Ein halbes Jahr bei der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

Ein Einblick in mein Praktikum

Bevor ich mein Praktikum begann, verfasste ich meine Masterarbeit, in der ich mich mit dem Einfluss rechtspopulistischer Parteien auf Wohlfahrtsstaaten auseinandersetzte. Zuvor hatte ich mein Studium sowie meine praktischen Erfahrungen vor allem auf die Bereiche Klima- und Europapolitik sowie Internationale Beziehungen ausgerichtet. Nach dieser thematisch etwas „fachfremden“ Masterarbeit freute ich mich daher über das Praktikum bei der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima, die sich für nachhaltige Entwicklung im Globalen Süden einsetzt. Ich war gespannt darauf wieder in mein ursprüngliches Interessensgebiet zurückzukehren und an meine bisherigen Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit anzuknüpfen.

Der Beginn des Praktikums

Im besten Fall kann ein Praktikum dazu dienen, wertvolle Fähigkeiten zu entwickeln, neues Wissen anzusammeln und Kontakte zu knüpfen. Insbesondere durch die besondere Struktur des Praktikums in zwei Arbeitsbereichen – Engagement & Partnerschaften und Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit – war ich auf neue Einblicke und Erkenntnisse gespannt. Nachdem die WG-Zimmersuche nach etwas hin und her erfolgreich war, konnte ich mich auf einen Sommer in Berlin und den Umzug vorbereiten.

Die Einarbeitung in das Praktikum verlief strukturiert und herzlich. Das Büro der Stiftung ist sehr schön, zentral in Berlin Mitte gelegen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Direkt an meinem ersten Arbeitstag gab es ein gemeinsames Frühstück im Büro der Stiftung, das immer am ersten Montag im Monat stattfindet. In den Tagen darauf wurden mehrere Onboardings mit den Mitarbeiter:innen der verschiedenen Abteilungen durchgeführt. Auch erhielt ich eine Einführung in meine Arbeitsbereiche und Aufgabengebiete, wie beispielsweise die Erstellung von Serienbriefen, sowie in die Prozesse im Hintergrund. Insgesamt habe ich mich sehr gut aufgenommen gefühlt, wurde umfassend eingearbeitet und konnte schnell Aufgaben mit Verantwortung übernehmen. Bei Fragen oder Anmerkungen hatte ich immer das Gefühl, mich an meine Kolleg:innen wenden zu

Fachliche Einblicke

Innerhalb der sechs Monate konnte ich mich fachlich in die Thematiken der Stiftung einarbeiten und mein Wissen zum freiwilligen Kohlenstoffmarkt (engl. Voluntary Carbon Market) erweitern. Die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima ist eine Multi-Akteurs-Gemeinschaft mit einer

Unterstützer:innenschaft aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft, die sich für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz einsetzt. Ziel ist es, Unterstützer:innen zu mobilisieren und Klimafinanzierung als Investitionen in den freiwilligen Kohlenstoffmarkt zu fördern, Bildungsarbeit zu leisten und eine Wissens- und Austauschplattform zum Voluntary Carbon Market zu sein. Deswegen stellt die Stiftung auch Infosheets und Leitfäden auf ihrer Homepage zur Verfügung, die sich hoher Beliebtheit erfreuen. Auch werden regelmäßig verschiedene Netzwerkveranstaltungen durchgeführt.

Schon vor Beginn meines Praktikums bin ich Kritik am freiwilligen Kohlenstoffmarkt begegnet und hatte auch selbst durch Verfolgen der öffentlichen Debatte Fragen. In der öffentlichen Diskussion wird häufig auf mangelnde Transparenz einzelner Ausgleichsprojekte hingewiesen, besonders stehen dabei Waldschutz- oder Aufforstungsprojekte im Globalen Süden im Fokus. Ein weiterer Kritikpunkt ist „Greenwashing“, bei dem Unternehmen durch den Kauf von CO2-Zertifikaten mit einem nachhaltigen Image werben können, ohne den wichtigsten Schritt zu gehen: die Vermeidung von CO2.

Die Stiftung ist sich der Komplexität des Marktes, der bestehenden Herausforderungen und der Konfliktlinien sehr bewusst und setzt einen Fokus zunächst auf den Dreiklang „Vermeidung – Reduktion – Kompensation“. Bei der Kompensation empfiehlt sie, darauf zu achten, nur qualitativ hochwertige Klimaschutzprojekte in Ländern des Globalen Südens zu unterstützen, die anerkannten Qualitätsstandards entsprechen. Die Projekte sollen nicht nur den Ausstoß von CO2 effektiv senken, sondern auch Entwicklung im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Agenda 2030 fördern. Gleichzeitig unterstützt die Stiftung Akteur:innen dabei, Qualität sicherzustellen, Standards richtig anzuwenden und mehr Transparenz zu schaffen. Im Praktikum habe ich ein klares Verständnis dafür gewonnen, welchen Mehrwert gut konzipierte Projekte tatsächlich haben.

Hier möchte ich das Projekt „Hifadhi Livelihoods Cookstoves“ in Kenia hervorheben. Nutzer:innen erhalten im Rahmen des Projekts Energie-effiziente Kochöfen, die einen geringeren Holzverbrauch aufweisen und weniger CO2-Emission verursachen.

Energie-effiziente Kochöfen aus dem Projekt „Hifadhi Livelihoods Cookstoves“ in Kenia.
Herstellung der Kochöfen.
Auszeichnung des Leuchtturm-Projekts auf dem Sustainable Development Future Forum.

Auch werden lokal Handwerkerinnen in der Herstellung der Kochöfen geschult. Das Projekt leistet somit einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Förderung der SDGs und wurde auf dem Sustainable Development Future Forum, der Jahreskonferenz der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima, als Leuchtturm-Projekt ausgezeichnet. Die Auszeichnung dieses tollen Projektes ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben!

Neue Erfahrungen und Kenntnisse

Neben der fachlichen Einarbeitung in die Themen der Stiftung konnte ich vielfältige praktische Erfahrungen sammeln und mein Können gezielt erweitern. Durch das wöchentliche Jour Fixe in der jeweiligen Abteilung erhielt ich einen guten Einblick in die Tätigkeiten der Kolleg:innen und in die anstehenden Projekte der einzelnen Arbeitsbereiche. Auch wurde bei Entscheidungen regelmäßig nach meiner Perspektive gefragt, wodurch ich immer das Gefühl hatte, mich einbringen zu können.

Im Bereich Engagement & Partnerschaften erhielt ich wertvolle Einblicke in das Fundraising. Da sich die Stiftung derzeit strategisch breiter im Fundraising aufstellt, bot sich mir die Gelegenheit, Einblicke in die Entwicklung und konzeptionelle Umsetzung einer entsprechenden Strategie zu gewinnen. Dabei wurde deutlich, wie zentral Spenden für die Arbeit der Stiftung sind, um auch über die bestehende öffentliche Förderung bis 2030 hinaus wirksam zu bleiben. Sie ermöglichen es, Bildungsangebote auszubauen, Netzwerkveranstaltungen umzusetzen und Projekte zu realisieren, die den Bedarf innerhalb der Allianz und in der Öffentlichkeit insgesamt aufgreifen. Im Bereich Fundraising konnte ich eigene Ideen sowie Einschätzungen einbringen. Ich habe dabei gelernt, wie wichtig es ist, den Bedarf genau zu verstehen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und langfristige Beziehungen aufzubauen. Fundraising bedeutet nicht nur Ausdauer und Beharrlichkeit, sondern vor allem, das gemeinsame Ziel im Blick zu behalten – die Förderung von nachhaltiger Entwicklung und Klimaschutz.

Auch im Bereich Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln: Ich lernte die internen Prozesse und Strukturen kennen und wurde in die technischen Systeme eingearbeitet, darunter auch das Content-Management-System der Website und den Redaktionsplan. Ich wirkte an der Aktualisierung der Website mit, auf der die bereitgestellten Informationen immer wieder an neue Regularien und Wissensstände angepasst werden müssen. Zum Abschluss begleitete ich noch den Publikationsprozess eines Berichts bis zur Einreichung beim Verlag, wo ich für Lektorat und Formatierung zuständig war.

Das Stiftungs-Team auf dem Sustainable Development Future Forum 2025.

Das Sustainable Development Future Forum, das in diesem Jahr Anfang Oktober stattfand, ist eines der Highlights im Stiftungsjahr und in den Wochen zuvor konzentrierten sich viele Aufgaben auf die Ausrichtung dieser Veranstaltung. Neben spannenden Panels und Vorträgen gab es interessante Workshops. Ich konnte an einem Workshop zur transparenten Kommunikation von Green Claims – also Aussagen zu den Nachhaltigkeitstätigkeiten eines Unternehmens – teilnehmen und mich über neue EU-Regularien in diesem Bereich informieren.

Neue Erfahrungen und Kenntnisse

Nach dem Praktikum ziehe ich zurück nach Frankfurt am Main, wo ich zunächst meinen Master final abschließen werde. Danach steht ein neuer Lebensabschnitt – der Einstieg ins Berufsleben – bevor. Das Praktikum bei der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima hat mir hierfür wertvolle Impulse gegeben, ich konnte mein Wissen und Können weiterentwickeln und durfte ein wirklich nettes und herzliches Stiftungs-Team kennenlernen. Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen: Man sieht sich immer zweimal im Leben!

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