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Reisebericht Ruanda

Im Land der 1.000 Hügel – und der Energie-effizienten Öfen

Im Land der 1.000 Hügel – und der Energie-effizienten Öfen

Im März 2024 hatte ich die Gelegenheit, nach Ruanda zu reisen, um qualitativ hochwertige Klimaschutzprojekte zu besuchen. Mein Fokus lag dabei auf zwei verschiedenen Typen von Energie-effizienten Öfen, die jeweils die traditionellen offenen Drei-Steine-Feuerstellen ersetzen und somit vor Ort Kohlenstoff einsparen und zur Verbesserung der Lebensbedingungen beitragen. Diese effizienten Öfen leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) und zur Umsetzung der Agenda 2030, in dem sie u.a. Zeit und Ressourcen sparen und gesundheitliche Belastung verringern.

Meine Reise begann in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, wo mich Christine Muhongerwa, Geschäftsführerin der Nichtregierungsorganisation SaferRwanda und zugleich Partnerorganisation von atmosfair, herzlich empfing. Wir führten Gespräche über die Klimaschutzprojekte und wie sie dazu beitragen, die Umweltbelastung zu reduzieren. Anschließend machten wir uns auf den Weg zu den Produktionsstätten der effizienten Öfen, um einen Einblick in die Herstellung und die anschließende Distribution zu erhalten.

Anita biegt Material für den Safe80.

Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Arbeit und Engagement hinter jedem einzelnen effizienten Ofen steckt. Die lokalen Handwerker:innen arbeiten mit großer Sorgfalt und Präzision, um sicherzustellen, dass die Öfen effizient und umweltfreundlich sind. Zudem erklärten sie mir ausführlich, wie die effizienten Öfen funktionieren und wie sie dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Energie-effizienter Ofen Safe80

Die effizienten Öfen reduzieren den Holzverbrauch beim Kochen um bis zu 80 Prozent – daher der Name Safe80. Die Produktion dieser Edelstahl-Öfen läuft seit März 2022 in einer örtlichen Fabrik, wodurch Arbeitsplätze geschaffen werden, insbesondere für Frauen, die die Bauteile bearbeiten und die Öfen zusammenbauen.

Beitrag zu den SDGs

Während der Verteilung der effizienten Öfen in einem nahegelegenen Ort hatte ich Gelegenheit, mit den Nutzer:innen zu sprechen. „Als ich diesen Ofen sah, kaufte ich ihn für meine Mutter. Beim Kochen muss sie sich jetzt nicht mehr bücken“, erzählte mir Josiane, deren Mutter bisher an einer offenen Feuerstelle kochte. Die Nutzer:innen betonten auch, dass der effiziente Ofen weniger Feuerholz benötigt.

Dieser Ofen reduziert den Verbrauch von Feuerholz und kocht schnell. Es gibt keinen Qualm und es ist sehr sauber, wenn ich koche.

Odette Mukanasanga kocht auf Safe80, der wenig Feuerholz benötigt
Odette Mukanasanga kocht auf Safe80, der wenig Feuerholz benötigt.

Im Anschluss reiste ich weiter nach Muhanga, mit rund 85.000 Einwohner:innen die viert-größte Stadt in der südlichen Provinz Ruandas, ca. 45 km südwestlich von Kigali gelegen. Dort hatte ich Gelegenheit, die Kolleg:innen von The Rural Development Interdiocesan Service (RDIS), kennenzulernen und von den Fortschritten bei der Umsetzung ihres Kohlenstoffprojekts zu erfahren. Denn RDIS unterstützt die lokalen Gemeinden in der Förderung der nachhaltigen Entwicklung mit dem Bau von 6.420 effizienten Kochstellen und der Verteilung von rund 2.400 Wasserfiltern.

Öfen und Wasserfilter

Das Klimaschutzprojekt richtete sich vorrangig an die ärmsten Haushalte. Unter ihnen sind Frauen und Kinder, die bisher extrem unter der Luftverschmutzung durch die offenen Feuerstellen in Innenräumen leiden und viel Zeit und Arbeit aufwenden, um Feuerholz zu sammeln. Zusätzlich wurden Wasserfilter an die Familien ausgegeben. So wird im Rahmen des Projektes nicht nur CO2 reduziert, sondern auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser garantiert. Durch die Filter werden krankheitserregende Keime bekämpft und die Qualität des Wassers deutlich gesteigert. Da die Wasserfilter das Aufkochen des Wassers substituieren, können an dieser Stelle weitere Emissionen eingespart werden. Diese werden jedoch nicht bei den berechneten Emissionseinsparungen berücksichtigt, da sie schwer kalkulierbar sind. Zudem tragen auch die energieeffizienten Kochstellen zu einer besseren Gesundheit bei. Die Familien sind in den Innenräumen nun nicht mehr dem starken Rauch ausgesetzt und Atemwegserkrankungen treten seltener auf.

Spéciose Mutimukepe nutzt den Wasserfilter.
Spéciose Mutimukepe nutzt den Wasserfilter.

Spéciose Mutimukepe erzählte mir: „Sobald das Feuer entzündet ist, verursacht es weniger Rauch. Ich lege dann nur noch ein Stück Holz in den Ofen, bis das Essen fertig ist. Dank des Wasserfilters muss ich das Trinkwasser nicht mehr abkochen. Jetzt ist das Trinkwasser kalt und keimfrei – und wir sind weniger krank.“

Während meines Aufenthalts in Ruanda hatte ich die Möglichkeit, mit den Menschen vor Ort zu sprechen und ihre Geschichten zu hören. Viele berichteten davon, wie sich ihr Leben durch die Verwendung der energie-effizienten Öfen verbessert hat. Sie sparen nicht nur Geld für Brennstoffe, sondern empfinden es auch als aktiven Beitrag zu Klimaschutz und der Gleichstellung der Geschlechter.

So berichtete mir Joseph Usabyimana, der seine Frau nach der Feldarbeit mit einem Essen zu Hause empfing: „Man kann jetzt viel schneller das Essen zubereiten und das Kochen ist einfacher geworden. Nebenbei kann ich unsere Tiere versorgen“.

Man kann jetzt viel schneller das Essen zubereiten und das Kochen ist einfacher geworden. Nebenbei kann ich unsere Tiere versorgen.

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Joseph Usabyimana kocht die Mahlzeiten und versorgt dabei seine Tiere.

Spürbare Klimakrise

Jeanvier Umiduhaye erzählte mir: „Wir spüren der Klimawandel deutlich. Der Starkregen ruiniert unsere Ernte, sodass wir nicht genug Essen über das ganze Jahr haben“. Energie-effiziente Öfen tragen vor Ort dazu bei, Emissionen zu reduzieren.

Ganz bewusst wurde mir hier: Mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 hat sich die Welt das Ziel gesetzt, den Temperaturanstieg auf 1,5 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dies erfordert eine kollektive Kraftanstrengung, die nicht nur Staaten betrifft: Unternehmen, Organisationen, Städte und Regionen, die Wissenschaft und Privatpersonen müssen ihren Beitrag leisten, um die Erderwärmung aufzuhalten.

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Jeanvier Umiduhaye kocht Bohnen auf dem Energie-effizienten Herd.

Wir spüren der Klimawandel deutlich. Der Starkregen ruiniert unsere Ernte, so dass wir nicht genug Essen über das ganze Jahr haben.

Insgesamt war meine Reise nach Ruanda eine inspirierende Erfahrung. Ich konnte hautnah miterleben, wie Klimaschutzprojekte das Leben der Menschen positiv verändern können und wie wichtig es ist, gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft zu arbeiten. Das ist mir ein Ansporn für meine tägliche Arbeit in der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima – denn hier versammeln sich Akteur:innen, denen Entwicklung und Klima schon heute am Herzen liegen und die sich gemeinsam für Klimagerechtigkeit stark machen.

Copyright: Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

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