Veröffentlichung SBTi Corporate Net-Zero Standard 2.0

12.06.2026

Die Science Based Targets initiative (SBTi) hat die lang erwartete, aktualisierte Version 2.0 ihres Corporate Net-Zero Standard (CNZS) veröffentlicht. Die Neuerungen geben wichtige Impulse für die Ausgestaltung unternehmerischen Klimaschutzes und die Nutzung des freiwilligen Kohlenstoffmarktes.

Die relevantesten Aspekte der neuen Version sehen wie folgt aus:

  • Emissionsreduktionen bleiben der Kern: Auch in der aktualisierten Version liegt der Fokus auf umfassenden Reduktionen der unternehmerischen Treibhausgas-Emissionen über alle Bereiche und Prozesse hinweg. Besonders relevant bleibt dabei weiterhin die Einbeziehung von Scope 3-Emissionen, die u. a. durch Lieferanten oder die Nutzung der angebotenen und hergestellten Produkte und Dienstleistungen entstehen.
  • Ongoing Emissions Responsibility (OER): Mit diesem Konzept erkennt die SBTi ausdrücklich an, dass Unternehmen bereits während ihrer Dekarbonisierung einen zusätzlichen Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten. Dazu empfiehlt sie, finanzielle Ressourcen bereitzustellen für Maßnahmen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette. Diese Aktivitäten werden nicht auf die Erreichung der eigenen Klimaziele angerechnet, sollen jedoch dazu beitragen, weitere Mittel für die globale Transformation zu mobilisieren. Hierzu zählen auch Investitionen in Klimaschutzprojekte im Globalen Süden aus dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt. Das neue Rahmenwerk ermöglicht es Unternehmen, folgende öffentliche Auszeichnungen durch die SBTi zu erhalten und zu kommunizieren:
    • „Engaged“ (1% der gesamten laufenden Emissionen, auf Basis eines CO2-Äquivalent-Budgets – Empfehlung: 20 USD je Tonne CO2-Äquivalent),
    • „Advanced“ (100% der Scope 1- und 2-Emissionen, allerdings 10% der laufenden Emissionen),

    • „Leadership“ (100% der gesamten laufenden Emissionen, davon 40% in Projekte, die bereits Ergebnisse (VERs, Verified Emission Reductions) liefern und 80 USD je Tonne CO2-Äquivalent).

Bis 2035 gilt dies freiwillig, ab 2036 verpflichtend für Kategorie-A-Unternehmen, ab 2050 verpflichtend für alle.

  • Mehr Flexibilität: Version 2.0 des Standards verfolgt einen ausgewogenen Ansatz hinsichtlich der Nutzung von qualitativ hochwertigen Emissionszertifikaten durch private Klimafinanzierung, die als sinnvolle Ergänzung für die Reduktion der eigenen Emissionen fungieren sollen. Durch OER wird hierbei mehr Flexibilität angeboten: Unterstützte Lösungen können unter „Leadership” neben Projekten der Emissionsvermeidung und -reduktion bspw. auch Kapazitätsaufbau- oder Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel enthalten.
  • Carbon Dioxide Removals (CDR) gewinnen an Bedeutung: Unternehmen werden angehalten, sich frühzeitig mit Maßnahmen zur Speicherung von Treibhausgas-Emissionen in naturbasierten und technischen Klimasenken zu beschäftigen, mit denen nicht mehr vermeidbare Emissionen neutralisiert werden können und Netto-Null erreicht werden soll. Hochwertige Carbon Removals sollen dann zum Einsatz kommen, wenn alle Reduktionsmaßnahmen ausgeschöpft sind.

Die Validierung von Klimaschutzzielen unter Version 2.0 öffnet ab Anfang 2027. Die globale Finanzierungslücke zur Erreichung der SDGs wächst indes weiter. Vor diesem Hintergrund sieht die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima schnelleres Handeln geboten, sodass Unternehmen im Rahmen des SBTi Corporate Net-Zero Standard 2.0 bereits vor 2035 Verantwortung für verbleibende Emissionen übernehmen. Eine frühere Verpflichtung zu Maßnahmen der Kategorie Ongoing Emissions Responsibility kann einen wichtigen Beitrag leisten, zusätzliche Klimafinanzierung zu mobilisieren und die Umsetzung globaler Klimaziele voranzutreiben.

In ihren Online-Seminaren und Informationsblättern berichtet die Stiftung detailliert zu den Neuerungen. Einen Überblick über aktuelle Veranstaltungen erhalten Sie hier.

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