Von Kuala Lumpur nach Berlin

Entwicklung und Klima im Portrait

Im Rahmen meines fünfmonatigen Auslandssemesters in Kuala Lumpur im Herbst 2024 erlebte ich unregelmäßige Regenzeiten, einen überschwemmten Campus und tagelange Hitzewellen hautnah. Gleichzeitig wurde ich täglich mit globalen Herausforderungen wie massiver Plastikverschmutzung, einer stark fossilen, autozentrierten Verkehrsinfrastruktur und Gentrifizierung in großem Maßstab konfrontiert. Diese Erfahrungen haben mir eindrücklich vor Augen geführt, wie eng Anpassung an die Klimakrise und Entwicklungspolitik miteinander verknüpft sind und mir eine neue Perspektive auf globale Zusammenhänge eröffnet. Sie haben meine Sicht auf die Welt und meinen Platz darin wesentlich geprägt und mir schließlich den entscheidenden Impuls gegeben, mich bei der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima für ein siebenmonatiges Praktikum zu bewerben.

Denn als ich auf der Suche nach einer geeigneten Praktikumsstelle auf die Ausschreibung der Stiftung im Fachbereich Forschung & Beratung stieß, erinnerte ich mich daran, wie ich bereits in langen Nächten kurz vor der Deadline meiner Semesterarbeiten und während meiner Arbeit als Werkstudentin bei einem Partner der Stiftung häufig auf deren Inhalte zu Klimaschutzprojekten, internationaler Klimagovernance und dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt zurückgegriffen hatte. Dass diese Inhalte, anders als in diesem dynamischen Forschungs- und Politikfeld, in dem ständig neue Fachabkürzungen das Lesen oft zu einem Rätselraten machen, klar und verständlich dargestellt waren, empfand ich als große Erleichterung.
Als ich dann am Tag meines Heimflugs am Flughafen in Kuala Lumpur die Zusage für die Praktikumsstelle erhielt, war die Freude groß – verbunden mit einer Portion Aufregung und neugieriger Erwartung auf ein neues Arbeitsumfeld, welches interessante Projekte und neue Eindrücke versprach, eingebettet in „einen Sommer in Berlin“.

Um es gleich vorwegzunehmen: Enttäuscht wurde ich auf keinen Fall.

Nachhaltig prägend – mein Arbeitsalltag

Meine Hoffnung, während der sieben Monate nicht ausschließlich mit Rechercheaufgaben zu den Themen freiwilliger Kohlenstoffmarkt und Entwicklungszusammenarbeit betraut zu sein, erfüllte sich: Eine Vielzahl an Aufgaben, Herausforderungen und Möglichkeiten prägten meine Zeit bei der Stiftung. Da ich im Thema rund um Klimaschutzprojekte und internationaler Klimapolitik bereits vertraut war, verlief meine Einarbeitung schnell und ich konnte mich bald neuen Aufgaben widmen.

Eines meiner Hauptprojekte war definitiv die Unterstützung in der Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie der Stiftung für den Zeitraum 2025-2029. Aufbauend auf der Arbeit meiner Vorgänger:innen und ehemaligen Praktikant:innen im Bereich Forschung & Beratung, die sich bereits nachhaltigem Veranstaltungsmanagement oder der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitskodexes beschäftigt hatten, bestand meine Aufgabe darin, diese bisherigen Prozesse zu bündeln und daran mitzuwirken, eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie für die Stiftung zu entwickeln. Dabei befasste ich mich also mit allen Bereichen der Nachhaltigkeit und sah mir zunächst an, inwieweit die Stiftung in ihrem täglichen Handeln bereits umweltfreundlich und sozialverträglich agierte. Dies umfasst Themen von der einfachen Beschaffung über den Umgang mit den eigenen Emissionen bis hin zur Personalpolitik wie beispielsweise die Erzeugung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen oder die gezielte Förderung von Diversität. Unterstützt wurde ich dabei stets von den jeweiligen Arbeitskolleg:innen im Team, die mir mit ihrer Expertise und Auskunft tatkräftig zur Seite standen.

Es zeigte sich, dass die Stiftung im Status Quo bereits viele nachhaltige Prozesse etabliert hatte. Darauf aufbauend konnten sieben Ziele identifiziert werden, die in einem Strategiedokument festgehalten wurden und in den nächsten Jahren Stück für Stück umgesetzt werden. Meine Arbeit war damit jedoch noch nicht getan: Im Rahmen der Umsetzung der Strategie entwickelte ich Kriterien für nachhaltige Beschaffung und ein erstes Grundgerüst für das Diversitätsmanagement, das sowohl den Bewerbungsprozess als auch den Arbeitsalltag der Stiftung umfasst.

Diese Themenfelder waren für mich neu und ich konnte dabei vieles lernen – sowohl inhaltlich als auch strukturell – ebenso wie in meinen anderen Aufgaben. Neben den alltäglichen Recherchen zu neuen Politikbeschlüssen und internationalen, klimapolitischen Entwicklungen sowie der Erarbeitung von Präsentation konnte ich auch durch die Teilnahme an Webinaren und Workshops in neue Themenfelder einarbeiten. Die Bandbreite reichte von der klimatisch bedingten Migration über die neuesten Entwicklungen von EU-Direktiven im Nachhaltigkeitsbereich bis hin zu dem Umgang mit Klimaschutzprojekten, die als naturbasierte Lösungen bekannt sind. So vergingen die sieben Monate wie im Flug, geprägt durch einen vielseitigen und abwechslungsreichen Arbeitsalltag.

Judith auf dem Sustainable Development Future Forum 2025.

Einen glänzenden Abschluss meiner Zeit bei der Stiftung bildete die stiftungseigene Jahreskonferenz, die Anfang Oktober stattfand und das ganze Praktikum auf sehr passende Weise abrundete. Neben spannenden Inputs, interessanten Gesprächen und einer inspirierenden Atmosphäre, über die Sie mehr im dazugehörigen Blogbeitrag lesen können – stand hier für mich persönlich vor allem etwas im Vordergrund, das mich meine gesamte Praktikumszeit über täglich motivierte und die Arbeit oft gar nicht wie Arbeit erscheinen ließ: das Stiftungsteam.

Flache Hierarchien und ein kleines, vielseitiges, aber ausgesprochen dynamisches Team haben mir in den vergangenen Monaten eindrücklich gezeigt, wie bereichernd ein solches Arbeitsumfeld sein kann. Denn natürlich ist der Arbeitsalltag auch manchmal stressig, anstrengend und ermüdend – Kolleg:innen mit einem stets offenen Ohr und Witze, die über den Gang hallen, helfen aber darüber hinweg. Dass das gesamte Team dann zwei Tage lang mit vollem Einsatz die Konferenz gestaltet und ein so arbeitsintensives Format erfolgreich umsetzt, war für mich ein echtes Highlight.

Zwischen Abschied und Ausblick: Wie es nun weitergeht

Mein persönliches, abschließendes Highlight ergab sich jedoch eher beiläufig: Im Rahmen eines Vorlesungsmoduls an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde durfte ich zusammen mit meiner Kollegin und Leitung der Abteilung Forschung und Beratung, Sina Brod, einen Input zur Arbeit der Stiftung geben. Neben der Vorstellung meiner Tätigkeiten während des Praktikums, übernahm ich auch die Vorstellung der Stiftung. Dabei durfte ich feststellen, wie vertraut die Inhalte mir inzwischen geworden waren und dass nach Monaten der Mitarbeit eine gewisse Zugehörigkeit entstanden war. Ein schönes Gefühl, dass den Abschied zwar nicht leichter macht, aber das altbekannte Sprichwort „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“ nehme ich mir in dem Fall wohl zu Herzen.

Leichter fällt der Abschied jedoch, da durch meine Arbeit bei der Stiftung bereits klarer geworden ist, wie es für mich nun weitergeht: Zum Abschluss meines Studiums steht meine Bachelorarbeit an – dank meiner Recherchen und der Teilnahme an einem kürzlich stattgefundenen Fachworkshop konnte ich hierfür bereits ein Thema identifizieren und werde mich nun an meiner Heimuniversität mit dem Thema Biodiversitätsgutschriften befassen – ein spannendes, innovatives Thema, zu dem ich auch einen Blogbeitrag geschrieben habe, bei Interesse, lesen Sie doch einfach dort weiter!

Somit lässt sich abschließend von meiner Seite nur eines festhalten: Ein Praktikum bei der Stiftung kann ich jedem nur ans Herz legen – und einen Sommer in Berlin sowieso!

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