Die Stiftung zur COP27

Die diesjährige UN-Klimakonferenz (COP27) fand vom 6. bis 18. November 2022 in Scharm El-Scheich, Ägypten statt. Die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima war mit ihren Vorständen vor Ort vertreten und brachte die Aspekte der nachhaltigen Entwicklung und ambitionierten Kompensationsmaßnahmen aktiv in das internationale Treffen ein.

Erstmals wurde der Forderung der Entwicklungs- und Schwellenländer nach finanzieller Unterstützung für durch Extremwetterereignisse entstandene Verluste und Schäden (Loss and Damage) nachgekommen. Die EU schlug die Einrichtung eines internationalen Fonds vor, unter der Bedingung, dass die Gruppe der zahlenden Akteure über Europa und Nordamerika hinaus ausgeweitet wird und weitere große Treibhausgas-Emittenten beinhalten müsse. Ein dafür eingerichteter Ausschuss wird herausarbeiten, in welcher Höhe Finanzmittel benötigt, in welcher Form diese fließen und an welche Staaten sie gezahlt werden. Die Ergebnisse sollen auf der COP28 vorgestellt und weiterverhandelt werden.

Kaum Einigung zu erhöhten Klimaschutzambitionen
Das Bekenntnis zu einer durchschnittlichen Erderwärmung auf maximal 1,5 °C – dem ambitionierteren Temperaturziel des Pariser Klimaschutzabkommens – drohte dieses Jahr zu kippen. Aufgrund diverser Interessen, insbesondere einiger Öl- und Gas fördernder Staaten, gab es beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern wenig Einigung hinsichtlich der Erhöhung der staatlichen Klimaschutzambitionen. Während das Herunterfahren der Nutzung von Kohleenergie in das Abschlussdokument aufgenommen wurde, finden Öl sowie Gas als Energieträger weiterhin keine Erwähnung.

 

Fonds für Entwicklungs- und Schwellenländer
Die Industriestaaten versprachen 2009 auf der COP15, den Entwicklungs- und Schwellenländern ab 2020 jährlich eine Summe von 100 Milliarden USD für den Kampf gegen den Klimawandel zur Verfügung zu stellen. Dieses Ziel ist bis heute nicht erreicht worden und für die Zeit ab 2025 soll bereits ein neues Ziel benannt werden. Daher führen Expert:innen innerhalb der nächsten zwei Jahre Gespräche, um u.a. zu klären, welche Staaten Beitragszahlende und welche Beitragsempfangende sind. Zudem wurde eine Reform des internationalen Finanzsystems angeregt, die weltweite Finanzströme weg von fossilen Brennstoffen hin zu klimafreundlichen Investitionen lenken und skalieren soll. Die Rolle und Verantwortung des Privatsektors wurde betont. So zeigen die Leitlinien der UN Expert Group on the Net-Zero Emissions Commitments of Non-State Entities die Dringlichkeit von robusten Klimaschutzstrategien auf, die ambitionierte Emissionsreduktionen in allen Scopes sowie eine Abwendung von fossilen Energieträgern einfordern, und stellen die Bedeutung von qualitativ hochwertigen Ausgleichsprojekten heraus.

 

Auswirkungen auf den freiwilliger Kohlenstoffmarkt
Weitere zentrale und den freiwilligen Kohlenstoffmarkt betreffende Themen wie die Definition zu naturbasierten oder technologischen Klimasenken, Bestimmungen zur Einhaltung von Menschenrechten und Modalitäten eines eigenen Beschwerdemechanismus (Grievance Mechanism) für Maßnahmen unter Artikel 6 des Pariser Abkommens, konnten zu keinem Abschluss gebracht werden und sind auf die Verhandlungen im kommenden Jahr verschoben worden. Als positives Signal zur Vermeidung von Doppelzählungen kann die Einführung von sog. Mitigation Contributions A6.4 ERs gewertet werden. Damit könnte u.a. auch das Modell der Contribution Claims als Alternative zum klassischen Offsetting im freiwilligen Kohlenstoffmarkt deutlich Rückenwind bekommen.

 

„Mit dem auf der COP27 vereinbarten Fonds für klimabedingte Schäden und Verlust werden zukünftig auch die am stärksten von den Auswirkungen der Klimakrise Betroffenen berücksichtigt. Zudem braucht es weiterhin das gesamtgesellschaftliche Engagement, eigene Treibhausgasemissionen zu vermeiden und zu reduzieren. Wo dies nicht vollständig möglich ist, müssen Restemissionen durch Investitionen in hochqualitative Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. Hochwertige Ausgleichsprojekte sind ein zentraler Bestandteil zur Erreichung der Klimaziele.“, so Peter Renner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima.

 

„In der Frage von Loss und Damage hat die COP27 hat einen wichtigen Durchbruch auf dem Weg in Richtung Klimagerechtigkeit erreicht. Dem gegenüber steht eine Verantwortungslücke der größten Emittenten, die es dringend zu schließen gilt. Der Ausgleich unvermeidbarer Emissionen über hochqualitative Klimaschutzprojekte in Ländern des globalen Südens ist ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der Agenda 2030 sowie dem Klimaschutz.“, so Dr. Olivia Henke, Vorständin der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima.

 

Informationen für unsere Unterstützer:innen
Die Stiftung wird ihren Unterstützer:innen auch in diesem Jahr ein Online-Seminar zu den Ergebnissen der Klimakonferenz anbieten. Wir freuen uns, dass wir hierfür erneut Dr. Lambert Schneider vom Öko-Institut gewinnen konnten, der Ihnen am 29.11.2022 eine ausführliche Zusammenfassung der wichtigsten Entscheidungen und Erkenntnisse geben wird. Wir laden Sie herzlich ein, daran teilzunehmen und sich auszutauschen!

Unter folgendem Link können Sie mehr erfahren und sich anmelden.