kochen, aber da ich schon sehr alt bin, kann ich nicht mehr weit gehen. Dank des neuen Ofens brauche ich nur noch wenig Brennholz zum Kochen und kann mich mehr ausruhen.​“ Mukwaruguru (Ofennutzerin)

Projekte wie dieses brauchen unsere Unterstützung – denn sie zeigen, wie einfach und konkret Entwicklung und Klimaschutz zusammen gedacht werden können.

Blog-Artikel teilen:

Helfen Ihnen unsere Informationen?

Auf unserer Webseite bieten wir Ihnen fundierte und sorgfältig geprüfte Inhalte für Ihre Nachhaltigkeitsstrategie kostenfrei an.

Möglich ist dies langfristig nur mit Ihrer Spende.